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Unmut in Moskau

Moskauer sagen Nein zum Plattenbau-Abriss

In Moskau herrscht ungewohnte Unruhe. Die Stadt will Häuser abreißen. Die Gebäude sind alt, befinden sich aber in bester Lage und die Bürger wehren sich. Für den Kreml kommt der Konflikt zur Unzeit.

Tausende Menschen sind in Moskau gegen ein gigantisches Umbauprogramm auf die Straße gegangen. Bürgermeister Sergej Sobjanin will fast 5000 Plattenbauten aus der Nachkriegszeit abreißen lassen, mehr als eine Million Menschen sollen neuen Wohnraum erhalten. Doch das forsche Vorgehen der Behörden trifft auf Widerstand, viele rechtliche und finanzielle Fragen sind ungeklärt.

An der genehmigten Kundgebung am Sonntag nahmen nach Angaben der Veranstalter 30.000 Menschen teil, die Polizei setzte die Zahlen deutlich niedriger an und sprach von nur 8000. Auch prominente Oppositionelle wie Alexej Nawalny und Grigori Jawlinski kamen zu der Demonstration.

Viele Moskauer hängen an "Chruschtschowki"

Mit den fünf- oder siebenstöckigen industriell gefertigten Häusern linderte die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg die schlimmste Wohnungsnot. "Chruschtschowki" heißen die Plattenbauten nach dem damaligen Parteichef Nikita Chruschtschow. Doch so schlecht die Bauqualität ist, so hängen heute viele Moskauer an diesen Wohnungen. Durch die Privatisierung sind sie Eigentümer geworden. Viele fürchten eine zwangsweise Enteignung, bei der sie aus innenstadtnahen, grünen Vierteln in Hochhausviertel am Rand Moskaus umgesiedelt werden.

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Moskauer kämpfen gegen Umsiedlung

"Hände weg von unseren Häusern!", stand auf Transparenten. Ein Gesetz zu den Abrissplänen, das im russischen Parlament beraten wird, müsse zurückgezogen werden, forderten die Demonstranten. "Die Stadt will nur bauen und dabei die Kohle abgreifen", hielt der Aktivist Pjotr Schumazki den Behörden vor.

Ganz ähnlich äußerte sich die 59-jährige Ingenieurin Swetlana Iljina. "Wir wollen unsere Häuser behalten!", schimpfte sie. Das Städtebau-Projekt werde "den Immobilien-Spekulanten und den Behörden dienen, die riesige Kommissionen kassieren". 

Die Stadt argumentiert dagegen, dass die neuen Wohnungen größer, besser und billiger werden. Und: Das milliardenschwere Programm solle der Moskauer Bauwirtschaft neuen Auftrieb geben.

"Die Antwort bekommt ihr bei der Wahl"

Präsident Wladimir Putin hat die Pläne zwar begrüßt. Doch die soziale Unruhe in Moskau, die Bürgermeister Sobjanin mit seinem Vorhaben ausgelöst hat, kommt für den Kreml zur Unzeit. Im März 2018 steht in Russland die Präsidentenwahl an, bei der Putin absehbar ein weiteres Mal kandidieren wird. Die Führung will Unmut in der Bevölkerung möglichst vermeiden.

Das war auch den Demonstranten klar und sie thematisierten dies. "Die Antwort bekommt ihr bei der Wahl!", war auf Transparenten zu lesen. Für den Umbauplan, der tausende Chruschtschowkas betrifft, sind umgerechnet 57 Milliarden Euro vorgesehen. Anstelle der mehrgeschossigen Häuser sollen moderne Hochhausbauten entstehen. In der Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt Moskau mangelt es an Wohnraum.
 

haz/ rb (dpa, afp, dw)

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