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Die Welt spricht Sport

Mouchbahani: "Sport durchbricht Barrieren"

Ralph Mouchbahani ist einer der bekanntesten DOSB-Globetrotter und engagiert sich seit vielen Jahren im Ausland. Im DW-Interview spricht der Sportlehrer über seine Ziele bei einem Langzeitförderprojekt in Sambia:

Sport in Sambia (Foto: Ralph Mouchbahani)

Ralph Mouchbahani (3.v.l.) mit seinem Team in Sambia

In der ganzen Welt unterwegs zu sein, ist dem 57-Jährigen quasi in die Wiege gelegt worden. Geboren wurde Mouchbahani in Ägypten, aufgewachsen ist er unter anderem in Schopfheim bei Lörrach in Baden-Württemberg. Schon als Kind lebte er teilweise im Ausland und besuchte dort deutsche Auslandsschulen. Seit 2012 wohnt Mouchbahani für ein DOSB-Langzeitprojekt in der sambischen Hauptstadt Lusaka in 1300 Metern Höhe. Ein Ziel seines Auslandsprojektes ist: Junge Leichtathletik-Talente fördern, und zwar richtig!

Herr Mouchbahani, seit fast 3 Jahren sind sie jetzt in Sambia. Als Globetrotter, der schon viele Länder der Welt gesehen hat, was beeindruckt sie am meisten an diesem afrikanischen Land?

Was mich am meisten begeistert ist, dass die Kooperation mit den Counterparts, also die Partner (Sportverbände, Ministerium, Nationales Olympisches Komitee), mit denen ich zusammenarbeite, sehr groß ist. Das habe ich selten erlebt. Die sambischen Kollegen sind fest davon überzeugt, dass wir ihnen helfen können und sind ein optimaler Partner. Und wenn man auf so viel Unterstützung stößt, dann motiviert das einen erst Recht, weil dadurch die Nachhaltigkeit dieses Projektes so gut wie gesichert ist.

Wie würden Sie Sambia beschreiben?

Sambia liegt auf 1300 Meter Höhe. Es ist sehr grün, vor allem in der Regenzeit. Es leben hier sehr zuvor kommende, nette und hilfsbereite Menschen. Jemand hat mal gesagt: "Die nicht kriegerischen Völker haben sich wohl nach Sambia bewegt". Es ist sehr sicher, angenehm und es lässt sich sehr schön hier leben.

Sport in Sambia (Foto: Ralph Mouchbahani)

Ziel: Jugendliche an den Sport heranführen

Wie sportlich ist das Land und welche Sportarten sind die populärsten?

Jeden Tag, wenn ich laufen gehe, habe ich mindestens sechs bis zehn Kinder, die mitlaufen. Ich laufe auf dem Feldweg und sie fragen mich, ob sie mitlaufen dürfen. Das ist schon ein Beweis dafür, dass die Menschen in Sambia sportbegeistert sind und was der Sport auch bewirken kann. Leichtathletik liegt ganz oben, gleich nach Fußball. Das liegt unter anderem daran, dass in der Leichtathletik viele Disziplinen ohne großen Aufwand betrieben werden können: Mittelstrecke, Langstrecke, Sprint - ohne Geräte sind diese Disziplinen ausführbar.

Was konnten Sie konkret durch das DOSB Projekt bisher erreichen?

Wir haben eine Zusammenarbeit mit den Schulen im Grundlagenbereich und eine Traineraus- und Fortbildung mit einem Lizensierungsverfahren auf die Beine gestellt. Außerdem haben wir den Verband so strukturiert, dass er effektiv funktioniert, so dass er den ihm zugeteilten Aufgaben auch gerecht werden kann.

Wer profitiert davon?

Alle, denn das eine geht nicht ohne das andere. Wenn die Sportler gut sind und der Verband nicht funktioniert, oder wenn der Verband funktioniert, aber keine Trainer, Fortbildungen oder Talentsichtungsverfahren hat, kommt er auch nicht weiter. Also Sportler, Verband und Trainer - und das funktioniert hier wunderbar auf diesen drei Ebenen.

Junge Leichtathletik-Talente fördern ist ein Ziel ihres Projektes, wie gehen Sie da vor?

Man muss bedenken, in Sambia gibt es nur zwei Kunststoffbahnen. Auch deshalb gab es bisher kein geordnetes und strukturiertes Wettkampfsystem. Das haben wir auf die Beine gestellt. Es ist uns gelungen, über die Schulwettkämpfe Kinder, die Talent haben, zu Wettkämpfen einzuladen und sie dadurch sichten zu können. Und durch das OYDC (Olympic Youth Development Center) findet hier eine Kaderzusammenführung statt, bei der man die Talente für einen Zeitraum nach Lusaka holt und sie dann schulisch und sportlich betreut. Das ist uns sehr gut gelungen und dadurch haben wir schon sehr viele Erfolge erreicht.

Kriegsversehrte beim Sport in Sambia (Foto: Ralph Mouchbahani)

Kriegsversehrte beim Sport in Sambia

Geht es in ihrem Projekt mehr um Leistungssport oder Breitensport?

Ich möchte das gar nicht so trennen, denn wenn der Breitensport funktioniert, dann wird natürlich auch das Interesse am Leistungssport geweckt. Es gibt hier viele natürliche Talente. Und für sie ist Sport ein soziales Ventil, denn nur vom Breitensport werden sie sich ja nie sozial verbessern. Wenn diese Talente sehen, dass man sich durch Sport gesellschaftlich verbessern kann, dann wird natürlich das Interesse geweckt. Deshalb vermeide ich eine Trennung, von Breitensport und Leistungssport - lieber man bietet diese Sportentwicklung vom Breiten- zum Leistungssport an, gerade auch für Leute, die sonst sozial durch Netz fallen würden.

Wie steht es um Menschen mit Handicap? Wie ist deren Standing in der Gesellschaft und deren sportliche Aktivität?

Die Trainer vom Behindertenverband sind in meine Arbeit mit eingebunden. In der Kinderleichtathletik haben wir die gehandicapten mit eingebunden ins System. Und das ist toll zu sehen und freut mich natürlich sehr, dass auf die Behinderung individualisierte Sportübungen die Kinder begeistern. Aber wenn 80 bis 85 Prozent der Gesellschaft an der Armutsgrenze leben, dann ist jemand mit Behinderung natürlich noch schlechter dran - ich glaube, so muss man das sehen. Wenn wir den Menschen hier Möglichkeiten mit Sport und durch Sport eröffnen, dann ändert sich natürlich auch die Perspektive von Leuten mit Handicap.

Die Dörfer außerhalb der Großstädte sind abgeschieden, unabhängig und teilweise schwer zu erreichen. Zieht es sie auch dahin? Und welche sportlichen Aktivitäten unternehmen sie dort?

Wir kooperieren ganz stark mit den NGOs, Non Govermental Organisations, die bereits in diesen ländlichen Gegenden tätig sind. Da geht es natürlich um Lauf orientierte Sportarten, weil das am einfachsten und billigsten ohne großen Aufwand zu machen ist. Diese Sozialhelfer bilden wir sportlich aus, damit sie Sport als Werkzeug nutzen können. Durch das Vertrauen, das durch Sport erzeugt wurde, kann es mitunter leichter sein, schwierige Themen anzusprechen, wie frühe Schwangerschaften oder auch Hygiene.

Behinderte beim Sport in Sambia (Foto: Ralph Mouchbahani)

Behinderte beim Sport in Sambia

Überall auf der Welt treiben die Menschen Sport. Ist das eine Sprache, die jeder spricht?

Ich habe wahrscheinlich mehr Länder gesehen, als nicht gesehen. Durch Sport kann man ganz einfach kommunizieren, weil es da keine Sprachbarrieren gibt. Es werden im Sport auch keine Unterschiede gemacht, denn Regeln gelten für alle. Insofern ist Sport eine Sprache, die allgemein verständlich ist und viele Barrieren und Schranken durchbricht.

Kann man durch Sport die Welt verändern?

Wenn man Nelson Mandela ("Sport has the power to change the world") glaubt, dann ja. Aber ich glaube, verändern ist sehr hoch gegriffen. Sicherlich beeinflussen wir positiv die Gesellschaft, und das ist ganz wichtig.

Was ist ihr Ziel in Sambia?

Dass der Sport salonfähig wird und ein Teil der Gesellschaft wird. Und wenn die, die sportliches Talent haben, erfolgreich sind, dann ist das Projekt auch mit Erfolg gekrönt.

Wie lange werden sie noch durch die Welt reisen und welches Land wird möglicherweise ihre nächste Heimat werden?

Ich fühle mich immer da wohl, wo ich eine Aufgabe im Sportbereich habe, die ich bewältigen und vor allem auch zum Positiven führen kann. Das ist meine Motivation und mein Antrieb. Ich bin nicht der typische Mensch, der in Rente gehen wird - aber soweit gucke ich noch gar nicht in die Zukunft.

Das Gespräch führte Christian Seewald.

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