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Nahost

Mossul-Offensive der irakischen Armee weiter erfolgreich

Der Kampf um die IS-Hochburg Mossul ist im vollen Gang. Die radikalen Islamisten leisten erbitterten Widerstand - vor allem im Osten der Metropole. Doch irakische Streitkräfte konnten weitere Bezirke einnehmen.

Unterstützt von Artillerie und Luftangriffen verließen bewaffnete Spezialeinheiten der Anti-Terror-Einheit CTS das Dorf Gogdschali am östlichen Stadtrand und nahmen das östliche Viertel Al-Karama, einen Außenbezirk von Mossul, ein. Im Morgengrauen stießen sie dort auf die Gegenwehr der Kämpfer der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS), wie ein ranghoher Offizier der irakischen Armee sagte. Sie hätten die irakische Flagge über Gebäuden in sechs zurückeroberten Gebieten gehisst. Die IS-Miliz habe schwere Verluste erlitten, teilte die irakische Armee mit. Hohe Rauchsäulen lagen über der Stadt, offenbar weil IS-Kämpfer Autoreifen angezündet hatten, um die Sicht für Luftangriffe zu beeinträchtigen.

Irakische Militärs kämpfen inGogjali, einem Vorort von Mossul. Sie suchen zwischen den Häuserwänden Schutz und Deckung. (Foto: picture-alliance/AP Photo/M. Drobnjakovic) )

Ein schwieriger Häuserkampf bis zur Rückeroberung Mossuls

Komplexes Tunnelsystem unter Mossul

Dennoch kann es in diesen Gebieten weiter zu Kämpfen kommen, da sich Scharfschützen und andere Kämpfer des IS häufig in Gebäuden verstecken. In der mehr als eine Million Einwohner zählenden Großstadt werden mehrere tausend IS-Kämpfer vermutet. Zudem sollen die Extremisten in Mossul ein Tunnelsystem gegraben haben, in dem sie sich unbemerkt bewegen können. Es wird ein schwieriger und langer Häuserkampf bis zur völligen Rückeroberung der Stadt erwartet. 

IS-Anhänger griffen ihrerseits eine Ortschaft südlich von Mossul an. Dabei eroberten sie nach Polizeiangaben eine Moschee und mehrere Häuser. Sieben Soldaten und Kämpfer einer schiitischen Miliz wurden getötet. Die Angreifer seien in der Nacht in die Ortschaft Schirkat etwa 100 Kilometer südlich von Mossul eingedrungen, sagte ein Polizist. Die Sicherheitskräfte verhängten eine Ausgangssperre und schickten Verstärkung, um die IS-Kämpfer zurückzuschlagen.

IS missbraucht Menschen als Schutzschilder

Nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen (UN) rekrutierte die IS-Extremistenmiliz wohl auch Kindersoldaten. Die Extremisten hätten die Einwohner in der Ortschaft Hammam al-Alil südlich von Mossul dazu gedrängt, insbesondere Jungen ab einem Alter von neun Jahren an die Kämpfer zu übergeben, sagte eine Sprecherin des UN-Menschenrechtsbeauftragten. Zudem hätten die Extremisten in der Region Mossul Hunderte Menschen getötet, darunter 50 Deserteure und 180 ehemalige Regierungsbeschäftigte, sagte die Sprecherin weiter. Etwa 1750 Menschen seien von Hammam al-Alil nach Tal Afar und Mossul gebracht worden, wo sie wohl als menschliche Schutzschilde dienen sollten.

Einige Zivilisten konnten fliehen, viele sitzen fest

Zehntausende irakische Soldaten versuchen - unterstützt von kurdischen Peschmerga-Milizionären und mit Hilfe von iranischen Schiitenmilizen - seit über zwei Wochen, Mossul aus der Gewalt der IS-Miliz zu befreien. Vor wenigen Tagen  gelang es den Elitekräften im Osten von Mossul erstmals, auf das Stadtgebiet vorzudringen. Aus umliegenden Dörfern gelang bereits zahlreichen Zivilisten die Flucht in sicherere Gebiete. Dutzende Dörfer und Städte im Umkreis der Stadt wurden zurückerobert. In Mossul selbst sitzt allerdings noch über eine Million Menschen fest."Wir kommen aus der Welt der Toten zurück in die Welt der Lebenden", sagte etwa der 40-jährige Raed Ali, der mit seiner Familie aus der Ortschaft Baswaja flüchtete. Umm Ali berichtete von ihrer Angst, der IS könnte ihr ihre Söhne wegnehmen. "Sie sind immer wieder zu unserem Haus gekommen", sagte sie über die Dschihadisten. "Sie haben unser Auto genommen und gesagt: 'Dies ist das Land des Kalifats, es gehört uns.'"

pab/sti (afp, dpa, rtr)