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Politik

Moussaoui kann zum Tode verurteilt werden

Im einzigen US-Terrorprozess im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 muss Zacarias Moussaoui mit der Todesstrafe rechnen. Das entschied eine Jury im Bundesgericht von Alexandria.

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Szene aus dem Prozess

Die Entscheidung der 12 Geschworenen fiel nach rund dreitägigen Beratungen einstimmig. Zacarias Moussaoui darf grundsätzlich hingerichtet werden. Der Franzose ist der einzige Angeklagte, der wegen der Terroranschläge des 11. Septembers in den USA vor Gericht steht. Dieses vorentscheidende Urteil, mit dem die Geschworenen dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgten, wurde am Montag (3.4.) durch einen Sprecher des Gerichts bekannt gegeben: "Mit diesem Verdikt hat die Jury entschieden, dass die Todesstrafe in diesem Prozess möglich ist."

Nun muss in einer neuen Prozessrunde entschieden werden, ob das Todesurteil auch tatsächlich ausgesprochen wird. Hierzu können Anklage und Verteidigung noch einmal Zeugen befragen und Beweise vorlegen. Entscheiden müssen die gleichen 12 Geschworenen – neun Männer und drei Frauen.

"Direkt verantwortlich"

"Mein Blut bekommt ihr nicht, ich verfluche euch alle", rief Moussaoui nach der Entscheidung der Geschworenen. Der 37-jährige französische Staatsbürger marokkanischer Herkunft hatte sich im April letzten Jahres bereits schuldig bekannt, an einer terroristischen Verschwörung gegen die USA beteiligt gewesen zu sein. In der zweiten Phase des Prozesses gelang es der Staatsanwaltschaft offenbar, die Geschworenen davon zu überzeugen, dass Moussaoui für den Tod der rund 3.000 Menschen am 11. September 2001 direkt mitverantwortlich ist, weil er die Strafverfolgungsbehörden nach seiner Verhaftung wenige Wochen vor den Anschlägen belogen und damit daran gehindert hatte, den Attentätern auf die Spur zu kommen.

Moussaoui hatte während des Verfahrens seinen Teil dazu beigetragen, Schuld auf sich zu laden. Gegen den Rat seiner Pflichtverteidiger hatte er sich in der vergangenen Woche selbst zu Wort gemeldet und überraschend erklärt, er habe an den Anschlägen teilnehmen sollen und sei dazu auserkoren gewesen, ein weiteres Flugzeug in das Weiße Haus in Washington zu fliegen. Seine Verteidiger sagen, das sei gelogen. Die tatsächlichen Attentäter, von denen keiner mehr am Leben ist, hätten Moussaoui wegen seiner Unzuverlässigkeit von der Durchführung der Anschläge ausgeschlossen.

Wenig Aussicht auf mildernde Umstände

Zahlreiche Auftritte des Angeklagten vor Gericht hatten außerdem Zweifel an seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit aufkommen lassen. Dies wird nun auch die Strategie seiner Verteidiger in der letzten und entscheidenden Phase des Prozesses bestimmen, die am Donnerstag (6.4.) beginnt und bei der sie für mildernde Umstände plädieren werden.

Die Anklage - so will es das Prozessrecht vor US-Bundesgerichten - muss die Geschworenen davon überzeugen, dass Moussaouis Verbrechen besonders heimtückisch und grausam waren. Zu diesem Zweck werden die Rechtsanwälte der Anklage auch Familienmitglieder der 9/11-Opfer befragen und Tonaufzeichnungen von Gesprächen mit den im World Trade Center eingeschlossenen Menschen vorspielen. Prozessbeobachter gehen davon aus, dass dies seinen Eindruck auf die Geschworen kaum verfehlen dürfte.

Kritik von Angehörigen der Terroropfer

Das US-Justizministerium äußerte sich in einer Erklärung zufrieden über die Entscheidung der Geschworenen und kündigte für die zweite Prozessphase weitere "Anstrengungen im Namen der Opfer des 11. September" an. Die stellvertretende Vorsitzende der Angehörigenvereinigung "Familien des 11. September" kritisierte hingegen die Entscheidung.

Moussaoui habe zwar gesagt, er hasse Amerika und wolle Amerikaner töten, sagte Carrie Lemack dem Fernsehsender CNN. Der Angeklagte dürfe aber nicht zum Märtyrer werden. "Er soll im Gefängnis verrotten und seine anti-amerikanischen Gefühle nicht weiter verbreiten." Andere Angehörige begrüßten hingegen das Jury-Votum. "Das Gericht hat mühsame und gute Arbeit geleistet", sagte Rosemary Dillard, deren Mann Eddy bei den Attentaten auf das World Trade Center in New York starb.

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