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Alltagsdeutsch – Podcast

Mund

Er ist unser wichtigstes Mittel uns zu verständigen und macht uns die Nahrungsaufnahme möglich. Neben diesen relativ sachlichen und funktionalen Fähigkeiten ist der Mund auch das Symbol für Sinnlichkeit und Schönheit.

Sprecherin:

Der Mund hat zahlreiche Funktionen. Wir benötigen ihn zum Essen und Sprechen, wir drücken mit dem Mund aber auch Trauer oder Freude aus. So kann man mit dem Mund zum Beispiel lächeln oder ihn zum Spott verziehen. Bei meiner kleinen Umfrage nannten mir die Leute noch weitere Funktionen:

Befragte Personen:

"Mit dem Mund kann man lachen, küssen, rauchen, schmeckt man ja auch oder isst man ja eben, blasen, pfeifen."

Sprecher:

Der Schweizer Autor Max Frisch umschreibt den lachenden Mund einer jungen Frau in seinem Roman Homo Faber mit den Worten "ihr weißes Gebiß in der roten Blume ihrer Lippen". Der Mund gilt als ein Merkmal weiblicher Schönheit. Besonders der rote Mund wird als pars pro toto für ein schönes Mädchen verwandt. Schon der französische Dichter François Villon huldigte ihm in diesen Versen, die der Schauspieler Klaus Kinski hier vorträgt:

"Ich such‘ ihn schon die lange Nacht im Wintertal im Aschengrund.

Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund."

Sprecherin:

Auch heute noch wird der Mund oft mit Sinnlichkeit assoziiert. Das ergab zumindest meine Umfrage nach verschiedenen Arten von Mündern:

Befragte Personen:

"Es gibt Mädchen mit vollen Mündern, das heißt dann, dass sie sehr große und ausgeprägte Lippen haben, auch Kussmünder genannt. Und es gilt halt als sehr erotisch, wenn man ‘nen Kussmund hat. / Rote, bleiche.../ Traurige Münder, lachende Münder, große Münder, Schmollmünder./ Oder ziemlich legendär ist ja auch der von Mick Jagger."

Sprecher:

Der Mund des Sängers der Rolling Stones ist vor allem auch ziemlich groß. Wenn man von jemandem sagt, er habe einen großen Mund, so ist damit nicht unbedingt immer die physische Größe des Mundes gemeint, wie dieser Mann bestätigt:

Mann:

"Ja, das geht meistens einher mit vorlaut und sich überall einmischen und meinen, seine Meinung wär‘ überall gefragt, da sagt man auch oft dazu, der hat ‘n großen Mund."

Sprecherin:

Vorlaut ist auch derjenige, der den Mund zu voll nimmt. Zum einen kann man diese Redewendung ganz wörtlich nehmen, sagte mir eine junge Dame:

Frau:

"Wenn halt jemand wirklich beim Essen redet, dann hat das auch so was von den Mund zu voll nehmen. Aber eigentlich heißt es ja, dass man zu protzig ist oder angeberisch."

Sprecher:

Die folgenden Redewendungen drehen sich alle um das "viel Reden" - im positiven, aber auch im negativen Sinne. Von gewissen Leuten sagt man zum Beispiel, dass sie ihren Mund einfach nicht halten können. Zum Beispiel:

Befragte Personen:

"Das ist eine Tratschtasche, eine Frau, die überall - oder genauso gut auch Mann, die überall irgendwas und alles rumerzählen, die nichts für sich behalten können. / Wenn mir einer doof kommt, dann kann ich wirklich meinen Mund nicht halten, sondern muss dem ‘nen doofen Spruch rein drücken. Oder zum Beispiel, wenn einer immer das letzte Wort haben muss, der kann nun wahrhaft seinen Mund nicht halten."

Sprecher:

Die junge Dame drückt dem, der ihr doof kommt, einen doofen Spruch rein. Das heißt, sie gibt demjenigen, der sie auf eine unfreundliche Weise provoziert, gehörig Kontra. Auch folgender Ausdruck kann positiv und negativ interpretiert werden. Je nach Mundart, das heißt, je nach Dialekt, spricht man von einem losen oder auch koddrigen Mundwerk:

Mann:

"Das ist, wenn jemand ‘ne ziemlich große Klappe hat, das heißt, wenn einem nichts heilig ist, wenn man über alles und jedes dumme Sprüche macht und ins Lächerliche zieht, das ist ‘n koddriges Mundwerk."

Sprecherin:

Weniger spontan - und vor allem selten freiwillig - redet man sich den Mund fusselig oder fransig, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Frau:

"Bis der Mann mal den Abfall runter bringt, muss man sich den Mund halt fusselig oder fransig geredet haben. / Das sagt man auch, wenn einem einer nicht zuhören will oder zuhören kann oder einer etwas nicht versteht. Dann kann man sich den Mund fusselig reden, weil der andere nicht begreift, was man eigentlich meint."

Sprecherin:

Von jemandem, der durchaus begreift und dann selbst viel redet, von dem sagt man auch, er sei nicht auf den Mund gefallen. Jemand ist nicht auf den Mund gefallen, das erläuterten mir zwei Personen bei meiner Umfrage folgendermaßen:

Befragte Personen:

"Dass derjenige schlagfertig ist, also dass er gut argumentieren kann und dass ihm immer was einfällt, zu dem, was andere sagen. / Wenn jemand nicht auf den Mund gefallen ist, kann man davon ausgehen, dass er sehr redegewandt ist, sich raus zu reden weiß und zu allem einen Kommentar abgeben kann."

Sprecher:

Manchmal sind die jeweiligen Kommentare gewagt. Derjenige, der unverblümt redet oder gewagte Dinge ausspricht, von dem sagt man auch, er riskiere den Mund. Neben diesem hörte unsere Reporterin noch weitere Ausdrücke mit ähnlicher Bedeutung:

Befragte Personen:

"Wenn ich zum Beispiel offen meine Meinung sage, dann riskiere ich den Mund. Oder man sagt auch, wenn man offen seine Meinung sagt und immer zu allem auch eine Meinung hat, dann nimmt man auch kein Blatt vor den Mund. / Dann lass‘ ich mir den Mund nicht verbieten, das heißt, ich lass‘ mich nicht unterbrechen, wenn ich was sagen will, dann sag‘ ich das, egal, ob das jemandem passt oder nicht."

Sprecherin:

Ja - wer sich den Mund nicht verbieten lässt, ihn riskiert, weil er kein Blatt davor nimmt, wer unverblümt und direkt seine Meinung kundtut, der muss dann auch damit rechnen, dass er dadurch hin und wieder in kritische Situationen gerät. Eine junge Dame konnte mir sagen, wie man sich den Mund verbrennt:

Frau:

"Also, Mund verbrannt verbinde ich jetzt zum Beispiel auch mit dem Ausdruck ins Fettnäpfchen treten, dass ich halt im Beisein von Leuten über die gelästert hab‘, weil ich vergessen habe, dass die da sind oder dass ich auch Sachen erzählt habe, die so nicht gestimmt haben, da hab‘ ich mir auch den Mund verbrannt, dass man mir also im Nachhinein Vorwürfe gemacht hat, was ich denn da erzählt habe."

Sprecher:

Das Bild dieser Redewendung ist vom Essen zu heißer Suppe hergeleitet. Wenn man sich den Mund bereits verbrannt hat, ist es für eine Empfehlung natürlich schon zu spät. Man kann so unangenehme Situationen vermeiden, wenn man mehr bedacht darauf ist, was man sagt. Oder wie es die Befragten ausdrückten:

Befragte Personen:

"Vor Öffnen des Mundes ist das Gehirn einzuschalten. / Manche Leute denken ja selten nach, bevor sie anfangen zu sprechen, und dann sagt man, dass sie halt nicht ihr Gehirn einschalten, bevor sie den Mund öffnen."

Sprecherin:

Mancher bekommt vor lauter Denken den Mund gar nicht mehr auf. Den Mund nicht auftun – diese Redewendung beruht auf Jesaja 53/ Vers 7: "Er tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird." Auch diese Schweigsamkeit wurde bei meiner Umfrage sowohl positiv als auch negativ interpretiert:

Befragte Personen:

"Der kriegt seinen Mund nicht auf oder: Der kriegt seine Zähne nicht auseinander, das heißt eben, dass er von selbst eben nichts sagt, dass er immer aufgefordert werden muss, um was zu sagen. / Sagt man auch maulfaul, jemand, der halt nicht viel zu sagen hat, der ruhig ist, zurückhaltend und der dann meistens auch nicht viel dummes Zeug erzählt."

Sprecher:

Die eine empfindet diese Schweigsamkeit als ungesellig, der andere als Besonnenheit. Wenn jemand hingegen derartig schweigsam ist, dass er überhaupt keinen Ton mehr spricht, dann sagt man von ihm:

Befragte Personen:

"Der ist ja auf den Mund gefallen oder: Der hat seinen Mund verloren. / Wenn man sagt: Hast Du Deinen Mund verloren? dann heißt das eben, dass man überhaupt nicht spricht, gar nichts sagt. Oder wenn man Kinder auffordert, Dankeschön zu sagen und die sagen nichts, dann sagt man auch: Hast Du Deinen Mund verloren, oder hast Du den zu Hause gelassen?"

Sprecherin:

Man kann jemanden demnach auch zur Höflichkeit auffordern, indem man fragt, ob er seinen Mund verloren habe. Vielleicht ist er so schweigsam, weil er Angst hat, dass ihm die Worte im Mund umgedreht werden. Jemandem die Worte im Munde umzudrehen – diese Formel erklärten mir die Befragten so:

Befragte Personen:

"Eine völlig andere Darstellung von dem geben, was man gerade gehört hat oder was gesagt worden ist, den Sinn verdrehen des Gesprochenen. / Dann werden dann irgendwie Dinge aus dem Sachverhalt genommen und dann irgendwie ganz eigen interpretiert./ Wenn jemand etwas, was ich gesagt habe, völlig anders auslegt, als ich das eigentlich gemeint habe."

Sprecher:

Anstatt sich die Mühe zu machen, die Äußerungen im Nachhinein derart zu entstellen, kann man jemandem doch vorher gleich zu verstehen geben, was er sagen soll, oder? Was ich hier etwas ironisch ankündige, ist jemandem die Worte in den Mund zu legen. Eine junge Dame erläutert diese Wendung so:

Frau:

"Wenn ich jemanden dazu bringen will, eine Aussage zu machen, die ich möchte, die er macht, dann sag‘ ich ihm vorher genau, was er zu sagen hat, und dann nennt man das jemandem die Worte in den Mund legen."

Sprecherin:

Für den Mund gibt es etliche Synonyme, zum Teil weniger schöne. Die werden auch benutzt, um jemanden dazu aufzufordern zu schweigen. Bei meiner kleinen Umfrage nannte man mir folgende:

Befragte Personen:

"Mund, Maul. Klappe, Schnauze. Halt die Gosch, halt‘s Maul, halt die Fresse, alles Synonyme für: Sei ruhig."

Sprecher:

Diese Worte bedeuten alle soviel wie: Halt den Mund, das heißt, sie fordern resolut dazu auf, nichts mehr zu sagen. Gleichzeitig sind es Schimpfworte. Und Schimpfworte sind Müttern doch ein Graus, oder nicht?

Befragte Personen:

"Also, wenn meine Tochter zu mir sagt: Mama, Du bist ein wirkliches Arschloch, dann sag‘ ich: Kind, wasch Dir den Mund mit Seife aus. / Ja, dann würd‘ ich sagen: Halt den Mund. Oder: Wo hast Du denn das aufgeschnappt? Oder: Wer nimmt den solche Worte in den Mund? Oder ich würd‘ ihr sagen: Nimm‘ das Wort nie wieder in den Mund, was so viel heißen soll: Sag‘ das Wort nicht noch mal."

Sprecherin:

Die Wendung Wasch oder Spül dir den Mund aus wurde von der Aufforderung des Zahnarztes übertragen. Wie ich hörte, gibt es weitaus brutalere Methoden, mit denen man jemanden zum Schweigen bringen kann.

Befragte Personen:

"Jemandem das Maul zu stopfen - ich assoziiere damit, dass jemand was auf die Schnauze kriegt, mit Gewalt. / Mund stopfen ist ja auch in der Art wie mundtot machen, jemand am Reden hindern. / Mundtot machen, das ist, wenn man nichts mehr zu sagen hat, weil einem jemand über den Mund gefahren ist, was dann wieder bedeutet, dass jemand einen in der Rede abgebrochen hat. / Wenn man einen Mitwisser hat und den loswerden will. Dann macht man ihn mundtot. Man kann ihn natürlich auch erpressen oder bedrohen, aber meistens, also gerade in Krimis oder so, da ist das dann immer so, da werden die dann ganz tot gemacht."

Sprecher:

Die sprachliche Wendung "mundtot machen" bezieht sich ursprünglich nicht auf den Mund, sondern auf das alt- und mittelhochdeutsche Wort "munt", was so viel bedeutet wie "Schutzgewalt". In unserem Wort "Vormund", der vor dem Mündel Stehende, lebt diese Bedeutung noch fort. Mundtot machen bedeutet also ursprünglich "entmündigen". Viele Münder zu stopfen, das ist etwas ganz anderes, als jemandem den Mund zu stopfen und hat auch nichts mit Gewalt zu tun. Was es bedeutet, viele Münder zu stopfen, erklärte ein Familienvater:

Familienvater:

"Wenn man viele Münder zu stopfen hat, man sagt auch viele Mäuler, das heißt, dass man eine große Familie hat und halt die Kinder mit Essen, mit Kleidung und mit allem halt versorgen muss."

Sprecherin:

Je größer die Familie, desto mehr Geld muss der Familienvater nach Hause bringen. Wenn er dann für sich selbst etwas Außergewöhnliches und Teures kaufen möchte, dann muss er sich das unter Umständen sogar vom Munde absparen:

Befragte Personen:

"Das heißt, wenn man ganz fürchterlich sparen muss, um sich etwas zu kaufen, im wahrsten Sinne des Wortes vom Munde absparen, also wenn man sich jetzt zum Beispiel nur von Kartoffeln ernährt, damit man sich irgendwie seinen BMW kaufen kann oder so, das ist dann sich etwas vom Munde absparen. / Wenn man kein Geld hat und ja, man isst weniger, um das Geld, was man spart, dann für was anderes zu verwenden. / Zum Beispiel hab‘ ich mir letztens eine Jacke gekauft, und dann hab’ ich mir eben Geld zusammen gespart über ‘n paar Monate, sozusagen vom Mund abgespart, vielleicht wirklich wortwörtlich ein Toast weniger gegessen oder eine Banane weniger gegessen, und dadurch konnte ich mir dann diese tolle Jacke leisten."

Sprecher:

Man kann natürlich für einen besonderen Wunsch sparen. Je nach finanzieller Lage besteht aber ohnehin - auch für die alltäglichen Bedürfnisse - die Notwendigkeit zu sparen; besonders dann, wenn man alle Ersparnisse aufgebraucht hat, kein geregeltes Einkommen hat und nicht weiß, wann man wieder Geld verdienen kann. Von Leuten, denen es nicht möglich ist, ihre finanzielle Lage zu kalkulieren, sagt man auch: Sie leben von der Hand in den Mund:

Frau:

"Das ist das, was wir alle Jahre lang gemacht haben, als wir noch Studenten waren, nämlich von der Hand in den Mund gelebt, bedeutet: Kein Geld, egal, wieviel man gearbeitet hat, bei Aldi einkaufen und immer entscheiden müssen, geh‘ ich heut Abend ins Kino oder ess‘ ich mal wieder was."

Sprecherin:

Als Cineastin hat sich die junge Dame sicher des öfteren für das Kino und gegen das Abendessen entschieden. Wen wundert es da, dass ihr bei dem Gedanken an Mutters Bohneneintopf, ein wohlschmeckendes Essen, das Wasser im Munde zusammen lief:

Mann:

"Wenn einem das Wasser im Mund zusammen läuft, das ist, wenn man an etwas ganz Leckeres denkt, oder es wird auch gebraucht dafür, wenn einem irgendwas Nettes einfällt, aber man hat‘s halt grad‘ nicht da, sondern man denkt nur dran, dann läuft einem in der Erwartung darauf schon das Wasser im Mund zusammen."

Fragen zum Text

Wenn jemand eine Tratschtasche ist, dann...

1. kann er/ sie viele Dinge gleichzeitig tragen.

2. spricht er/ sie sehr wenig.

3. erzählt er/ sie alles überall herum.

Was bedeutet die Redewendung jemandem die Worte im Mund umdrehen?

1. jemanden nicht ausreden lassen

2. jemanden verraten

3. jemand verdreht den Sinn des Gesagten

Wenn jemand von der Hand in den Mund lebt, dann...

1. hat er/ sie immer Urlaub.

2. isst er/ sie die ganze Zeit.

3. hat er/ sie kein Geld.

Arbeitsauftrag

Jemanden mundtot machen, sich den Mund verbrennen, sich etwas vom Munde absparen – versuchen Sie diese Redewendungen und zwei weitere aus dem Text zu erklären.

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