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Wirtschaft

MP3-Markt nach Milliardenstrafe gegen Microsoft in Aufruhr

MP3-Player könnten künftig teurer werden. Die Jury eines US-Gerichts hat den Software-Riesen Microsoft wegen Patent-Verstößen zur Zahlung von rund 1,5 Milliarden Dollar an den Telekomausrüster Alcatel-Lucent verurteilt.

Windows Media Player von Microsoft (Quelle: AP)

Für seinen Media Player zahlte Windows nur ans Fraunhofer Institut Lizenzen, nicht an Alcatel-Lucent

Microsoft hatte das Recht auf Nutzung der MP3-Technologie wie viele andere Unternehmen beim deutschen Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen erworben. Ein US-Gericht im kalifornischen San Diego gab am Donnerstagabend (22.2., Ortszeit) jedoch dem Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent recht, der dadurch seine Patente verletzt sah.

Der Patentstreit um den MP3-Standard für digitale Musik begann 2003 mit einer Klage von Lucent gegen die PC-Hersteller Gateway und Dell. Microsoft bezog die Klage auf sich selbst und erklärte, die strittige Technik sei Bestandteil des Windows Media Players und somit des auf den PCs installierten Betriebssystems.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Microsoft nannte das Urteil unrechtmäßig. Das Urteil könne dazu führen, dass hunderte Firmen, die das Recht auf die MP3-Nutzung vom Fraunhofer-Institut gekauft hatten, nun von Alcatel-Lucent gerichtlich belangt würden, teilte Microsoft mit. Der Konzern behält sich vor, in Berufung zu gehen. Das Urteil ist so lange nicht rechtskräftig, bis der Richter der Jury folgt.

"Wir sind der Auffassung, dass wir die MP3-Technologie korrekt lizenziert haben", betonte Microsoft-Justitiar Tom Burt. Die Höhe des Schadensersatzes sei völlig unverhältnismäßig, sagte Burt und wies darauf hin, dass die Fraunhofer-Gesellschaft nur 16 Millionen Dollar für die Lizenz erhalten habe.

MP3-Mitentwickler fordern ihr Stück vom Kuchen

Das deutsche Forschungsinstitut hatte das MP3-Format einst maßgeblich mitentwickelt. Mit der MP3-Technik kann Musik in vergleichsweise kleine Dateien umgewandelt werden. Die Klangqualität leidet jedoch kaum, weil für das menschliche Ohr nicht hörbare Töne herausgefiltert werden. MP3 hat sich in den vergangenen Jahre beim digitalen Versand von Musik auf dem Computer und auf tragbaren Musikplayern durchgesetzt.

An der komplexen Entwicklung des MP3-Standards waren allerdings mehrere Unternehmen beteiligt. So sollen auch von den Bell Laboratories gehaltene Patente zur Datenkomprimierung zum Einsatz gekommen sein. Die Bell Labs wurden später Teil von Lucent. Der US-Netzwerkausrüster fusionierte wiederum mit dem französischen Rivalen Alcatel.

Weitere 14 Prozesse in der Pipeline

Bislang müssen Unternehmen für die Nutzung der MP3-Technik Lizenzgebühren an das Fraunhofer Institut zahlen. Pro MP3-Player werden 75 US-Cents fällig. Für den MP3-Vertrieb im Internet müssen Unternehmen zwei Prozent ihres Umsatzes abführen. Sollten Firmen nun auch an Alcatel Lucent zahlen müssen, könnten MP3-Player künftig teurer werden.

Der Streit zwischen Microsoft und dem Alcatel-Lucent-Konzern ist Teil eines größeren Streits um Urheberrechte der beiden Unternehmen. Es geht um insgesamt 15 Patente, unter anderem im Zusammenhang mit Microsofts Videospiel-Konsole Xbox oder digitalen Video-Angeboten. Mit dem Urteil zum MP3-Format ist der erste Prozess abgeschlossen. Das nächste Patentrechtsverfahren in San Diego beginnt im März oder April. Dabei geht es um Patente zur Sprachcodierung. (ana)

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