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Politik

Musharraf kündigt neue Anti-Terror-Strategie an

Pakistans Präsident hat eine neue Anti-Terror-Strategie angekündigt. Unterdessen rief El Kaida zum Aufstand gegen Musharraf auf. Nach dem Sturm auf die Rote Moschee wurden dutzende Opfer begraben.

Beerdigung von Abdul Rashid Ghazi in dessen Heimatdorf Basti, Quelle: AP

Beerdigung von Abdul Rashid Ghazi in dessen Heimatdorf Basti

Maulana Abdul Aziz vor der Beerdigung seines Bruders, Quelle: AP

Maulana Abdul Aziz vor der Beerdigung seines Bruders

Nach der Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad hat Pakistans Staatschef Pervez Musharraf eine neue Strategie im Kampf gegen den Terror angekündigt. In einer Fernsehansprache am Donnerstagabend (12.7.07) drohte er an, mit harter Hand gegen Islamisten vorzugehen. "Extremismus und Terrorismus ist nicht beendet durch die Aktion, aber wir sind entschlossen, dies im ganzen Land zu unterbinden".

Verstärkung der Truppen

Der Präsident wird innenpolitisch sowohl von islamistischen Gruppierungen als auch von Oppositionsparteien stark unter Druck gesetzt. Zudem stellte Musharraf eine "Initiative zur Bekämpfung des Extremismus" sowie die Verstärkung der Truppen im Grenzgebiet zu Afghanistan vor. Besonders die USA kritisieren, Pakistans Grenzregion sei zum Zufluchtsort für Kämpfer von El Kaida und der radikalislamischen Taliban geworden.

Die Kämpfe haben deutliche Spuren hinterlassen, Quelle: AP

Die Kämpfe haben deutliche Spuren hinterlassen

Bei der zweitägigen Erstürmung der Roten Moschee wurden neun Soldaten getötet, auf dem Gelände des Gotteshauses wurden zudem 75 Leichen geborgen. 19 Tote konnten bislang nicht identifiziert werden. Bei ihnen könne es sich auch um Kinder und Frauen handeln, sagte Armeesprecher Waheed Arshad. Zuvor hatte es von offizieller Seite geheißen, zum Schluss seien keine Frauen und Kinder mehr in dem Gebäudekomplex gewesen. Während der Erstürmung kamen 60 Frauen und Kinder frei, schon zuvor hatten 1300 Menschen die Rote Moschee verlassen, rund zwei Drittel von ihnen Frauen und Kinder.

Ein Augenzeuge hatte berichtet, er habe hunderte von Opfern gesehen. Der pakistanischen Tageszeitung "Dawn" sagte der Mann, das Gelände sei mit Leichen übersät, die in weiße Tücher eingehüllt waren. Er habe die Leichen nicht zählen können, es seien jedoch hunderte gewesen. Journalisten dürfen das Gelände der Roten Moschee weiterhin nicht betreten. Auch waren Recherchen in den Krankenhäusern unmöglich.

"Das Blut der Märtyrer wird Früchte tragen"

Der beim Sturm auf die Rote Moschee in Islamabad getötete 43-jährige Islamisten-Führer Ghazi wurde in seinem Heimatdorf Basti Abdullah in der Provinz Punjab beerdigt. Nach Augenzeugenberichten nahmen mehr als 2000 Menschen an der Bestattung teil, die von hunderten Polizisten überwacht wurde. Auch Ghazis älterer Bruder Abdul Aziz, der festgenommene Leiter der Roten Moschee, durfte teilnehmen. Ghazis Mutter war während der Auseinandersetzungen ebenfalls umgekommen.

Ein Fernsehjournalist in der Roten Moschee, Quelle: AP

Ein Fernsehjournalist in der Roten Moschee

Beim Totengebet für seinen Bruder sagte Maulana Abdul Aziz: "Pakistan wird bald eine islamische Revolution haben. Das Blut der Märtyrer wird Früchte tragen." Aziz sprach vor rund 3000 Anhängern bei einer Totenfeier auf dem Gelände der am Mittwoch von Spezialkommandos gestürmten Moschee. Rund 700 Polizisten, darunter 100 Beamte in zivil, waren während der Zeremonie im Einsatz, sagte der örtliche Polizeichef Maqsoodul Hassan Chaudry.

Laut Vize-Informationsminister Tariq Azeem wurden auf dem Gelände der Moschee entgegen den Angaben der Besetzer keine Massengräber gefunden. Ghazi hatte vor der Erstürmung von hunderten Toten gesprochen. Sicherheitskräfte fanden laut Azeem einen abgetrennten Kopf, was auf eine in selbstmörderischer Absicht ausgelöste Explosion während der Kämpfe hindeute. Die Armee zeigte aus dem Waffenarsenal der Besetzer Sprengstoffgürtel, Granatwerfer und Minen.

Die Nummer zwei der El Kaida, Aiman el Sawahiri, rief die Pakistaner in einer im Internet verbreiteten Audiobotschaft zum Kampf gegen Musharraf auf. "Wenn ihr euch nicht wehrt, wird Musharraf euch vernichten", hieß es darin. Die Stürmung der Roten Moschee bezeichnete er als "kriminellen Angriff", den die Regierung im Namen "der Kreuzzüge und der Juden" unternommen habe. Musharraf werde nicht einhalten, "ehe er den Islam in Pakistan ausgelöscht hat". (stu)

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