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Irak

Mossul ist nicht das Ende des IS

Die Niederlage von Mossul hat den Islamischen Staat geschwächt, aber noch nicht besiegt. Sein Nährboden und seine Ideologie bestehen weiter. Zumal sich der IS international ausgebreitet hat.

Mit Mossul hat der sogenannte Islamische Staat (IS) seine größte Stadt und wichtigste Machtbasis verloren. In seiner selbst ernannten Hauptstadt im syrischen Rakka steht der IS unter massivem Druck der Anti-IS-Koalition. Und der selbst ernannte Kalif Abu Bakr al-Bagdadi wurde bereits mehrfach für tot erklärt. Die grundlegenden Probleme des irakischen Staates sind weiterhin ungelöst. Doch es waren genau diese Probleme, die den Nährboden für den Aufstieg der Dschihadistenmiliz gebildet haben. Allen voran die Marginalisierung der sunnitischen Minderheit nach der US-Militärintervention 2003 - die auch schon vor dem IS zu gewaltsamen Aufständen geführt hatte.

Jetzt liegen die Städte der Sunniten in Trümmern. Neben Mossul auch Falludscha, Ramadi, Tikrit. Für Joshua Landis von der University of Oklahoma hängt alles davon ab, ob es den religiösen und ethnischen Gemeinden der Region gelingt, ihre Gefühle von Wut und Ungerechtigkeit zu überwinden und einen Sinn für nationale Einheit zu entwickeln. "Viel hängt von der unmittelbaren Großzügigkeit der Sieger ab - und von ihrer Fähigkeit, die Hand der Versöhnung und Brüderlichkeit auszustrecken", sagt Nahost-Experte Landis im DW-Interview.

Die von Amnesty International undHuman Rights Watch dokumentiertenHinrichtungen und Folterungen von IS-Gefangenen und deren Familien in Mossul weisen allerdings eher in Richtung Rache als Versöhnung - mit der Gefahr, dem gerade vertriebenen IS neues Futter für seine Propaganda zu liefern.

Die Schwäche des Staates ist die Stärke der Dschihadisten

Dazu kommt: Der IS - oder auch andere dschihadistische Gruppierungen - können weiter von dem Bürgerkrieg in Syrien profitieren sowie von der Schwäche des irakischen Staates. Neben der mangelnden Integration der Sunniten in die irakische Politik listet der Irak-Experte Yezid Sayigh aus dem libanesischen Beirut der DW eine Fülle weiterer Faktoren auf: "Der dysfunktionale Staatsapparat. Die massenhafte Korruption. Die mangelhafte Bereitstellung von grundlegenden Dienstleistungen für den Großteil der irakischen Bevölkerung. Dazu kommt die geringe Investitionstätigkeit und Produktivität in den Nicht-Öl-Sektoren."

Irak Mossul Zivile Opfer Bodybags (Getty Images/AFP/A. al-Rubaye)

Die Befreiung Mossuls hat auch viele Zivilisten das Leben gekostet - und jeder Tote hilft der IS-Propaganda

Yezid Sayigh betrachtet den IS als eine im Grunde irakische Organisation, und trifft sich an der Stelle mit dem deutschen Terrorismus-Experten Guido Steinberg von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Steinberg rechnet im DW-Gespräch damit, dass "die Ideologie des IS weiter wirken wird". Die Initiativen zur Bekämpfung der Terrorismus-Finanzierung aus der jüngsten Vergangenheit beurteilt Steinberg kritisch. "Der IS wird sich aus dem Konflikt im Irak finanzieren, da habe ich überhaupt keine Zweifel", ist sich Islamwissenschaftler Steinberg sicher.

Syrien | Flüchtlingslager in Hasakeh (Getty Images/AFP/D. Souleiman)

Knapp 700.000 Menschen wurden bei der Schlacht um Mossul vertrieben. Wenn sie eine Zukunft haben, hat der IS keine

IS International

Tomas Olivier weist im Gespräch mit der DW darauf hin, dass der IS trotz des Verlustes von Mossul und des erwarteten Falls von Rakka noch immer einige Territorien kontrolliert, sowohl im Irak als auch in Syrien. Außerdem, so der Terrorismus-Experte einer holländischen Sicherheitsfirma, sei es dem IS gelungen, in Nord-, West und Ostafrika, in Südasien und Südostasien Ableger zu etablieren. Besondere Sorge bereitet Olivier die Fähigkeit der Dschihadisten zur "flexiblen Reaktion". Selbst in der Niederlage sei es dem IS gelungen, operative Schwerpunkte in der westlichen Hemisphäre aufzubauen, mit der "unter Beweis gestellten Fähigkeit - militärisch gesprochen - nach Bedarf zuzuschlagen". Olivier zu Folge wirbt die Miliz inzwischen vermehrt für einen "dezentralisierten Dschihad" mit besonderem Augenmerk auf Anschläge durch sogenannte "einsame Wölfe". Deshalb sollten nach Ansicht Oliviers die Polizeibehörden und die Kräfte der Anti-IS-Koalition sehr viel mehr unternehmen, um die Propaganda und die Etablierung von weltweiten Kommunikationsnetzen durch den IS zu unterbinden.

Immerhin: Die "Marke" IS ist durch die Niederlage in Mossul und den Verlust weiter Teile seines Territoriums beschädigt. Die Rekrutierung von Dschihadisten aus dem Ausland ohne ein "Staatsgebiet" wird schwerer werden. Aber die rückwärtsgewandte Ideologie des IS wird weiter wirken und lokal Kämpfer anziehen. Umso mehr, je schlechter es den Menschen im Irak geht.

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