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Politik

Moskaus Geldadel ist empört

Courchevel ist ein exklusiver Skiort in den französischen Alpen - Rubljowka eine nicht eben bescheidene Datschensiedlung in Moskau. Zwischen beiden Orten gib es eine Verbindung. Oder besser: Es gab sie …

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In unmittelbarer Nachbarschaft zur Residenz des russischen Präsidenten haben sich Russlands Neureiche in Rubljowka ihre Märchenschlösser errichtet. Nach Courchevel fahren sie mit Vorliebe zum Skifahren. Genauer gesagt fuhren, denn Russlands Millionäre sind derzeit ein wenig pikiert.

Verdorben hat ihnen die Champagnerlaune die Staatsanwaltschaft von Lyon. Letzte Woche hat sie in dem Skiort einen prominenten Rubljowka-Anwohner verhaftet. Vier Tage saß der Milliardär Michail Prochorow, Generaldirektor des größten Nickelkonzerns der Welt, in Untersuchungshaft. Der Grund: Verdacht auf Zuhälterei. Der Nickelfürst war nämlich nicht allein nach Courchevel gekommen, sondern in Begleitung von 16 Mädchen Anfang zwanzig. "Um jung zu bleiben muss man sich mit Jugend und Schönheit umgeben“, erklärte der 41-jährige Oligarch der französischen Staatsanwaltschaft. Diese folgerte messerscharf: "Die Frage ist nun, ob sie eine Gegenleistung erbringen mussten.“

Boykott aus Patriotismus

Dass der Milliardär tatsächlich anderes mit den Damen im Sinn hatte, als sie mit Champagner zu bewirten und sich in ihrem Glanz zu sonnen, konnte die Behörde ihm dann aber nicht nachweisen und musste ihn schließlich ohne Anklage freilassen. Für Moskaus finanzielle Elite ist die Geschichte aber damit noch keinesfalls erledigt. "Im Zusammenhang mit der allseits bekannten Situation im französischen Urlaubsort Courchevel kündigen die Anwohner der Rubljowka an, den Skiort zu boykottieren“, hieß es in einem offenen Brief der Juwelierin Julia Kossowan, den die Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda“ veröffentlichte.

"Etwas Unvorstellbares“ gehe in Moskaus Nobelrestaurants vor sich, erläuterte Kossowan in einem Interview. "Alle reden nur noch über den Skandal in Courchevel.“ Sie selber habe ihren für März geplanten Urlaub kurzentschlossen storniert. Denn, so verrät sie, es geht um mehr als um den verpatzten Urlaub des Nickelmagnaten. "Wir sind doch jetzt alle Patrioten“, sagte sie. "Und deshalb ruft man dieser Tage in unseren Restaurants immer öfter: 'Mir tut es um mein Land leid.’“ Das Zitat entstammt dem sowjetischen Film "Die weiße Sonne der Wüste“. Mit diesen Worten weist darin ein ehrbarer Grenzsoldat Bestechungsgeld zurück. Der Satz ist zu einem geflügelten Wort für selbstlosen Patriotismus geworden.

St. Moritz oder Aspen - das ist jetzt die Frage

Moskaus patriotische Elite hat sich dann auch bisher nicht davon erweichen lassen, dass man sich in Courchevel äußert zerknirscht gibt ob der Unannehmlichkeiten für den zahlungskräftigen Feriengast. Frau Kossowan jedenfalls weiß schon, wo der russische Geldadel in Zukunft seinen Urlaub verbringen könnte: "Wir sind noch am Überlegen, ob in St. Moritz in der Schweiz oder in Aspen, wo die Hollywoodstars Urlaub machen.“ Das nötige Gespür für Dramatik würden sie jedenfalls mitbringen.