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Fußball

Motivator gegen Grandseigneur

Jürgen Klopp und Jupp Heynckes machen mit ihren Mannschaften in Europa Furore. Auf den ersten Blick könnten die Trainer der Champions-League-Finalgegner unterschiedlicher nicht sein. Doch dieser Eindruck trügt.

Locker, kumpelhaft, schlagfertig - so stellt sich Jürgen Klopp gerne dar. Kaum eine Pressekonferenz vor dem großen Finale in Wembley vergeht ohne einen kleinen Scherz des BVB-Coachs. Er ist ein begnadeter Verkäufer seiner Person und seines Vereins. Das macht ihn zu einem Liebling der Fans und der Medien. Ganz anders: Jupp Heynckes. Auf Scherze legt der Bayern-Coach keinen großen Wert. Ruhig und konzentriert antwortet er auf die Fragen und gestattete sich selbst vor seinem letzten Spiel als Bundesliga-Coach ausgerechnet in seiner Heimat Mönchengladbach kaum Emotionen. Galt er in seinen frühen Trainerjahren noch als aufbrausend und unnahbar, ist er in den vergangenen Jahren zwar milder geworden. Trotzdem fliegen ihm auch heute die Herzen der Fans nicht zu, ebenso wenig die Sympathien der Journalisten. Doch für alle ist er eine Respektsperson.

Der deutsche Trainer Jupp Heynckes feiert mit den Spielern von Real Madrid am 20.5.1998 in Amsterdam den Sieg im europäischen Fußball-Champions League-Finale. Real gewinnt mit 1:0 gegen Juventus Turin und sichert sich die Trophäe zum siebenten Male und erstmals nach 1966.

Heynckes größter Erfolg als Trainer: der Champions-League Titel 1998

Verschiedene Charaktere - gleiche Kompetenz

Die Persönlichkeiten der beiden Trainer mögen verschieden sein, bei ihrer Arbeit zeigen sich viele Gemeinsamkeiten. Beide schöpfen aus tiefem fußballerischem Sachverstand. Gerade weil Klopp so locker auftritt wird seine Kompetenz oft angezweifelt. Doch sein Erfolg mit dem BVB beweist, dass er ein Spitzen-Trainer ist. Schon 2008 beschreibt er klar seine Spielphilosophie: "Erlebnisfußball mit viel Emotion, Leidenschaft und Willen auf der Basis hoher Laufbereitschaft und taktischer Disziplin." Eine Philosophie, die den BVB zu zwei Meistertiteln, einem Pokalsieg und jetzt ins Finale der Champions League geführt hat. Mit Zweiflern ist auch Jupp Heynckes ständig konfrontiert. Bei ihm schlagen sie allerdings in eine andere Kerbe. Der 68-Jährige stehe für keine moderne Fußballtaktik, sein Alter und seine Sturheit stünden ihm dabei im Wege. Mit der Rekordsaison seiner Bayern hat Heynckes das eindrucksvoll widerlegt. Im Ausland, beispielsweise bei Real Madrid, wird sein Name immer wieder hoch gehandelt.

Erfolgsorientiert

Beide Trainer bereiten sich detailliert vor. "Es gibt viele kleine Dinge, die man ausarbeiten muss. Dinge, die ich den Spielern zeigen möchte", sagt Heynckes mit Blick auf das Finale in London. "Es reicht nicht, dass ich Dortmund kenne und weiß, wer wo spielt." Ebenso akribisch arbeitet Klopp mit seinem Stab. Die Videoanalyse spielt dabei eine große Rolle. Sogar in der Halbzeitpause, wie zum Beispiel beim hochdramatischen 3:2 gegen Malaga. "Das Spiel ist schnell, der Gegner ist hart, da übersieht man einiges. Es geht darum, den Spielern eine Hilfestellung zu geben", beschreibt Klopp den Nutzen der Videosequenzen.   

KUN,: 2. Bundesliga Mainz - 1. FC Kaiserslautern _ Trainer Jürgen KLOPP ( links ) gegen Schoenberg als Spieler bei Mainz 05 hier im Spiel 1997 gegen Kaiserslautern

Basis für den Trainerjob: Als mittelmäßiger Spieler schulte Klopp in Mainz schon früh sein Spielverständnis

"Spielerflüsterer"

Beide Trainer legen Wert auf den Charakter ihrer Spieler. "Darauf achte ich sehr stark, wenn ich sie in mein Team hole", sagte Klopp bei früherer Gelegenheit. Mit dieser Maxime ist es ihm beim BVB gelungen, über Jahre ein junges, höchst erfolgreiches Team zusammenzustellen. Ein Erfolg, der nun zum Fluch werden könnte, wie der Wechsel von Jungstar Mario Götze zu den Bayern andeutet. Dort war Jupp Heynckes mit einer anderen Problematik konfrontiert: Er musste aus dem Ensemble von Stars eine Mannschaft formen, bei der auch die Bankdrücker geduldig bleiben. Die Harmonie im Team ist Heynckes wichtig. Von seinem Naturell her gilt er als eher konfliktscheu. Clarence Seedorf, in Madrid unter Heynckes Champions-League-Sieger 1998, schrieb über ihn: "Heynckes war als Trainer zu lieb, daher ungeeignet für Real." Für Bayern ist der Coach im Moment ein Glücksfall. Vor allem Franck Ribery ist aufgeblüht - zu ihm hat der Trainer-Senior einen besonders guten Draht aufgebaut.

Disziplinfanatiker

"Disziplin nimmt im ganzen Leben ein großes Spektrum ein, ist in jeder Firma so gefordert wie im Fußball", beschrieb Heynckes schon vor Jahren sein Credo. Er selbst nimmt sich davon nicht aus. Als er 2007 bei Borussia Mönchengladbach als Coach zurücktrat, verzichtete er auf eine Abfindung, den Dienstwagen brachte er pünktlich zurück, natürlich gewaschen und vollgetankt. Bei Klopp täuscht der Eindruck des Kumpeltyps. Auch er setzt auf Disziplin, Einsatz und Leidenschaft. Sie kommt nur etwas leichter daher, durch seine besondere Fähigkeit, die Spieler mit seiner Fußball-Leidenschaft anzustecken.

Das schon jetzt denkwürdige Finale von London ist ein Karrierehöhepunkt für beide Trainer. Für den 68-jährigen, erfahrenen Heynckes könnte es der glänzende Schlusspunkt vor dem Ruhestand sein. Für den 45-jährigen und nach eigenen Worten "gierigen" Klopp wäre es der bisher größte Erfolg seiner Laufbahn.