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Europa

Murdoch-Nähe bringt Cameron in Gefahr

Die britische Abhöraffäre wird zur politischen Schlacht: Premierminister Cameron muss sich wegen seiner Nähe zum Murdoch-Imperium peinliche Fragen gefallen lassen. Nun steht Murdoch dem Parlament Rede und Antwort.

Großbritanniens Premierminister David Cameron (Foto: AP/dapd)

Premierminister David Cameron gerät wegen der Abhöraffäre zunehmend unter Druck

Im Abhör- und Korruptionsskandal um die britische Boulevard-Zeitung "News of the World" wächst der Druck auf Großbritanniens Premierminister David Cameron. Die Opposition wirft ihm vor, ein zu enges Verhältnis zu dem Medienunternehmer Rupert Murdoch und Personen aus dessen Führungsriege gepflegt zu haben. Am Mittwoch soll das Parlament über die Affäre debattieren. Cameron verkürzt eine Südafrikareise, um an der Debatte teilzunehmen.

Am Dienstag (19.07.2011) traten Medienmogul Rupert Murdoch und sein Sohn James vor einen britischen Parlamentsausschuss und entschuldigten sich in der Abhör- und Korruptionsaffäre. "Das ist der Tag der größten Demut in meinem Leben", sagte Rupert Murdoch am Dienstag zu Beginn der Befragung. Mit versteinertem Gesicht antwortete er auf Fragen der Abgeordneten zunächst mit knappen Aussagen - teilweise nur mit "Ja" oder "Nein". James Murdoch begann seine Stellungnahme ebenfalls mit einer Entschuldigung.

Das Erscheinen des 80-jährigen Medienzars wurde als Sensation gewertet. Nach Angaben des Senders BBC war es das erste Mal in rund

40 Jahren, seit Murdoch Anteile an britischen Medien besitzt, dass er sich vor Parlamentariern verantworten musste. Danach sollte die die mittlerweile zurückgetretene Chefin von Murdochs britischer Zeitungsgruppe News International, Rebekah Brooks, den Abgeordneten Rede und Antwort stehen.

Die Nachfolgediskussion um den angeschlagenen Medienmogul Rupert Murdoch bekommt derweil neues Futter. Nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg könnte der fürs Tagesgeschäft des Murdoch-Konzerns News Corp. zuständige Chase Carey den 80-jährigen Firmenchef beerben. Es sei aber noch nichts entschieden, hieß es am späten Montag unter Berufung auf eingeweihte Personen. Indessen wies News-Corp.-Aufsichtsratsmitglied Thomas Perkin Berichte über eine Nachfolgeregelung zurück.

Am Montag war nach Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson auch dessen Stellvertreter John Yates zurückgetreten. Der Grund: Der britischen Polizei wird vorgeworfen, gegen die Zahlung von Bestechungsgeldern vertrauliche Informationen an die Skandal-Zeitung "News of the World" herausgegeben zu haben. Zudem soll sie den Vorwürfen gegen die Boulevard-Zeitung nicht energisch genug nachgegangen sein. Yates hatte 2009 entschieden, trotz neuer Vorwürfe die Ermittlungen in dem Abhörskandal nicht wieder aufzunehmen. Stephenson hatte seinen Rücktritt damit begründet, dass er Neil Wallis, einen ehemaligen leitenden Redakteur der Skandal-Zeitung "News of the World", eingestellt hatte.

Miliband: Cameron muss "schwierige Fragen" beantworten

Cameron hatte den Chef von Wallis, Andy Coulson, zum Regierungssprecher gemacht, nachdem dieser als Chefredakteur der Zeitung bereits wegen der Abhöraffäre zurückgetreten war. Oppositionsführer Ed Miliband warf dem Premierminister deshalb vor, durch frühere Entscheidungen "gelähmt" zu sein.

die letzte Ausgabe der Skandalzeitung 'News of the World' (Foto: dpa)

"News of the World" erschien am 10. Juli zum letzten Mal

Cameron müsse nun "schwierige Fragen" beantworten. Unter anderem müsse er sagen, ob er bei seinen zahlreichen Treffen mit Murdoch oder Brooks auch über die geplante Komplettübernahme des Senders BSkyB gesprochen habe, verlangte Miliband.

Cameron erklärte bisher, er habe nichts von Coulsons möglichen Verwicklungen in den Skandal gewusst. Er übernehme die "volle Verantwortung" für die Einstellung des ehemaligen Journalisten, der am 8. Juli von der Polizei festgenommen worden war. Dem Premierminister werden auch freundschaftliche Kontakte zu Rebekah Brooks nachgesagt. Diese wurde zwei Tage nach ihrem Rücktritt als Vorstandschefin von News International am Sonntag von der Polizei festgenommen. Inzwischen ist sie wieder auf freiem Fuß.

Reporter des Skandalblatts tot aufgefunden

Ein ehemaliger Reporter von "News of the World" wurde am Montag tot in seiner Wohnung in Watford nördlich von London gefunden. Die Polizei teilte mit, bei dem Toten handele es sich um Sean Hoare, der den ehemaligen Regierungssprecher Andy Coulson belastet hatte. Die Umstände des Todes seien jedoch nicht verdächtig erschienen, so die Polizei. Nach einem Bericht der Zeitung "The Guardian" hatte Hoare seit Jahren Alkohol- und Drogenprobleme.

In Interviews hatte der Journalist im vergangenen Jahr behauptet, der ehemalige Chefredakteur der mittlerweile eingestellten Boulevardzeitung "News of the World" und spätere Pressechef von Premierminister David Cameron, Andy Coulson, sei über das Abhören von Handys informiert gewesen.

Medienunternehmer Murdoch hatte sich zur Schließung des Blatts "News of the World" gezwungen gesehen, nachdem bekannt geworden war, dass Journalisten nicht nur Prominente abgehört und Polizisten bestochen, sondern auch die Telefone von Verbrechensopfern und deren Angehörigen angezapft hatten. Murdoch zog nach öffentlichem Druck wegen des Skandals auch sein Übernahmeangebot für BSkyB zurück.

Autorin: Ursula Kissel (rtr, dpa, dapd, afp)
Redaktion: Thomas Grimmer/Reinhard Kleber

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