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Afrika

Musikalische Antwort auf die Islamisten

In Marokko löst derzeit ein Musikfestival das andere ab. Einer der Höhepunkte: das Festival Mawazine in der Hauptstadt Rabat. Doch es wurde von einer Massenpanik überschattet, bei der mindestens elf Menschen starben.

Zuschauer beim Mawazine (Foto: Sifeddine Elamine Crédit photos)

Festival Mawazine in Rabat

Es ist Festivalzeit in Marokko – und nach Casablanca, Fez und Marrakesch vibriert nun auch Rabat im Rhythmus der Welt – ganz so, wie es sich für eine Hauptstadt gehört. Neun Tage, neun Bühnen, hundert Konzerte, fünf Kontinente, vierzig Nationen – das Festival Mawazine will Maßstäbe setzen, zehntausende Besucher sind begeistert. Natürlich geht es um Musik, aber es geht um noch viel mehr.

Das Festival zeige, dass die verschiedenen Völker und Religionen doch irgendwie zusammengehören, sagt ein Zuschauer: "Die Musik macht’s möglich". Aber das Mawazine zeige auch, dass Marokko ein weltoffenes, tolerantes und musikalisches Land sei. Und natürlich sei es ein großartiges Signal des Königs, wenn er sich an die Spitze dieser Image-Kampagne setze.

Marokkos Image als weltoffenes Land

König Mohammed VI. (Foto: AP)

Schirmherr des Mawazine: König Mohammed VI.

König Mohammed VI liegt viel an diesem Image. Er selbst ist der Schirmherr des Mawazine, schon zum achten Mal. Wieder hat er sein ganzes politisches Gewicht in die Waagschale geworfen, wieder eine lange Liste von Sponsoren gewonnen, um alles nach Marokko zu holen, was Rang und Namen hat – von Kylie Minogue über Alicia Keys bis zu Solomon Burke, Al di Meola, Stevie Wonder, Johnny Clegg und vielen anderen. Dass der König mit den Superstars auch Werbung in eigener Sache macht, ist für Aziz Daki, den künstlerischen Leiter des Festivals, nichts Ehrenrühriges. Im Gegenteil: "Der König unterstützt uns dabei, die Vielfalt von Kultur, Religion und Kreativität sichtbar und hörbar zu machen."

Rhythmische Kulturpolitik

Johnny Clegg (Foto: Sifeddine Elamine Crédit photos)

Johnny Clegg

Eine deutliche Anspielung auf Marokkos Islamisten – denen es gar nicht gefällt, dass sich ihr Land so weltlich präsentiert. Marokko ist gegen religiöse Extremisten nicht immun. Zwar galt die Sonderstellung des Königs als weltlicher Machthaber und oberster geistlicher Führer lange als Garantie gegen extremistische Auslegungen des Koran. Aber damit ist es spätestens seit sechs Jahren vorbei, als bei den Anschlägen von Casablanca mehr als 40 Menschen starben. Die Regierung hält mit harter Hand dagegen, aber der König weiß, dass er auch die Herzen der Menschen gewinnen muss. Und so ist der Aufmarsch der prominenten Superstars seine musikalische Antwort an die Islamisten. Natürlich ist das kein offiziell erklärtes Ziel des Mawazine – aber die Absicht ist klar, zwischen den Zeilen, sagt Festivaldirektor Aziz Daki: "Eine Kultur, die die Vielseitigkeit nicht verteidigt, die nicht dafür kämpft, dass unterschiedliche Religionen und Denkweisen nebeneinander existieren können - das ist keine Kultur".

Hip-Hopper gegen Hassprediger

Casablanca nach den Anschlägen (Foto: AP)

Casablanca nach den Anschlägen religigiöser Extremisten

Auch wenn es sich nicht immer so anhört – selbst die ganz harten Jungs unterstützen die Kulturpolitik von Mohammed VI. Bigg gilt als Marokkos Hip-Hop-Pionier, er rappt auf Arabisch – er sagt, was er denkt, und damit erreicht er Millionen von Fans. Für Bigg adelt der König mit seinem Engagement auch den marokkanischen Hip Hop. Und das sei wichtig, weil auch Hip Hop zur Kultur Marokkos gehöre. "Und wenn der König das unterstreicht", sagt Bigg, "dann haben diese ganzen Hassprediger auch keine Chance mehr".

Eine Massenpanik bei einem Abschlusskonzert (Sonntag, 24.5.2009) warf einen Schatten über das Festival: mindestens elf Menschen kamen dabei ums Leben. Rund 70.000 Menschen hatten sich das Konzert des heimischen Popstars Abdelaziz Stati angesehen. Zu der Tragödie war es gekommen, als die Zuschauer nach der Veranstaltung aus dem Fußballstadion strömten. Dabei habe eine Absperrung nachgegeben, teilte die marokkanische Polizei mit.

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Klaudia Pape/Katrin Ogunsade