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Nahost

Musikalischer Grenzgänger aus dem Libanon

Arabische Musik mit Jazz-Elementen und portugiesischen Fado-Klängen - dieser ungewöhnliche Musikmix ist eine Kreation von Rabih Abou-Khalil. Er ist einer der erfolgreichsten Musiker der europäischen Jazz-Szene.

Rabih Abou Khalil bei einem Konzert (Foto: AP)

Rabih Abou-Khalil Musik lässt sich nicht in Sparten zwängen

Rabih Abou Khalil ist nicht nur ein Virtuose auf dem Oud, der arabischen Kurzhalslaute, sondern auch ein Musiker mit Humor. Mit viel Witz und Selbstironie erzählt er auf der Bühne vor jedem Stück eine kleine Anekdote, zum Beispiel dass der Direktor des Nationaltheaters der portugiesischen Stadt Porto ihn eines Tages betrunken anrief und ihm vorschlug, portugiesische Gedichte zu vertonen. Der ebenfalls betrunkene Abou Khalil habe dann spontan zugesagt, und aus dieser, wie er sagt, absurden Idee sei zusammen mit dem Lissaboner Sänger Ricardo Ribeiro, der traditionelle portugiesische Fado-Musik macht, die Platte "em português" entstanden.

Der Deutsch-Libanese Abou Khalil ist ein umtriebiger Künstler, der immer wieder für musikalische Überraschungen sorgt. Aufgewachsen im weltoffenen Beirut der 60er und 70er Jahre, spielte er bereits im Alter von vier Jahren das erste Mal Oud - das wichtigste arabische Musikinstrument.

Keine Schubladen

Rabih Abou Khalil bei einem Konzert in Hamburg(Foto: picture-alliance / jazzarchiv)

Rabih Abou-Khalil fühlt sich auf allen musikalischen Bühnen zuhause

Seit vielen Jahren mischt Rabih Abou-Khalil in seinen Kompositionen Elemente der arabischen Musik mit Klassik, Jazz und Musik aus aller Welt. Dabei suche er nicht nach Musikern, er finde sie, erklärt Abou-Khalil. Und er höre natürlich auch viel Musik. "Und immer, wenn ich etwas finde, bei dem ich denke, da könnte man etwas daraus machen, dann liegt das meistens eher an den musikalischen Persönlichkeiten, als am Instrument, der Herkunft oder der Kultur."

Bei Abou-Khalils Kompositionen entstehen jedes Mal aufs Neue ganz individuelle Stücke. Mittlerweile gehört er zu den erfolgreichsten Jazz-Musikern in Europa, hat zahlreiche Platten veröffentlicht und einige Jazzpreise gewonnen. Mit der Kategorisierung Jazz' hat Rabih Abou-Khalil dennoch seine Schwierigkeiten . Er möchte lieber in keine stilistische Schublade gesteckt werden: "Ich wüsste nichts, was so klingt, aber ich glaube, das denkt jeder von sich", sagt er lachend, "Gibt es noch einen Musikstil, der sich so viele verschiedene Musikstile einverleiben kann und danach klingt es immer noch so wie meine Musik?"

'Imaginäre Folklore'

Die Stile, die Abou-Khalil in seiner Musik mischt, sollten, wie er sagt, immer zueinander passen. Er studiert sie genau und versucht, sie zu verstehen. Dabei spielen arabische Musik und der Oud immer eine zentrale Rolle. Manchmal wird er im Libanon gefragt, warum er keine reine traditionelle arabische Musik mache. Dann frage er zurück, welche arabische Musik denn gemeint sei. Die Musiker, die man heute traditionell oder alt nenne - wie Um Kolthoum, Abdel Wahab, Sayyed Darwish - das seien alles Revolutionäre in der Musik gewesen. "Ich glaube dieses Festklammern an diese virtuelle Tradition, von der man gerne spricht, das ist eher etwas, was der Kultur überhaupt nicht gut tut. Eine Kultur, eine Musik muss offen sein."

Offenheit - damit kann man Abou-Khalils musikalische Haltung gut beschreiben. Kritiker bezeichnen seine Musik als 'imaginäre Folklore'. Diesen Begriff findet er gut, und dennoch überrascht es ihn, dass seine komplexen Stücke vielen Hörern vertraut klingen.

Kultureller Brückenbauer

CD Cover Em Portugues von Rabih Abou Khalil Jazzmusiker

Jede CD hat einen anderen Stilmix bei Abou-Khalil

Abou-Khalil will bewusst keine politischen Statements in seine Musik komponieren. Als Deutsch-Libanese sieht der musikalische Grenzgänger in seiner Arbeit und in seiner Musik eine Kunst, die Kulturen miteinander verbindet. Und der Erfolg bestärkt ihn und seine Mitmusiker in ihrer Arbeit. Seine Platte "em português" stieß in der portugiesischen Fado-Szene auf große Begeisterung. Der Weltmusiker glaubt, dass es zwischen Kulturen immer Kulturträger wie ihn gebe, Menschen, die Brücken zwischen den Kulturen schaffen können. "Es gibt ja nicht nur Mauern dazwischen. Es gibt auch Türen, und die muss man treffen."

Autor: Nader Alsarras
Redaktion: Carolin Hebig