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Kultur

Musik als 'Weltmacht' - Mstislaw Rostropowitsch ist tot

Der Cellist und Dirigent Mstislaw Rostropowitsch ist am Freitag (27.4.) im Alter von 80 Jahren in der russischen Hauptstadt Moskau gestorben. Er galt als einer der weltweit bedeutendsten Musiker unserer Zeit.

Mstislaw Rostropowitsch

Begnadet und furchtlos:
Mstislaw Rostropowitsch

Rostropowitsch engagierte sich besonders für die Musik zeitgenössischer Komponisten und spielte die Uraufführung zahlreicher Werke. Zu den Komponisten, die extra für ihn Stücke komponierten, zählen Dmitri Schostakowitsch, Sergei Prokofjew, Leonard Bernstein, Alfred Schnittke, Benjamin Britten oder auch Pierre Boulez.

In der vergangenen Woche hatten die Ärzte des Künstlers mitgeteilt, sie fürchteten um das Leben ihres Patienten. Rostropowitsch war bereits im November an der Leber operiert worden und hatte Konzerte in Washington absagen müssen. Bei einem Besuch in der südrussischen Stadt Woronesch im Dezember hatte er einen Schwächeanfall erlitten.

Schon als Kind habe ihn das Dirigieren fasziniert, sagte Rostropowitsch einmal. So bereitete er sich schon seit Beginn seiner Karriere als Solist auch auf den Beruf des Dirigenten vor. Er und seine Frau, die Sopranistin Galina Wischnewskaja (80), waren stets auch politisch engagiert.

Furchtloser Kämpfer für die Menschenrechte

Rostropowitsch wurde am 27. März 1927 in Baku (heute Aserbaidschan) geboren. Sein Vater war ebenfalls Cellist, seine Mutter Pianistin. Schon als kleines Kind erhielt er Unterricht bei seinen Eltern. Von 1935 an besuchte Rostropowitsch in Moskau die Gnjessin-Musikschule, außerdem erhielt er Unterricht am Moskauer Konservatorium. Mit 13 Jahren trat er mit einem Cellokonzert erstmals öffentlich auf.

1964 begann mit einem Konzert in der Bundesrepublik seine internationale Karriere, Auftritte in der ganzen Welt folgten. Neben der Konzerttätigkeit lehrte der Cellist am Moskauer Konservatorium. Auch als Dirigent machte Rostropowitsch international Karriere. Er spielte weit mehr als 100 Uraufführungen auf dem Cello, als Dirigent leitete er rund 65 Weltpremieren.

Ab 1971 bekam Rostropowitsch Ausreiseverbot, weil er den Literatur-Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn - der beim sowjetischen Regime in Ungnade gefallen war - bei sich aufnahm. 1974 verließ er nach schweren Konflikten mit der Regierung die Sowjetunion und wurde Chefdirigent des National Symphony Orchestra in Washington DC (1977-1994). Er blieb jedoch auch weiterhin ein sehr aktiver Cellist.

Solo am Checkpoint Charlie

Mstislaw Rostropowitsch am 11. November 1989 bei einem Solo vor der Berliner Mauer

Mstislaw Rostropowitsch am 11. November 1989 bei einem Solo vor der Berliner Mauer

1978 wurden ihm die sowjetische Staatsbürgerschaft und alle sowjetischen Auszeichnungen aberkannt. Danach nahm er mit seiner Ehefrau die Schweizer Staatsbürgerschaft an und lebte in Washington und Paris. Furchtlos setzte sich Rostropowitsch immer wieder für diskriminierte Künstler ein. 1980 gastierte er in Paris für den Dissidenten Andrej Sacharow mit Interpreten aus aller Welt, 1983 spielte er in Köln zu Gunsten von Künstlern und Bürgerrechtlern in osteuropäischen Staaten wie im westlichen Exil. Als am 9. November 1989 die Berliner Mauer fiel, flog er von Paris mit seinem Cello nach Berlin, um am Checkpoint Charlie eine von Bachs Solosuiten zu spielen. 1990 bekam er durch Michail Gorbatschow, den damaligen Präsidenten der Sowjetunion, die sowjetische Staatsbürgerschaft und seine Rechte wieder zurück.

"Die drei schönsten Tage" seines Lebens erlebte er nach eigenem Bekunden in Moskau nach dem gescheiterten Staatsstreich gegen Michail Gorbatschow (19.-21.8.1991). Spontan war er während der Putsch-Tage nach Moskau gereist. Der russische Präsident Boris Jelzin zeichnete ihn zwei Jahre später für diese "selbstlose Tapferkeit beim Schutz der russischen Demokratie" mit der Medaille "Verteidiger der Freiheit Russlands" aus. (wga)