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Kultur

Mozart zum Nachschlagen

Wolfgang Amadeus Mozart erobert zu seinem 250. Geburtstag die Neuheitenlisten der deutschsprachigen Verlage. An die 100 Titel porträtieren den Komponisten aufs Neue, oder versuchen Nischen im Lebenslauf zu finden.

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Mozart - mehr als nur Naschwerk

Die Neugier auf das Salzburger Genie (1756-1791) wird in vielfacher Form befriedigt - von der homöopathischen knappen Leseeinheit für die U-Bahn (Malte Korff: "Wolfgang Amadeus Mozart", Suhrkamp; Fritz Henneberg: "Wolfgang Amadeus Mozart", Rowohlt) über Bildbände und Kinderbücher ("Ich bin ein Musikus", Insel Verlag) bis hin zum 4500-seitigen Kompendium ("Briefe und Aufzeichnungen", dtv). Der Fokus liegt weniger auf der Einordnung des Werkes als auf der Persönlichkeit zwischen musikalischem Genie und verarmtem Eigenbrötler, der Wein, Weib und Gesang zu genießen wusste.

Die Vita

Mozarts faszinierende Lebensgeschichte lässt viele Autoren nach unaufgespürten Winkeln und Ansatzpunkten suchen. Geschichtsprofessor Piero Melograni beispielsweise ("Wolfgang Amadeus Mozart", Siedler) bettet Mozarts Leben in das reiche kulturelle, politische und gesellschaftliche Leben des im Umbruch begriffenen 18. Jahrhunderts ein und erläutert vor diesem Hintergrund die Entstehung der Mozart-Opern.

Umfassend, lehrreich, wissenschaftlich und dennoch kurzweilig geriet die feinfühlige Analyse des Musikwissenschaftlers Martin Geck ("Mozart", Rowohlt). Danach hatte Mozart deshalb Erfolg, weil er anders als zuvor Bach und später Beethoven ohne Bekenntnis, Ethos oder Tiefsinn sein Publikum ansprach und statt auf Formengerüste auf Interaktion setzte.

Gleichwohl war er (unfreiwilliger) Humorist und Sprachakrobat, wie eine lyrische Scherzi-Sammlung belegt ("Curios!", Manesse).

Die Frauen

Die Frauen: Wer den Meister der subtilen musikalischen Erotik als Gigolo wähnt, könnte bei der Lektüre von Enrik Lauers und Regine Müllers "Mozart und die Frauen" (Lübbe) sowie Melanie Unselds "Mozarts Frauen" (Rowohlt) enttäuscht sein, denn im Zentrum stehen nicht Mozarts amouröse Abenteuer, sondern die prägenden Frauen im kurzen Leben des Komponisten und ihr Einfluss auf den Hofkonzertmeister.

Eine davon ist seine Mutter Anna Maria, mit der Mozart das beschauliche Mannheim verließ, nachdem der gestrenge Vater den Sohn in die Welt schickte mit dem Satz "Fort mit Dir nach Paris". Unter diesem Titel veröffentlicht der österreichische Verlag Jung und Jung Briefe der Mutter und des Sohnes, die von Lebensfreude, aber auch Entbehrung zeugen.

Die zweite prägende Frau Mozarts, seine Ehefrau Constanze, erzählt im fiktiven, aber akribisch recherchierten Tagebuch-Roman von Isabelle Duquesnoy ("Das Tagebuch der Constanze Mozart", Ullstein) auf knapp 500 Seiten von der bewegten Zeit an dessen Seite.

Investigativ nähert sich Lea Singer ("Das nackte Leben", DVA), der, wie viele Kritiker immer wieder behaupten, "verschwendungssüchtigen und vulgären Person ohne Bedeutung".

Der Genießer

Musikwissenschaftlerin Eva Gesine Baur lädt "Zu Gast bei Mozart" und garniert in diesem Band der Rolf-Heyne-Collection Biografisches mit Rezepten des Rokoko. Wer sich den Salzburger als grazilen Charmeur vorstellt, der zwischen Morchelsuppe und Fasanenbraten am Fortepiano sitzt, wird jedoch eines Besseren belehrt. Denn der "kindhaft kleine, knollennasige Mann" war ein Drittel seines Daseins auf Reisen.

Als der neue Salzburger Fürsterzbischof dem Jungkomponisten bezahlten Urlaub verweigert, kündigt dieser und schreibt seinem Vater, der ihn mit Diät- und Ernährungsvorschriften belegt hatte, 1777: "Mir ist so feder leicht ums herz seit dem ich von dieser Chicane weg bin! - - ich bin auch schon fetter." Die Genüsse rund um Rieslingcremesuppe, gefüllten Kapaun oder gebackene Austern sind Appetit anregend zum Nachkochen arrangiert. Mit Anekdoten würzt Schauspieler Sascha Wussow sein "Mozart-Kochbuch" (Orac verlag) - eine Sammlung von Rezepten aus der Zeit des Komponisten und von Orten, an denen er lebte oder zu Gast war.

Ein Geheimnis lüftet allerdings keiner der Autoren mit letzter Sicherheit: das um Mozarts Todesursache. Die Legenden um den frühen Tod des 35-Jährigen - von Streptokokken-Infektion über Nierenversagen und "hitziges Frieselfieber" bis Aderlass - reichen für mindestens ein weiteres Werk. (dpa/wga)

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