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Gastkommentar

Musa Panti Filibus: 500 Jahre Reformation - In der Ökumene liegt die Zukunft

Der 500. Jahrestag der Reformation wird heute in aller Welt gefeiert. Vor allem wo Christen unter Druck stehen und verfolgt werden, ist Ökumene die einzige Option, meint der Präsident des Lutherischen Weltbundes.

Die Reformation ist heute eine Weltbürgerin. Die Bewegung, die vor 500 Jahren in Wittenberg begonnen hat, geht noch immer um die Welt und verändert durch ihre Botschaft ganze Gesellschaften. Die Gemeinschaft von 145 Kirchen im Lutherischen Weltbundes (LWB) ist ein Zeugnis dieses Weltbürgertums, das mehr als 74 Millionen Lutheraner in 98 Ländern der Erde zusammenbringt.

Bereits im 16. Jahrhundert, als sich die Botschaft Martin Luthers von Wittenberg aus verbreitete, kam die Reformation in einige dieser Länder. Später erreichte sie dann auch andere Regionen - durch Pastoren, Missionare, aber auch durch Migration. Heute können wir beobachten, wie die Mitgliedskirchen des Weltbundes das Evangelium in ihren jeweils eigenen Kontexten und Kulturen bezeugen. Es ist beeindruckend, wie die LWB-Mitgliedskirchen das Reformationsjubiläum gefeiert haben. Obwohl wir räumlich weit voneinander entfernt sind, sind wir in unserem christlichen Dienst und Zeugnis für die Welt vereint.

Ökumenisch in die Zukunft

Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir das Reformationsjubiläum in ökumenischem Geist begangen, zum Beispiel durch das gemeinsame katholisch-lutherische Gedenken im schwedischen Lund und Malmö am 31. Oktober vergangenen Jahres. Dieses gemeinsame Gedenken war ein bewusster Schritt, um sich von dem Konflikt zu lösen, der unsere Vergangenheit so sehr geprägt hat, um uns für die Zukunft zu öffnen.

 Erzbischof Musa Panti Filibus Präsident Lutherischer Weltbund (picture alliance/dpa/LWB/A. Hillert)

Erzbischof Filibus wurde im 13. Mai in Windhuk zum neuen Präsidenten des Lutherischen Weltbundes gewählt

Und so ist es eine große Freude zu sehen, wie das, was wir 2016 gemeinsam in Lund getan haben, in diesem Jahr weltweit wiederholt wird: Lutheraner, Katholiken und andere ökumenische Partner kommen zusammen, um gemeinsam des Jahrestages der Reformation zu gedenken. Das jüngste und mich persönlich sehr beeindruckende Beispiel war das 500-jährige Reformationsgedenken der Lutherischen Gemeinschaft in Zentral- und Westafrika, das gemeinsam von der Lutherischen Kirche in Liberia und Römisch-katholischen Kirche organisiert wurde.

Es gibt wirklich mehr, was uns eint als was uns trennt. Wir sind im gemeinsamen Glauben miteinander verbunden und rufen dazu auf, die Liebe Gottes in einer zerrissenen Welt zu bezeugen. In meiner Heimat Nigeria haben die Kirchen im Angesicht religiös motivierter Gewalt und Verfolgung weiterhin in ökumenischer Gemeinschaft in gemeinsamen Gebeten und gegenseitiger Unterstützung auf nationaler, regionaler und staatlicher Ebene zusammengehalten. Und gemeinsam sind die Kirchen dazu berufen, Botschafter der Versöhnung zu sein.

Die Reformation geht weiter

Die Reformation ist nie zu Ende gegangen. Sie ist immer im Gange, weil der lebendige Gott seine Kirche jeden Tag neu zum Zeugnis ruft. In Nigeria beispielsweise sind wir mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, unter anderem mit Aufruhr und religiös motivierter Gewalt. Wir sehen das vor allem im nördlichen Landesteil, wo die Kirchen am meisten leiden. Und in jüngster Zeit nimmt die Schärfe der Hassreden, die landesweite Unruhen entfachen können, noch weiter zu.

Selbstmordanschlag in nigerianischer Kirche in der Stadt Potiskum (picture-alliance/AP/A. Adamu)

Die zerstörte Kirche in Potiskum im Juli 2015: Eine Selbstmordattentäterin hatte sich im Sonntagsgottesdienst in die Luft gesprengt und fünf Menschen getötet

Inmitten dieser Lage sind wir als Kirchen aufgerufen, eine Quelle der Hoffnung zu bleiben. Die Kirchen setzen sich weiterhin gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit ein. Im Gebet und in Geduld widerstehen wir der Versuchung, genau denen, die uns derart herausfordern, erlauben zu definieren, wer wir sind.

Religiöse Unruhen haben in den vergangenen Jahren den nordöstlichen Teil Nigerias getroffen. Wir wurden Zeugen einer beispiellosen Zerstörung von Leben und Eigentum, zum Teil auch der Kirchen, wie wir sie seit dem Bürgerkrieg in den 1970er-Jahren nicht mehr erlebt haben. Angesichts dieser Gewalt haben lutherische Gemeinden zusammen mit Schwesterkirchen den Leidtragenden geholfen, indem sie ihnen neue Unterkünfte und das Notwendigste zum Überleben bereitgestellt haben. Ermutigt und bestärkt hat uns dabei das Wissen, dass wir von Schwestern und Brüdern auf der ganzen Welt umgeben sind, die für uns beten und sich um uns kümmern.

Wir erinnern uns mit Dankbarkeit an den Solidaritätsbesuch des Lutherischen Weltbundes 2015 unter der Leitung von Generalsekretär Martin Junge. Er hat uns ermutigt, auch inmitten erschütternder Erfahrungen nach friedlicher Koexistenz zu suchen. Für uns ist die Botschaft der Reformation einfach: Befreit durch die Gnade Gottes und unterstützt durch den Heiligen Geist, sind wir zu einem Leben berufen, in dem wir dienen und Zeugnis ablegen, und Solidarität und Mitgefühl praktizieren - damit alle in Fülle leben können.

Musa Panti Filibus, Jahrgang 1960, ist Erzbischof der Lutherischen Kirche Christi in Nigeria (Lutheran Church of Christ in Nigeria - LCCN) und seit Mai 2017 der 13. Präsident des Lutherischen Weltbunds.