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Global Ideas

Mr. Ozon und der Klimaschutz – im Gespräch mit Nobelpreisträger Mario Molina

Mit mehreren Kollegen entdeckte der mexikanische Chemiker die Prozesse, die zur Bildung des Ozon-Lochs führen. Nicht zuletzt diese Arbeit machte ihn zu einem engagierten Kimaschützer. Mario Molina im Gespräch.

Nahaufnahme eines Männergesichts vor schwarzem Hintergrund (Quelle: dpa)

Mario Molina gewann 1995 den Chemie-Nobelpreis

1995 vergab das Stockholmer Nobelpreiskomitee im Fach Chemie einen Nobelpreis mit ungeahnter politischer Tragweite. Der Mexikaner Mario Molina erhielt die Auszeichnung zusammen mit seinen Kollegen F. Sherwood Rowland ( USA) und Paul J. Crutzen (Niederlande). Die Naturwissenschaftler hatten die Zerstörung der Ozonschicht durch Fluorkohlenwasserstoffe entdeckt. Ihre Erkenntnisse führten später zu seinem Verbot dieser Stoffe. Mario Molina engagiert sich seit vielen Jahren aktiv für den Klimaschutz. Manuela Kasper- Claridge traf den Mexikaner in Lindau am Bodensee auf dem diesjährigen Treffen der Nobelpreisträger.

Grüner Plan für Mexiko

Der Himmel über dem Bodensee ist grau und bewölkt, trotzdem hat er seine Jacke ausgezogen. Mario Molina redet mit viel Temperament, man spürt seine Ungeduld. Der 69-jährige Wissenschaftler hat sich ganz dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben. In seinem Heimatland Mexiko berät das Mario Molina Zentrum die Regierung. Für die Millionenmetropole Mexiko City wurde z.B. ein "Low-Carbon" Plan entwickelt. Der CO2 Ausstoß in der Smog geplagten Stadt soll massiv verringert werden.

Arme Länder werden leiden

Video ansehen 12:02

Mario Molina im Gespräch

"Wir sind beim Klimawandel noch sehr weit von einer Lösung entfernt", sagt Molina im Gespräch mit Global Ideas und man ahnt seine Frustration darüber. Das liege auch an den Wissenschaftlern, die viel zu zurückhaltend seien, wenn es darum gehe, die Folgen des Klimawandels zu beschreiben. Sie denken "es sei anderer Leute Aufgabe sich mit den Medien oder der Information der Öffentlichkeit zu befassen. Aber ich denke, das ist ein Fehler". Er selber macht sich keine Illusionen. Arme Länder, die kaum Ressourcen haben, werden sehr stark vom Klimawandel betroffen sein. Sie werden umfangreiche Umsiedlungsprogramme brauchen, um die Menschen von den Küstengebieten wegzubekommen. Denn dort wird es heftige Überflutungen geben.

Kritik an den USA

Molina lehrt an der University of California in San Diego, geht aber hart mit den USA ins Gericht. Staaten wie die USA werden unter dem Klimawandel leiden, z.B. durch "riesige Waldbrände. Diese Staaten können das bewältigen, aber es wird sie mehr kosten, als wenn sie sich an einer Lösung beteiligen würden".

Am idyllischen Bodensee mit seinen schön bewachsenen grünen Ufern wirken diese Schreckensszenarien wie aus einer anderen Welt. Doch für Molina ist klar, dass sie schon bald Wirklichkeit werden. Die ersten Auswirkungen seien schon jetzt spürbar. Deshalb ärgern ihn republikanische Interessengruppen in den USA, die die Folgen des Klimawandels bestreiten. "Die Situation ist folgende: in den Vereinigten Staaten starteten einflussreiche Interessengruppen eine sehr clevere und sehr gut finanzierte Kampagne, um die Klimaforschung zu diskreditieren. Und sie waren erfolgreich."

Der Klimawandel ist ein Fakt

Dabei gebe es in der wissenschaftlichen Gemeinschaft gar keine Diskussion darüber, ob es tatsächlich zum Klimawandel komme. Der Klimawandel sei Konsens - lediglich über die Geschwindigkeit und die Auswirkungen werde diskutiert.

Der Nobelpreisträger bleibt dennoch Optimist. Wirtschaftswachstum und der Kampf gegen den Klimawandel sind für ihn kein Widerspruch. Er spricht von "klugem Wirtschaftswachstum mit den richtigen Anreizen und Technologien".

Deutschlands echte Alternativen

Nach Deutschland kommt Molina gerne. Er spricht nicht nur Spanisch und Englisch, sondern auch Deutsch. In den 1960iger Jahren studierte er unter anderem in Freiburg. Deutsch war für ihn die Sprache der Chemie, heute sei dies allerdings nicht mehr der Fall. Deutschland hat für ihn im Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels eine wichtige Vorbildfunktion. "Sie haben Maßnahmen ergriffen, die das Problem wirklich angehen wie etwa die Finanzierung alternativer Energiequellen, wie Wind - und Solarenergie. Mit sehr wichtigen Ergebnissen, nämlich, dass die Kosten für diese alternativen Energiequellen sehr schnell sinken, sodass sie zu einer echten Alternative werden."

Grüne Technologie in China

Ähnliche Maßnahmen wünscht er sich für andere Länder und erwähnt China, das in den letzten Jahren auch auf den Ausbau grüner Technologie setze. Allerdings ist das Reich der Mitte der größte Luftverschmutzer der Welt und baut verstärkt fossile Brennstoffe ab. "Am Ende wird es sie mehr kosten, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen, in der Landwirtschaft, mit Dürren oder Hochwasser," sagt er warnend.

Mr. Ozon

Dann muss der Nobelpreisträger zum nächsten Termin. Er trifft junge Nachwuchswissenschaftler, die aus der ganzen Welt nach Lindau gekommen sind. Sie wollen mit "Mr. Ozon" diskutieren wie Molina von einigen bewundernd genannt wird.

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