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Fußball

Multikulti in Person - Celia Okoyino da Mbabi

Schon mit 16 Jahren bestritt Célia Okoyino da Mbabi ihr erstes A-Länderspiel. Die Tochter eines Kameruners und einer Französin ist Integrationsbotschafterin des DFB - und kennt auch schon die Schattenseiten des Sports.

Celia Okoyino da MBABI

"Das war für eine junge Spielerin nicht einfach damals. kurz vor einem wichtigen Turnier durch so eine Verletzung gebremst zu werden", erinnert sich Célia Okoyino da Mbabi. Man schrieb den März des Jahres 2007, als die Angreiferin im Auswärtsspiel bei Bayern München einen Schienbeinbruch erlitt. "Insgesamt habe ich daran etwas mehr als anderthalb Jahre laboriert, bis ich wieder richtig Fußball spielen konnte."

So wurden Deutschlands Fußball-Frauen im September des gleichen Jahres in China erneut Weltmeister - ohne das Sturm- und Mittelfeld-Ass vom SC 07 Bad Neuenahr. Als sie dann noch das Pfeiffersche Drüsenfieber ereilte, war der Tiefpunkt erreicht in einer ansonsten mit Erfolgen gespickten Karriere: U-19-Weltmeisterin, Bronze bei Olympia in Peking und der Europameistertitel 2009. Die gebürtige Bonnerin kam früh durch ihren Bruder zum Fußball und kickte schon mit fünf Jahren beim TuS Germania Hersel im Verein.

Die Motivation ist über die Jahre die gleiche geblieben, in guten wie in schweren Zeiten: “Das ist der Spaß am Fußball, dass es einfach eine Leidenschaft ist, die in einem brennt." Doch gerade während ihrer langen Zwangsabstinenz hat Célia auch erfahren, wie sehr ein gutes Umfeld zählt. "Nicht nur die medizinische Betreuung, sondern auch Freunde, Familie und der Verein, der einen nicht einfach abschreibt.“

Célia Okoyino da Mbabi Photo: Mark Hodsman/Actionplus.

Kraft und Konzentration

Gutes Umfeld in schweren Zeiten

Auch deshalb hält die Nationalspielerin, die zu Beginn der WM 23 Jahre alt wird, ihrem SC Bad Neuenahr bereits seit sieben Jahren die Treue. Sie schätzt die familiäre Atmosphäre in der rheinischen Provinz, die für sie auch ein Stück Heimat ist – statt wie andere Talente in die Bundesliga-Beletage nach Potsdam, Frankfurt oder Duisburg zu wechseln.

Ihr Vater aus Kamerun und die französische Mutter nahmen seinerzeit die deutsche Staatsbürgerschaft an, damit ihre Tochter in der DFB-Jugendauswahl auflaufen konnte. Und schon als kleines Kind wurde sie von den Eltern zweisprachig erzogen, wobei deutsch und französisch gleichberechtigt rangierten. "Die Sprache ist der Schlüssel für eine gelungene Integration", erklärt die Spielerin, die nicht nur durch die eigene Vita Zeichen gegen Ausgrenzung setzt.

Denn seit dem letzten Herbst fungiert sie als eine von vier Integrationsbotschaftern des Deutschen Fußball-Bundes. Für das Ehrenamt engagieren sich auch die beiden Stuttgarter Nationalspieler Serdar Tasci und Cacau sowie DFB-Schiedsrichterin Sinem Turaç. “Ich bin etwa bei Projekten dabei, wo wir zum Beispiel benachteiligten Jugendlichen Mut machen und einfach von der eigenen Geschichte erzählen", berichtet da Mbabi. Denn ihr privater und sportlicher Werdegang mit Höhen und Tiefen habe ihr eine Botschaft mit auf den Weg gegeben. "Dass man immer eine Chance hat und die auch nutzen kann – und dass alles auch positive Seiten hat.“ Ihre neue Rolle führte die Sportlerin übrigens auch schon ins Berliner Kanzleramt, wo sie vor versammelter Polit-Prominenz das Wort ergreifen musste.

Beispiel für gelebte Integration

Celia Okoyino Da Mbabi beim Torjubel (AP Photo/Thomas Kienzle)

Doch auch das hat eine gemeistert, die mit beiden Beinen fest im Leben steht: Auch weil im Frauenfußball noch längst nicht das große Geld winkt, setzte die Abiturientin zunächst auf eine Ausbildung als Kauffrau im Bereich Marketing-Kommunikation. Derzeit studiert Célia Kulturwissenschaften in Koblenz, was sie durchaus auch als willkommene Kopfarbeit und Erholung vom Trainingsalltag empfindet.

Für den Feinschliff auf dem Rasen war in den letzten beiden Jahren Vereinscoach Thomas Obliers zuständig, der jedoch zum Saisonende gehen musste. “Célias ganz besondere Stärke ist der unbedingte Wille, immer alles geben zu wollen – ob im Training oder im Spiel, egal wie es steht ", analysiert der Trainer. "Im technischen Bereich könnte sie noch ein wenig ballsicherer werden. Und sie hat hier und da mal eine Phase, wo sie vor dem Tor vielleicht noch nicht kaltschnäuzig genug ist." Obliers verweist allerdings auch auf mangelnde Erfahrung, bedingt durch ihre Jugend und die lange Verletzungspause. "Ich glaube, dass sie noch eine ganz große Stürmerin werden kann!“

Tiefer Respekt und hohe Erwartungen

Etwa eine Ikone wie Birgit Prinz, die ebenfalls schon mit 16 in der A-Formation debütierte? Doch den Vergleich mit der Rekordnationalspielerin wehrt Célia, die beim letzten Liga-Spiel gegen Leverkusen alle fünf Tore erzielte, bescheiden ab: “Ich denke, Birgit ist schlichtweg die deutsche Fußballspielerin, die eine beispiellose Karriere hingelegt hat und auch von schweren Verletzungen verschont geblieben ist." Ihr eigentliches Vorbild war aber Zinédine Zidane, der große Franzose mit den algerischen Wurzeln, von dessen unnachahmlicher Spielkunst sie noch heute schwärmt.

Für die eigene Karriere hat sich die Frau mit dem französisch-afrikanisch klingenden Namen jedenfalls kein Limit gesetzt. "Ich kann nicht in die Zukunft sehen und weiß nicht, was kommt – einfach mal schauen, wo mich der Weg hinführt.“ Dafür weiß Célia Okoyino da Mbabi aber ganz genau, was sie von der Heim-WM und dem Titelverteidiger in diesem Jahr erwartet: “Zunächst einmal, dass es für Deutschland und für den Frauenfußball ein Riesen-Event wird. Und natürlich für unsere Mannschaft auch erfolgreich abgeschlossen wird, mit einem WM-Titel!“

Autor: Lutz Kulling
Redaktion: Wolfgang van Kann

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