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Kultur

Mount Everest all inclusive

Der Schock vom 10. Mai 1996: 27 Bergsteiger erreichen den Gipfel des Mount Everest. Am nächsten Morgen sind 8 Menschen tot - abgestürzt. Geändert hat sich seitdem wenig.

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Sherpas beim Aufstieg 1996

Die meisten der Opfer sind Mitglieder kommerzieller Expeditionen und über die Normalroute von der nepalesischen Südseite aus aufgestiegen. An den Schlüsselstellen haben sich regelrechte Staus gebildet. Das Wetter schlägt um. Die Sicht ist gleich null, die Temperaturen eisig. Orientierungslos taumeln die Gipfelstürmer abwärts.

Der US-Journalist John Krakauer überlebt und verarbeitet seine Erlebnisse in einem Buch: "Into thin air" (auf dem deutschen Markt "In eisige Höhen") wird zum Weltbestseller, der IMAX-Film über die Katastrophe zum Kinohit.

Kommerz am Berg

Zehn Jahre danach: Heftig wurde über die Auswüchse des kommerziellen Bergsteigens am höchsten Berg der Erde diskutiert. Geändert hat sich wenig. Nach wie vor kann der 8850 Meter hohe Everest aus dem Reisekatalog gebucht werden – alles inklusive. Die Preise schwanken je nach Anbieter und Route zwischen rund 20.000 und 60.000 Euro pro Person. Einige Agenturen verlangen von ihren Kunden nicht einmal einen Nachweis alpiner Erfahrung.

Die Katastrophe 1996 scheint die Abenteuerlustigen nicht abgeschreckt, sondern eher angelockt zu haben. Jahr für Jahr sind die Basislager zu Füßen des Mount Everest dicht gefüllt. In diesem Frühjahr haben mehrere hundert Bergsteiger aus knapp 50 Expeditionen ihre Zelte in den beiden Basislagern aufgeschlagen. Der Trend geht zur tibetischen Nordseite, weil die chinesischen Behörden deutlich niedrigere Gebühren verlangen als die nepalesischen.

Teppich in den Zelten

Die Expeditionsveranstalter versuchen, es ihren Kunden im Basislager so angenehm wie möglich zu machen: Teppiche in den Zelten, abendliche Filmvorführungen im Extrazelt, Internetcafe, medizinische Station. Im vergangenen Jahr flog ein Spezialhubschrauber bis auf Gipfelhöhe, Rettungsaktionen in der Todeszone über 8000 Meter sind keine Utopie mehr – gutes Wetter vorausgesetzt.

Auf den beiden technisch leichteren Normalrouten, über die fast alle Expeditionen aufsteigen, ist der Mount Everest wieder gründlich in Fesseln gelegt. Allein auf der tibetischen Nordseite führen über acht Kilometer Fixseile bis hinauf zum Gipfel. Auf der nepalesischen Südseite haben Sherpas – wie in jedem Jahr - den gefährlichen Eisbruch mit Seilen und Leitern versichert, damit die zahlenden Kunden die riskante Passage möglichst schnell überwinden können.

Tote Sherpas keine Schlagzeile wert

Drei Sherpas wurden im April von einem einstürzenden Eisturm in den Tod gerissen. Den westlichen Medien war diese Tragödie kaum eine Schlagzeile wert. Stattdessen wurden die ersten Gipfelerfolge bejubelt. Sechs Bergsteiger erreichten am 30. April über die Nordroute den höchsten Punkt.

In den kommenden Tagen drohen an den Schlüsselstellen wieder Staus und auf dem Gipfel Gedränge. Die Meteorologen haben für die Everest-Region ein "Wetterfenster" vorhergesagt: einige Tage ohne Sturm, mit guter Sicht. Die Expeditionen wittern ihre Chance.

Auch wenn es die Everest-Kandidaten lieber ausblenden: eine Katastrophe wie 1996 kann sich jederzeit wiederholen. Denn der Mount Everest bleibt ein gefährlicher Berg. Jederzeit können Lawinen abgehen. Und das Wetter kann noch nicht aus dem Reisekatalog gebucht werden.

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