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Kultur

Moskau-Thriller aus Deutschland

Dennis Gansels Spielfilm ist der Versuch, politische Intrigen, Korruption und Polizeiwillkür im heutigen Russland anzuprangern. "Die 4. Macht" ist prominent besetzt, verhebt sich aber am selbst gesetzten Thema.

"'Die 4. Macht' ist steif erzählt, sieht aber gut aus", so brachte es ein Journalist einer deutschen Tageszeitung auf den Punkt. Dennis Gansels Film war für die allermeisten Kritiker eine herbe Enttäuschung. Dabei hatte sich der Regisseur einiges vorgenommen. Und Gansel ist ja auch kein Anfänger. Der Absolvent der Münchner Film- und Fernsehhochschule hat sich im letzten Jahrzehnt als einer der versiertesten Handwerker des deutschen Kinos etabliert. In verschiedenen Genres, mit beträchtlichem Erfolg - an den Kinokassen, aber auch bei der Kritik.

Dennis Gansel (Foto: DW/Ella Volodina)

Regisseur Dennis Gansel

Mit "Mädchen, Mädchen" hatte er 2001 im eher leichten Fach, einer Teeniekomödie, sein Kinodebüt gegeben. Dass dieser Regisseur aber über ein beträchtliches Talent verfügt, brisante, politisch und gesellschaftlich relevante Stoffe für ein großes Publikum auf die Leinwand zu bringen, sollten seine folgenden Filme zeigen. Sowohl "Napola - Elite für den Führer" (2004) als auch "Die Welle" (2008) waren gekonnt in Szene gesetzte Werke, die etwas zu sagen hatten, sich dabei aber auch größeren Zuschauerschichten öffneten. Deutsches Unterhaltungskino mit Niveau - dafür stand Dennis Gansel in den letzten Jahren.

Großes Publikum angestrebt

Mit seinem neuen, inzwischen siebten Film, "Die 4. Macht", hatte der Regisseur nun offenbar auch ein internationales Publikum im Blick. Der Film wurde in Berlin, Kiew und in Moskau gedreht, hat eine internationale Besetzung mit einem deutschen Star (Moritz Bleibtreu), prunkt mit vielen Actionszenen und einer Handlung, die sich von einem Höhepunkt zum nächsten bewegt.

Filmszene aus Die 4 Macht (Foto: www.upimedia.com)

Paul Jensen (Moritz Bleibtreu) bei der Recherche

Worum geht es? Paul Jensen ist ein desillusionierter deutscher Boulevardjournalist, der den Auftrag erhält, in Moskau ein Klatschmagazin auf Vordermann zu bringen. Dabei gerät er in einen undurchsichtigen Dschungel aus politischen Intrigen, Korruption und Polizeiwillkür. Er stößt auf brisante Recherchen seines verstorbenen Vaters, der offenbar an einer Enthüllungsstory arbeitete und dabei von seinen Gegnern aus dem Weg geräumt wurde. Im Hintergrund scheinen all die Themen auf, die bei der Berichterstattung über das moderne Russland heute eine Rolle spielen: die Pressezensur, der Umgang der Staatsmacht mit ihren Kritikern, der Tschetschenien-Konflikt, der unermessliche Reichtum der Oligarchen und der hemmungslose Konsum einer jungen Partygeneration im heutigen Russland.

Kinostart zur Präsidentenwahl

Nicht zufällig wohl hat der Verleih "Die 4. Macht" just in den Tagen in die deutschen Kinos gebracht, in denen Wladimir Putin sich seine umstrittene 3. Amtszeit als Präsident bestätigen ließ. Zwar wird im Vorspann ausdrücklich darauf verwiesen, dass es sich bei den Charakteren des Films um "fiktive" Personen handelt, doch dürfte dieser Einwand wohl ausschließlich juristische Gründe haben. Bei der deutschen Premiere in Berlin meinten die Produzenten, "Die 4. Macht" sei der Film zu den "Tagesthemen". Vielleicht ist das das Problem von Dennis Gansels Politthriller: "Pech, dass nicht nur die Nachrichtensendungen im Zweifel aufregender sind. Der russische Thriller heißt Wirklichkeit", schrieb "Der Tagesspiegel".

Filmszenen aus Die 4 Macht (Foto: www.upimedia.com)

Moskauer Nächte: Tanzen, Drogen und andere Vergnügungen

Und auch sonst ließen die Kritiker kaum ein gutes Haar am Film. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb: "Gansels Russland besteht ausschließlich aus Versatzstücken. Die im Prinzip kluge Konstruktion hängt schon nach wenigen Minuten durch." "Die Welt" bemängelte vor allem, dass Gansel zu viel in seinen Film gepackt habe, ohne die Genreregeln des Kinos zu beachten. Auch die beiden führenden Filmfachzeitschriften in Deutschland, "epd Film" und "Film-Dienst", konnten der "4. Macht" kaum etwas abgewinnen. Gansel verschenke sein interessantes Thema an ein "hanebüchenes Gutmenschendrehbuch" textete die eine, die andere meinte, statt kritischer Recherche gebe es nur plakative Action, dazu zahlreiche Stereotypen und Klischees. Einzig der Kritiker der "Süddeutschen Zeitung" fand Gefallen an dem Film: Packend sei es, wie Moritz Bleibtreu die Wandlung vom leichtlebigen Reporter zum Repressionsopfer mitfühlbar mache: "Gansel findet immer wieder Momente verblüffender Genauigkeit und zarter Intensität."

Autor: Jochen Kürten
Redaktion: Gudrun Stegen

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