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Kultur

MSN-Chaträume gehen offline

Ernsthaft diskutieren, flirten oder einfach nur drauflos quatschen, das alles gibt es in den Chat-Foren. Doch in den Tummelbecken im Internet tauchen immer mehr Haie auf. Deshalb schaltet Microsoft seine Chaträume ab.

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Spielplatz Internet? Microsoft hält die Gefahren für zu groß

Am 14. Oktober 2003 nimmt der Softwareriese Microsoft seine so genannten "Chatrooms" in Europa, dem Nahen Osten, Afrika, Asien und Lateinamerika aus dem Internet. Zur Begründung führte das Unternehmen an, die Gesprächsforen hätten sich zu einer Spielwiese zweifelhafter Gestalten entwickelt. Die oft jungen Nutzer des kostenlosen Dienstes würden vermehrt durch unseriöse oder gar pädophile Mitteilungen belästigt. Da die Teilnehmer der Diskussionsrunden ihre Identität nicht preisgeben müssen, können die Übeltäter nur selten ausfindig gemacht werden.

Außerdem würden die Foren dazu missbraucht, E-Mail-Adressen für unerwünschte Werbesendungen (Spam) zu sammeln. "Die einfache Wahrheit der Geschichte ist, dass freies, unbetreutes Chatten nicht sicher ist", meint Geoff Sutton, Generalmanager für Europa der Microsoft-Internetsparte MSN. Vor allem die Aufdeckung von 38 internationalen Kinderporno-Ringen dürfte die Entscheidung erheblich beeinflusst haben. Zeitungsberichten zufolge befanden sich die pornografischen Dateien auf Microsoft-Servern.

Chat nur gegen Bares

Microsoft Bilanz Miniquiz 2004

In den USA und Kanada - sowie eingeschränkt in Brasilien, Japan, Neuseeland und Australien - sollen Chaträume zwar weiter bestehen, aber nur gegen Bezahlung. "Wenn dort jemand im Chat auffällt, hat man direkten Zugriff auf ihn über die Kundendaten – die Gefahr von Missbrauch ist somit geringer", erläutert eine Unternehmenssprecher. Gebührenpflichtige Gesprächsforen seien aber beispielsweise in Europa nicht konkurrenzfähig, da es hier ausreichend kostenlose Angebote gebe.

Als Alternative verweist Microsoft auf so genannte "Groups" privater Webseiten, bei denen ein Moderator die Diskussion überwacht, sowie auf den MSN-Messenger. Bei diesem Dienst können sich bis zu 14 Nutzer gleichzeitig miteinander austauschen, eine Kommunikation mit Unbekannten ist aber nicht möglich. Jeder Nutzer muss sich zuvor bei Microsoft registriert haben.

Wirtschaftlicher Hintergrund?

Vollkommen uneigennützig ist dieser Schritt aber wohl doch nicht. Schließlich konkurriert Microsoft bei dem bislang kostenlosen Messenger mit AOL Time Warner und Yahoo. Auf lange Sicht hin erhofft sich das Unternehmen von diesem Angebot eine attraktive Einnahmequelle. So gesteht Sutton ein, dass die Entscheidung zur Abschaffung der Chat-Foren auch durch das Ziel motiviert sei, den Messenger weiter zu verbreiten. Manche Analysten sehen in der Schließung eine wirtschaftliche Entscheidung. "Chaträume für sich genommen bringen nicht sehr viel Geld ein", meint Michal Halama vom Marktforschungsunternehmen Gartner.

Internet in China

Anders sieht das wohl Lycos. In zehn europäischen Ländern bietet das Unternehmen "Chatrooms" an. Zum Schutz vor Missbrauch setzt das Internetportal einerseits auf ausgefeilte Sicherheitssoftware, andrerseits auf rund 2000 ehrenamtliche Moderatoren, die rund um die Uhr alle Foren kontrollieren.

Gesetzliche Regelungen in immer mehr Ländern nehmen Serviceprovider in die Pflicht. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sorgfältiger darauf zu achten was sich auf ihren Servern und in den Chat-Foren abspielt. Die ursprünglich freien und kostenlosen Diskussionsräume werden künftig wohl entweder nur noch mit erheblichen Sicherheitsvorkehrungen – also moderiert und gegebenenfalls zensiert – oder gar nicht mehr angeboten.

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