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Kultur

Mufflons für die Menschlichkeit

Die Band "I Muvrini" benutzt nicht nur multikulturelle, sondern auch vielsprachige Töne - vermischt mit der Gesangstechnik der korsischen Hirten. Sie erobererten das europäische Festland und nun auch Deutschland.

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Die Band "I Muvrini"! Auf deutsch: "Wildes Mufflon"

Wer über Korsika nachdenkt, dem fallen vielleicht Namen wie Napoleon Bonarparte oder Gilbert Becaud ein. Vielleicht auch das Klischee von verschlossenen Menschen. Und dass die Insel mit politischen Problemen zu kämpfen hat. So verwundert es dann nicht, dass das neue Album "Umani" der Gruppe "I Muvrini" wie eine Vertonung des Lebensstils eines störischen Volkes klingt. Aber nur beim ersten Hören.

Franzosen, die keine sind

Im Frankreich sind "I Muvrini", was übersetzt soviel wie "Wildes Mufflon" bedeutet, seit über 20 Jahren eine der ganz großen Bands. Gründer und Köpfe der Gruppe sind die Brüder Jean-Francois und Alain Bernardini. Typisch für ihre Musik ist die polyphone Gesangstechnik der korsischen Hirten. Gelernt haben sie diese Art zu singen von ihrem Vater. Der war zwar kein Hirte, aber ein Dichter. "I Muvrini" mischen diese Tradition mit keltischen, madagassischen und Cajun-Klängen und erzeugen so einen Sound, der den Hörer emotional auf eine Reise über die Küstenstrassen Italiens, Spaniens oder Frankreichs nimmt.

Aber hinter den teilweise sehr sakral anmutenden Klängen verstecken die "Schafe" geschickt ihre Botschaften. Für Alain Bernardini zählt nicht nur die Musik. Als Korse fühlt er sich auf einer Mission für "Umani", die "Menschlichkeit". Dabei bedient er sich eines ganzen Repertoires verschiedener Sprachen: Korsisch, Französisch, Italienisch, Katalanisch, Bretonisch, Baskisch und diverse lokale Dialekte. Als Korse habe er gelernt, die Welt als Ganzes zu erfassen, so Alain Bernardini (siehe DW-WORLD-Interview "Mehr als nur ein Lied").

"I Muvrini" sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Künstler wie Sting oder Lou Reed gehören zu den größten Fans der Formation. Auf Korsika werden sie wegen ihres soziales Engagements wie Helden gefeiert. Auftritte der Brüder Bernardini haben Volksfestcharakter. Über ein Drittel der Insulaner tingeln zu den Veranstaltungen. Mit dabei hat die Band immer wieder international hoch angesehene Musiker wie der französische Rapper MC Solaar oder der Schweizer Stephan Eichler.

Aufbruch aufs Festland

Wer Vorgängeralben wie "A Strada" kennt, welches in Frankreich als reines á Capella Album erschien, merkt schnell, dass die Gruppe mit "Umani" versucht einen größeren Markt zu erreichen. Musikalisch ist fast für jeden was dabei. Ein Anbiedern an "europäische" Hörgewohnheiten kann man der Band aber nicht vorwerfen. Zu wild ist der Genremix, zu vielfältig das Sprachwirrwarr. Zum Glück sind die Texte von "Umani" noch einmal auf Englisch abgedruckt. Denn sonst würden wohl vielen, vergleichende Sprachwissenschaftler mal ausgenommen, die Botschaft entgehen. Denn die gilt nicht nur für Korsika – sondern auch für den Rest der Welt: Menschlichkeit.

Dieser Kampf für ein besseres Miteinander kommt nicht von irgendwo. Die Historie Korsikas ist geprägt von Repressionen und Fremdherrschaften. In den 8000 Jahren besiedelter Geschichte war die Insel gerade mal 50 Jahre lang unabhängig. Die Freiheit seiner Heimat spielt für Alain Bernardini denn entsprechend auch eine große Rolle. Aber in erster Linie sieht er sich als Mensch, der seinem Umfeld mit Musik Freude bereiten möchte. Denn nur aus der Freude heraus könne man genug Kraft schöpfen um eine bessere Welt zu schaffen. Oder wie er sagt: "Es ist bekannt, dass Songs die Welt nicht verändern können, aber manchmal ändern sie unseren Blick, wie wir die Welt und andere Leute sehen."

Das Album I Muvrini "Umani" erscheint am 27.Januar 2003

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  • Datum 28.01.2003
  • Autorin/Autor Ulrich José Anders
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3Bhx
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