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Reise

Mount Everest: Gipfelsturm all inclusive

Als höchster Berg der Welt gilt der Mount Everest als größte Herausforderung für Bergsteiger. Deren teure Kraftprobe mit der Natur ist für das arme Land Nepal eine unverzichtbare Einnahmequelle.

Wenn die Bergsteiger im Basislager des Mount Everest in Nepal ankommen, ist längst alles vorbereitet. Dutzende Hilfsarbeiter verschiedener Expeditionen haben den Boden eingeebnet, Zelte aufgebaut und sich darum gekümmert, dass es einen Internetzugang gibt. Den Großteil des Gepäcks der Bergsteiger tragen diese nicht selber. Das übernehmen Yaks, robuste zentralasiatische Rinder - oder menschliche Träger. So berichtet es Temba Tsheri Sherpa. Er wirkt wenig beeindruckt, wenn er über die Logistik spricht, die für einen Aufstieg auf den 8848 Meter hohen Mount Everest nötig ist.

Am 23. Mai 2001 bestieg er mit 16 Jahren als damals jüngster Mensch den höchsten Berg der Erde. Heute ist er Chef des Expeditionsanbieters Sherpa Khangri Outdoor - einem von inzwischen rund 25 nepalesischen Unternehmen, die Touristen auf ihrem Weg auf das Dach der Welt begleiten. Sie machen zunehmend den etablierten Unternehmen aus Europa und den USA Konkurrenz, weil sie ein größeres Stück vom Everest-Boom abhaben wollen. Es ist aber auch ein riskantes Geschäft mit dem Tod - fast jährlich gibt es Tote am Everest; Ende April kam der Schweizer Extrembergsteiger Ueli Steck in der Region ums Leben.

Besteigung des Mount Everest (picture alliance /dpa/Ladies Climbing Club : JAPAN)

Als erste Frau der Welt erreichte 1975 die japanische Bergsteigerin Junko Tabei den Gipfel

50.000 Euro für fünf Minuten Gipfel

Obwohl sich jedes Jahr nur ein Bruchteil der Nepal-Touristen wirklich zum Everest aufmacht, hat der Berg sich trotzdem zu einer wichtigen Einkommensquelle für Nepal und seine Bewohner entwickelt. Ein durchschnittlicher Aufstieg kostet mit 40.000 bis 50.000 Euro so viel wie ein guter Neuwagen. Kletterer mit hohem Budget geben auch leicht das Doppelte und mehr aus. Und geht es nach dem Tourismusministerium in der Hauptstadt Kathmandu, ist noch viel Luft nach oben. "Der Everest ist mit Abstand die populärste Route im Himalaya-Gebirge", sagt ein Sprecher. "Wir versuchen, mehr alternative Gipfel für Touristen zu erschließen. Aber auch auf dem Everest ist noch Platz." 

Damit widerspricht er der Darstellung vieler Bergsteiger, die in den wenigen Tagen, an denen das Wetter den Aufstieg bis auf den Gipfel erlaubt, immer wieder von Staus kurz unterhalb des höchsten Punkts der Welt berichten.

Himalaya - Saisonbeginn für Extrembergsteiger (Imago)

Gebetsfahnen gehören zur buddhistischen Tradition in Nepal

In diesem Jahr hat Nepal die Rekordzahl von 375 Lizenzen zum Aufstieg auf den Everest an Touristen vergeben. Jede einzelne von ihnen kostet 11.000 US-Dollar (ca. 9800 Euro). Auf diesem Weg hat das Land allein in der Hochsaison im April und Mai in diesem Jahr mehr als vier Millionen Dollar eingenommen. Hinzu kommen noch Hunderte Einheimische, die ohne Touristenlizenz den Berg besteigen dürfen und oft zum Geldverdienen dort sind.

Warum dort so viel Geld zu holen ist, erklärt Ang Tshering Sherpa, Chef von Asian Trekking, einem der größten Expeditionsunternehmen des Landes: "Wer das Rundumpaket bucht, der bekommt Inlandsflüge, Ausrüstung, Essen für extreme Höhen und die Sauerstoffversorgung gleich mitgeliefert. Und natürlich den Transport der Ausrüstung, den Aufbau der Zelte und einen Bergführer."

Himalaya - Saisonbeginn für Extrembergsteiger (Getty Images/P.Mathema)

Kloster Tengboche im Khumbu-Tal

Lokale Unternehmen wollen mitverdienen

In den insgesamt sechs bis acht Wochen, die ein Bergsteiger im Schnitt mit dem Everest beschäftigt ist, kümmern sich direkt und indirekt Dutzende Helfer darum, dass der Kunde - wenn alles klappt - für ein paar Minuten ganz oben auf dem Berg stehen kann. Erfahrene Bergsteiger befestigen die ganze Saison über Seile und Kletterhilfen an den schwierigen Stellen des Berges und kümmern sich darum, dass sie halten. Träger schleppen die Ausrüstung immer wieder zwischen dem Basislager und den vier verschiedenen Höhenlagern hin und her, damit der Kunde sich durch regelmäßige Auf- und Abstiege an die Höhenluft gewöhnen kann. Sie kümmern sich um den Aufbau der Zelte und häufig auch um die Verpflegung.

Bis zu 5000 Euro verdient ein einheimischer Helfer pro Saison, wenn er einen Kletterer bis zum Gipfel begleitet oder Lasten bis fast ganz nach oben trägt. Wer näher am Basislager arbeitet, bekommt jedoch deutlich weniger. Auch die Ausrüstung kann sehr unterschiedlich kosten - Spezialjacken sind auch durchaus mehrere Tausend Euro teuer. Hinzu kommen Zelte, Schuhe, Steigeisen und Helme. Richtig ins Geld geht der Sauerstoff, den 19 von 20 Kletterern auf den letzten 1000 Höhenmetern nutzen. Zusammen mit seinem Helfer braucht ein Bergsteiger häufig zehn oder mehr Flaschen davon. Jede einzelne von ihnen kostet bis zu 500 Euro.

Geht es nach den nepalesischen Behörden, dürfte es auf dem Everest auch in Zukunft wachsende Besucherströme geben. Indirekt sorgt der Tourismus heute schon für gut 1,4 Milliarden Euro Einnahmen in Nepal - etwa 7,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Mit mehr als 900.000 Menschen leben zudem mehr als sechs Prozent der arbeitenden Bevölkerung direkt oder indirekt vom Tourismus. In den kommenden zehn Jahren sollen beide Zahlen noch deutlich steigen.

Stefan Mauer (dpa)

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