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Musik

Musikalischer Flächenbrand

Das Schleswig Holstein Musik Festival feiert Jubiläum. Seit 25 Jahren macht es als großes Sommerfestival mit ungewöhnlichen Konzerten in ländlicher Idylle auf sich aufmerksam. Ein Erfolgsrezept, das Schule gemacht hat.

Festivalgründer Justus Frantz Foto: DW-TV

Festivalgründer Justus Frantz

Auch wenn man es hierzulande nicht gerne hört: der Sommer neigt sich so langsam dem Ende zu. Und damit gehen auch die vielen Sommerfestivals, die als musikalische Touristenattraktionen Urlauber in eher einsame Landstriche locken, so langsam zu Ende. Ein Festival war da vor 25 Jahren Vorreiter: es hat eine ganze Kulturindustrie fernab von großen Metropolen aufkommen lassen. Es zieht nicht nur junge internationale Nachwuchskünstler an, sondern auch weltberühmte Musiker, die bei diesem Festival ihre Karriere einst begannen. Sein Logo steht für das Land und zeigt mittlerweile an deutschen Autobahnen die Landesgrenzen von Schleswig-Holstein auf: das Schleswig-Holstein Musik-Festival.

Zum Dank ein Festival

Der Pianist und Festivalgründer Justus Frantz hatte eine einfache Idee: "Die Grundidee war, dass ich eine sehr schöne Jugend in Schleswig-Holstein hatte - ich bin Flüchtling, bin geboren östlich von Posen – und ich wollte irgendwann einmal in meinem Leben, das hatte ich mir fest geschworen, meinen Dank dem Land zurück geben!" In einem Vierteljahrhundert gab es als Dank in Schleswig Holsteins Konzertsälen, in Schlössern und auf Bauernhöfen mehr als 3000 Festivalkonzerte. Das musikalische Konzept ist mehr oder weniger gleich geblieben, sagt der derzeitige künstlerische Leiter Christoph Eschenbach: "Die Dramaturgie ist eigentlich nur, dass das Programm möglichst bunt ist, dass es viel Abwechslung bietet und Musik eigentlich aus vielen Jahrhunderten bringt!"

Es muss unter die Haut gehen

Leonard Bernstein leads the Schleswig-Holstein Music Festival Orchestra during a rehearsal at Selzau Castle, north of Hamburg, Germany, in July 1990. (AP Photo/WNET/HO)

Probe mit Leonard Bernstein

Der legendäre Dirigent und Komponist Leonard Bernstein hat das Festivalorchester mit Justus Frantz vor 25 Jahren gegründet: "Leonard Bernstein war einer der genialsten Menschen, die ich in meinem Leben kennen gelernt habe. Und er hatte die Gabe, in jedem Moment die Freude am Leben, die wir ja eigentlich alle haben sollten – weil uns wird das Leben ja nur einmal geschenkt – das auch anderen klar zu machen!" Die Musik und das Leben zu verknüpfen, das ist bis heute Christoph Eschenbachs Geheimnis: "Ich finde, man muss einfach aufgeschlossen sein! Musik, wie Beethoven sagte, kommt von Herzen und geht zu Herzen!"

Im geteilten Deutschland

Die Entdeckung in der Musik, erinnert sich Justus Frantz, gab dem Schleswig-Holstein-Festival in den späten 80er-Jahren – als Deutschland noch ein geteiltes Land war – eine besondere Bedeutung. "Wir hatten eine unglaubliche Anzahl von Premieren von DDR-Komponisten, die wir ja alle nicht kannten. An einen erinnere ich mich besonders, weil das sehr eindrucksvoll war: Schleiermacher. Und alle waren offen und dachten: "Wie toll ist das, dass wir endlich auch mal über die Grenzen hinweg etwas erreichen, etwas sehen und etwas hören können."

Erste Sahne aus Polen

Das Amadeus-Rundfunk- Kammerorchester aus Posen Foto: Pressefoto Schleswig Holstein Musik Fesival

Das Amadeus-Rundfunk- Kammerorchester aus Posen

Jedes Jahr setzt das Schleswig-Holstein-Musikfestival neue Länderschwerpunkte. In diesem Jahr hieß das Motto "Polen im Puls". „Ich möchte unserer weithin unbekannten polnischen Musik die Türen öffnen. Chopin kennt man ja. Aber polnische Komponisten wie Szymanowsky oder Karlowicz haben es im Vergleich zu ihren tschechischen Kollegen Smetana oder Dvorak bis jetzt kaum geschafft, bekannt zu werden," sagt die polnische Dirigentin Agnieska Duszmal. "Und meine Rolle war es, dem Publikum die erste Sahne polnischer Musik zu zeigen!"

Auf die nächsten 25 Jahre!

Multipercussionist Martin Grubinger Foto: Pressefoto Schleswig Holstein Musik Festival

Martin Grubinger

"Das Schleswig Holstein Musikfestival ist etabliert. Es ist im Bewußtsein der Menschen und es hat vor sich eine große und gesunde Zukunft", hofft Justus Frantz. Aber auch das Land Schleswig Holstein leidet heute unter den Sparzwängen der Bundesregierung und hat angekündigt, die Festivalzentrale in Salzau zu verkaufen. Vehementer Protest kommt von einigen Künstlern. Martin Grubinger: "Es ist nicht einzusehen, dass immer die Kunst in Zeiten, wo Manager ihr Geschäft gegen die Wand fahren und Unterstützung erhalten, die Kunst zahlen muss!" Justus Frantz weiß dieses Engagement zu schätzen. "Ich hoffe, es geht auf die nächsten 25 Jahre."

Autor: Peter Zimmermann

Redaktion: Gudrun Stegen

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