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Musik

Musik als wäre man am Meer: die Sängerin Bê

Mit viel Musik in São Paulo aufgewachsen, nahm Bê erst im Mutterland die musikalische Fährte auf. Aus dem Musikparadies Brasilien kam sie zum Musikmachen nach Deutschland.

Bê alias Betina Ignacio (Foto: Marcos Hermes)

Bei ihrem Künstlernamen begnügt sie sich heute kurz und knapp mit "Bê". In Wirklichkeit jedoch kam sie als Betina Ignacio 1978 in São Paulo zur Welt. Den in Brasilien eher seltenen Vornamen verdankt die Sängerin ihrer deutschen Mutter, die vor langem in Brasilien hängen blieb. Aus Liebe zu Bê’s späterem Vater und wegen "Monte Azul", einem gemeinsam begründeten Bildungs- und Kulturprojekt für und mit Favela-Bewohnern. Dass Bê durch das soziale Engagement ihrer Eltern auch schon früh die Schattenseiten des brasilianischen Lebens mitbekam, merkt man ihrer überwiegend sonnigen Musik so nicht an. Auch lassen ihre vor Meeresbezügen nur so strotzenden Songs nicht vermuten, dass sie den Atlantik gegen den Bodensee und die Berge als Inspirationsquelle eingetauscht hat.

Vor gut zehn Jahren vollzieht die sympathische, attraktive Mulattin den zur einstigen Reise ihrer Mutter umgekehrten Weg, landet in Konstanz, wo sie offenbar auf die richtigen, inspirierenden Musiker trifft und ein Gesangsstudium aufnimmt. Das finanziert sie sich als Modell. Das scheint der politisch korrekten Künstlerin, die mittlerweile mit ihren Einnahmen die Arbeit ihrer Eltern tatkräftig unterstützt, von heute aus nicht mehr ganz geheuer.

Zaghaft ausgelebte Liebe zur Muttersprache

Bê alias Betina Ignacio (Foto: Marcos Hermes)

"Wie lange noch" heißt der einzige, teils auch auf Deutsch gesungene Song der aktuellen CD Mistura Natural, in dem die 32-jährige mit Sorge über den Status Quo und die Zukunft der Welt sinniert. Ansonsten setzt Bê in ihren überwiegend selbst komponierten Liedern durchweg aufs Portugiesische. Noch wohlgemerkt, denn eigentlich liebe sie nach eigenem Bekenntnis die deutsche Sprache sehr – zur Verwunderung einiger Freunde und Kollegen – und empfinde es als eine spannende Herausforderung, auf Deutsch zu singen. Die 13 sinnlich-eleganten, von Pop, Jazz und Reggae, Bossa Nova und Samba gespeisten Songs für "Mistura Natural" nahm die Sängerin, deren Stimme bisweilen an Sade erinnert, in New York auf. Mit von der Partie – im Aufnahmestudio wie live: Musiker aus Deutschland, Brasilien und den USA.

Die Mischung macht’s

Die aktuelle CD Mistura Natural (Foto: rough trade)

Die aktuelle CD Mistura Natural

Die Mischung macht’s bei der Künstlerin – das stellen auch die Titel ihrer beiden Platten klar: Nach der "Feinen Mixtur", Bês Debütalbum "Mistura Fina", nun also die "Natürliche" – "Mistura Natural". Und dazu gehört für Bê das ungezwungene Miteinander einander ergänzender Gegensätze. Eine geträumte Geschichte – halb Traum, halb Albtraum inspirierte den Titeltrack.

Sie habe geträumt, dass die Welt hundert Prozent in Ordnung wäre, alles Friede, Freude, Eierkuchen und so stinklangweilig war. Zweifellos wachsen zwei Seelen in der Brust dieser Frau, die es sich kraft ihrer Vita von jeher zwischen den Stühlen bequem machen muss. Sie verfolgt ihren musikalischen Weg mit brasilianischer Leichtigkeit und Spiritualität, aber auch mit einer guten Portion deutscher Gründlichkeit und Nachdenklichkeit. Und wenn es zu kompliziert und verkopft werde, dann solle man einfach loslassen, singen und tanzen. Und schon käme einem alles nicht mehr so schwer vor. So die Empfehlung einer Künstlerin, der man auch auf der Konzertbühne anmerken kann, wie sehr Gesang und Tanz zusammengehören.

Autor: Katrin Wilke
Redaktion: Matthias Klaus


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