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Politik

Musharraf – sein letztes Manöver

Neun Jahre hat Pervez Musharraf Pakistan regiert. Wie so vielen Autokraten ist ihm irgendwann die Macht entglitten. Mit seinem Rücktritt hat der Ex-General die letzte Gelegenheit zum geordneten Rückzug wahrgenommen.

Pervez Musharraf (Quelle: DPA)

Das Militär ist seine zweite Haut: Pervez Musharraf

Nun geht er also doch. Pakistans Staatspräsident Pervez Musharraf tritt ab und kommt damit einer drohenden Anklageerhebung zuvor. Vor laufenden Kameras verkündete der ehemalige Militärdiktator am Montag (18.08.2008) seinen Amtsverzicht. Mit seinem Rücktritt hat der Ex-General sein vorerst letztes Manöver absolviert: den geordneten Rückzug. "Es war die allerletzte Chance für Musharraf, gesichtswahrend abzutreten", sagt Gregor Enste, der Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Pakistan.

Vom Putschgenereal...

Demonstration (Quelle: AP)

Jubel bei der Muslim-Liga nach dem Rücktritt von Musharraf

Pervez Musharraf hatte sich am 12. Oktober 1999 an die Macht geputscht. Der Widerstand war so gering, dass der Putsch unblutig verlief. Nicht wenige Pakistanis begrüßten seine Machtübernahme sogar. Sie waren der korrupten Politiker überdrüssig, die das Land bis dahin regiert hatten. Aus dem 1943 in Neu-Delhi geborenen Muslim, dessen Familie nach der Teilung 1947 aus Indien geflohen war, war der mächtigste Mann Pakistans geworden.

Die Unterstützung des Westens sicherte sich Musharraf, als er sich nach den Anschlägen vom 11. September 2001 umgehend auf die Seite Washingtons stellte. Über Nacht wurde er vom ungeliebten Putschgeneral und Militärdiktator zum engen Verbündeten Washingtons. Dabei hatte er noch in den 1980er Jahren selbst islamistische Kämpfer für den Krieg in Afghanistan ausgebildet. Nun aber erlaubte er den USA, Pakistan als Aufmarschgebiet für den Krieg gegen die Taliban zu nutzen.

... zum Freund des Westens

Musharraf und George W. Bush (Quelle: AP)

Mit George W. Bush

Er oder die Islamisten – das war die Formel, mit der sich Musharraf in den folgenden Jahren die Unterstützung Washingtons sicherte. Mit Erfolg: Die USA hoben die Wirtschaftsanktionen gegen Pakistan auf. Über zehn Milliarden Dollar Finanzhilfe soll Pakistan seitdem erhalten haben. "Präsident Musharraf war ein Freund der USA und einer der engagiertesten Partner im Krieg gegen Extremismus und Terrorismus", würdigte ihn US-Außenministerin Condoleezza Rice daher am Tag seines Rücktritts. "Dafür gebührt ihm unser Dank."

2007 schwand die Macht von Musharraf. Nachdem er am 9. März 2007 den regimekritischen Obersten Richter, Iftikhar Chaudhry, suspendiert hatte, kam es landesweit zu Demonstrationen. Musharraf versuchte, zu retten, was noch zu retten war. Er erlaubte der Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto, nach Pakistan zurückzukehren. Mit ihrer Hilfe wollte er an der Macht bleiben. Im November 2007 trat er als Befehlshaber der Streitkräfte zurück und ließ sich als Zivilist für fünf Jahre zum Staatsoberhaupt küren.

Rapider Machtverlust

Musharraf und Gerhard Schröder (Quelle: AP)

Gern gesehener Gast: Musharraf bei Schröder

Doch nachdem Bhutto Ende 2007 ermordet worden war, gewannen die beiden großen Oppositionsparteien, Bhuttos Pakistan People's Party (PPP) und die Pakistan Muslim League (PML-N) die Parlamentswahl im Februar 2008. Musharraf verlor damit seinen Rückhalt im Parlament. Die PML-N ist die Partei von Nawaz Sharif, also ausgerechnet von dem ehemaligen Premierminister, den Musharraf 1999 gestürzt hatte.

Auch im Militär hatte Musharraf nicht mehr den Einfluss, den er einst als Putschgeneral und Generalstabschef gehabt hat. Daher verlor auch die US-Regierung das Interesse. "Sie haben ihn fallen lassen, weil er nicht mehr den Einfluss hat, den er 2001 gehabt hat", sagt Enste. Hinter den Kulissen waren die USA an den Verhandlungen über die Rücktrittsmodalitäten beteiligt.

Operation Machterhalt gescheitert

"Wie so viele Alleinherrscher hat Musharraf irgendwann die Bodenhaftung verloren", sagt Enste. Am Ende blieb 65-Jährigen nur Rückzug. Nach Ansicht von Gregor Enste ist das nur folgerichtig. "Musharraf ist durch und durch Militär. Er denkt strategisch: Wenn er sieht, dass er keine Verbündeten mehr hat, zieht er sich zurück."

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