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Aktuell Welt

Muhammad Ali: "Ich bin nicht der Größte - ich bin der Doppel-Größte!"

Er schlug nicht nur mit Fäusten - Muhammad Ali bearbeitete Gegner auch mit seiner großen Klappe. Er betrieb perfektes Bashing, lange bevor es das Wort gab. Hier eine kleine Auswahl seiner härtesten Verbalattacken.

Boxer Muhammad Ali vor Mikrofonen (Foto: Reuters)

Liebling der Mikrofone: "Bescheiden sein ist schwer, wenn man so großartig ist" (1976)

Es reicht nicht, der Größte zu sein, auch nicht "der Doppel-Größte", wie Muhammad Ali einmal mit leisem Selbstbewusstsein verkündete - die Welt muss es wissen. Nach diesem Mottto baute der charismatische Champion, der sich in weltweit beachteten Auftritten wie kein anderer zur Schau stellte, an seiner Medienkarriere. Das war noch im Jahrhundert vor der Erfindung sozialer Netzwerke. Doch alles, was Ali sagte, war social-media-tauglich, viele seiner Sprüche hatten Twitter-Format und passten locker in die maximale Länge eines Tweets von 140 Zeichen.

George W. Bush verleiht Ali die Presidential Medal of Freedom (Foto: picture-alliance/abaca)

Lautsprecher unter sich: George W. Bush verleiht Ali die Presidential Medal of Freedom (2005)

Intelligenz und Instinkt zeichneten nicht allein seinen Kampfstil im Ring aus. Der Nachfahre afroamerikanischer Sklaven durchschaute auch die Herrschaftsgesetze der Medien - und schlug lange vor einem Kampf auf den jeweiligen Gegner ein, wohlinszeniert mit griffigen Zitaten. "Boxen bedeutet, dass viele Weiße dabei zusehen, wie sich zwei Schwarze gegenseitig verprügeln", lautete seine persönliche Beschreibung der Disziplin. Aber vorher sollte das Publikum zuhören, wenn er etwa 1964 vor dem ersten Fight gegen Sonny Liston höhnte: "Ich wette, du erschreckst dich zu Tode, wenn du nur in den Spiegel schaust. Du hässlicher Bär!"

Ali vor dem Kampf gegen Henry Cooper in London (1963)

"In Runde fünf geht er zu Boden": Ali vor dem Kampf gegen Henry Cooper in London (1963)

Vielleicht war derlei Schmähkritik in Wahrheit aber auch ein Akt der Selbstermutigung. Zwar schrie er nach dem Sieg gegen Liston, der als Geburtsstunde des Muhammad-Ali-Mythos gilt, in die Mikrofone: "Ich bin der König der Welt, ich bin der Größte. Ich habe die Welt erschüttert!" Doch später gestand der Magier im Ring: "Ich hatte Angst." Er, der dreimal den Titel des "unumstrittenen Weltmeisters" und damit den größten Erfolg eines Profiboxers errang, wusste auch: "Um ein großer Champion zu sein, musst du dran glauben, der Beste zu sein. Wenn du es nicht bist, tue wenigstens so."

Beim Rumble in the Jungle gegen George Foreman in Zaire (Foto: dpa)

"Ist das alles, was du kannst?" - "Rumble in the Jungle" gegen George Foreman in Zaire (1974)

Er schaffte gleich beides auf einmal. Er war der Beste - und er tat, als sei er der Aller-ewig-für-immer-Beste. Als der Sohn eines Schildermalers aus Kentucky 1974 in Zaire auf den nunmehrigen Schwergewichts-Weltmeister George Foreman traf, der in 40 Kämpfen ungeschlagen war und die meisten Gegner k. o. geboxt hatte, machte Ali wie gewohnt die ersten Punkte noch vor dem Gong: "Letzte Nacht habe ich im Schlafzimmer das Licht ausgemacht und war im Bett, ehe es dunkel war. Ich bin so schnell, dass ich durch einen Hurrikan laufen kann, ohne nass zu werden. Wenn Foreman auf mich trifft, wird er seine Schulden bezahlen. Ich kann untergehen und dabei das Wasser austrinken und einen toten Baum töten - wartet, bis ihr Muhammad Ali seht."

Im Kampf lehnte er sich völlig überraschend in den Seilen nach hinten ("Rope-a-dope") und spottete: "Ist das alles, was du kannst, George?" Er ließ den psychologisch wie kämpferisch überforderten Foreman ins Leere laufen, bevor er seinen erschöpften Gegner mit zwei schnellen Links-rechts-Kombinationen und neun aufeinander folgenden Kopftreffern niederschlug. Damit gehörte der Titel wieder ihm.

Muhammad Ali vs. Joe Frazier (Foto: Reuters)

"Er ist so hässlich": Joe Frazier schlägt nach Schmähkritik zurück (1971)

Unmittelbar zuvor hatte Ali den "Super Fight" in New York gegen seinen zweiten Top-Rivalen Joe Frazier gewonnen. Die offenbar nicht nur gespielte Antipathie, die beide füreinander empfanden, gipfelte in weltmeisterlichem Bashing - lange, bevor dieser Begriff für Internetbeschimpfungen Karriere machte. "Joe Frazier ist so hässlich, dass seine Tränen beim Weinen nach oben krabbeln und über den Hinterkopf laufen", befand der Welt bekanntester Boxer. Und gerade solche Sprüche haben seine Legende genährt, ohne feinsinnige Beobachter auf Dauer zu verprellen. "Nie zuvor und seitdem nie mehr besaß ein Schwergewichtler im Ring so viel Stil", schwärmte etwa die Schriftstellerin Joyce Carol Oates über Ali.

Muhammad Ali am Piano in London (1966)

Der Alleskönner: Muhammad Ali als Pianist in London (1966)

Aber der Mann, der alles konnte, in seiner Phantasie sogar Golfen ("Ich bin der Beste - ich habe nur noch nie gespielt"), hatte es auch nicht leicht, auf dem Boden zu bleiben. "Es ist schwer, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist wie ich", erkannte er mit scharfem Blick - und empfahl der Welt, sich dieser Sichtweise diskret anzuschließen: "Die Menschen begreifen nicht, was sie hatten, bis es weg ist. Wie Präsident Kennedy - es gab niemanden wie ihn. Wie die Beatles - es wird nie wieder etwas wie sie geben. Wie Elvis Presley - ich war der Elvis des Boxens."

jj/ml (dpa, afp, munzinger)

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