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Afrika

Muhammadu Buhari: Ein Ex-General wird Nigerias Präsident

Einst war er Militärdiktator, jetzt wird er Nigerias Staatschef: Mitte der 80er Jahre regierte Muhammadu Buhari das Land mit harter Hand. Er sei geläutert, sagt er heute. Die Erwartungen der Bürger an ihn sind hoch.

Muhammadu Buhari im Wahlkampf 2015 Foto: PIUS UTOMI EKPEI/AFP/Getty Images

Muhammadu Buhari im Wahlkampf 2015

Ein ehemaliger General, unbestechlich und ein Disziplin-Fanatiker - dieses Bild haben viele Nord-Nigerianer von Mohammadu Buhari. Nach seiner Ausbildung beim Militär kletterte der heute 72-Jährige in der Hierarchie schnell nach oben. Militärherrscher gaben ihm einflussreiche politische Posten. Er galt als strenger Muslim, der die Einführung der Scharia im Norden des Landes unterstützte. Nach einem Putsch gegen eine gewählte Regierung war Buhari von Januar 1984 bis August 1985 selbst Staatsoberhaupt. Er erklärte den "Krieg gegen die Disziplinlosigkeit". Fast 500 Menschen kamen unter seiner Führung wegen Korruption und Verschwendung von Steuergeldern ins Gefängnis. Staatsbedienstete, die zu spät zur Arbeit erschienen, mussten Kniebeugen machen, berichten Zeitzeugen Im Gegensatz zu den meisten anderen Politikern Nigerias bereicherte sich Buhari nicht schamlos und lebt bis heute in einem bescheidenen Haus.

Aber Muhammadu Buhari zeigte auch seine dunkle Seite als Diktator. Er ließ Menschen exekutieren, schikanierte die Medien, von einem Wandel hin zu einer demokratisch legitimierten Regierung wollte er nichts wissen. Er habe den Nigerianern das Gefühl gegeben, sie lebten unter "eiserner, starrer Herrschaft und einer Staatsführung, die Angst verbreitet", so Nobelpreisträger Wole Soyinka.

Neues System, neuer Buhari?

"Jetzt sind wir in einem demokratischen Zeitalter, die Bedingungen haben sich geändert", kontert Soyinkas Schwiegertochter Lola Shoneyin. Die Schriftstellerin hat Buhari regelmäßig bei Wahlkampfveranstaltungen begleitet. "Wir haben Gerichte, eine aktive Zivilgesellschaft, ein Parlament.", Die Zeiten hätten sich geändert und so auch der Mann Buhari, meint Shoneyin im Gespräch mit der DW.

Buhari-Anhänger im Stadion von Kano Foto: Kriesch/Scholz/ DW

Stundenlanges Warten auf Buhari im Stadion von Kano

Seine umstrittene Vergangenheit versuchte Buhari im

Wahlkampf

auszublenden. Aber er profitierte von seinem Image als Hardliner, gerade weil immer mehr Nigerianer den Eindruck hatten, dass der

damalige Präsident Goodluck Jonathan

die Probleme des Landes eher aussaß, als sie anzupacken. Zwar konnte Nigerias Armee Erfolge erzielen, als sie in den vergangenen Wochen das erste Mal gemeinsam mit Truppen der Nachbarstaaten Kamerun, Niger und Tschad gegen Boko Haram vorging.

Geschlagen sind die Terroristen aber noch lange nicht

. Außerdem fragen sich viele Nigerianer, warum das Militär erst seit der

Verschiebung der Präsidentschaftswahlen

, die eigentlich schon Mitte Februar hätten stattfinden sollen, so entschieden gegen Boko Haram vorging.

"Mir geht es um die skandalöse Arbeitslosigkeit von Millionen junger Nigerianer, die schlechte Sicherheitslage im Land und die um sich greifende Korruption", sagte Buhari nach einem Wahlkampfauftritt in Kano - und ließ keinen Zweifel daran, dass er noch entschiedener gegen Boko Haram vorgehen werde. Er werde die Miliz "zerschlagen", so der Oppositionsführer. Im Juni 2014 gab es in der Stadt Kaduna einen Anschlag auf seinen Konvoi, der die Handschrift der Terrorgruppe trug.

Schriftstellerin Lola Shoneyin Foto: Kriesch/Scholz/ DW

Schriftstellerin Lola Shoneyin begleitet Buhari auf seinem Wahlkampf

Umstrittene Parteifreunde

Nach 2003, 2007 und 2011 trat Buhari jetzt bereits zum vierten Mal gegen einen Präsidenten der Regierungspartei PDP (People's Democratic Party) an. Doch war es das erste Mal, dass Buhari an der Spitze einer nahezu vereinten Opposition stand. Das erhöhte Buharis Chancen, kratzte aber auch an seiner Glaubwürdigkeit. Um auch Stimmen im christlich dominierten Süden des Landes zu bekommen, musste er in seiner Partei APC (All Progressives Congress) eng mit einigen einflussreichen Politikern zusammenarbeiten, die offensichtlich andere Vorstellungen von Korruptionsbekämpfung haben als er selbst.

Parteichef Bola Tinubu etwa hat während seiner Zeit als Gouverneur von Nigerias Megacity Lagos enormen Wohlstand angehäuft, besitzt etliche Firmen und Hotels. Rotimi Amaechi, Gouverneur im Bundesstaat Rivers, wechselte erst letztes Jahr von der Regierungspartei PDP zur APC. Er sorgte für Schlagzeilen, als er das Volk für die grassierende Korruption in der Politik verantwortlich machte, weil es die Politiker dafür nicht "steinige".

Nach seinem Wahlsieg sind die Lasten auf Buharis Schultern enorm. Er wird nun wohl auch gegen Parteifreunde vorgehen müssen, um seine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren.

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