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Politik

Moskau ohne "Moskwa"

Moskaus Bürgermeister Luschkow hat ein Faible für Bauwerke aller Art. Seit er die Geschicke der Stadt leitet, schießen überall riesige Einkaufszentren, Shopping-Malls, Möbel- und Baumärkte wie Pilze aus dem Boden.

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Bereits Mitte der Neunziger Jahre ließ der quirlige Stadtregent Jurij Luschkow die von Stalin gesprengte Erlöserkathedrale wiederaufbauen. Die Kopie wurde prächtiger als das 1931 gesprengte Gotteshaus. Nun widmet sich der Bau- und Bürgermeister einem weiteren berühmten Moskauer Baudenkmal: Dem legendären Hotel "Moskwa". Das monströse Werk aus Schlackenbeton und Granit wurde 1935 als "erstes sowjetisches Hotel" in unmittelbarer Kremlnähe eröffnet. Der mächtige graue Klotz mit rund 1.000 Zimmern gilt als Beginn der stalinistischen Architektur.

Legendär wurde dieses eigentlich hässliche Bauwerk vor allem durch seine beiden unterschiedlichen Seitenflügel. Der Architekt Alexej Schtschusew hatte sich bereits durch den geschmacklosen Bau des Lenin-Mausoleums, eine Mischung zwischen Tresor und ägyptischer Pyramide, hervorgetan. Als Schtschusew das Hotel "Moskwa" plante, legte er dem Sowjetdiktator zwei unterschiedliche Entwürfe vor. Doch der "geliebte Vater der Sowjetvölker" setzte seinen "Stalin" unter beide Entwürfe. Der Architekt zog es vor, nicht nachzufragen und verwirklichte beide Entwürfe.

Zahn der Zeit

Der asymmetrische Bau ist seither aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken und spätestens seit die beeindruckende Fassade auf dem Etikett der Wodkamarke "Stolitschnaja" verewigt wurde, gehört das "Moskwa" zu Moskau wie der Kaviar aufs Brot.

Doch in den vergangenen Jahren nagte der Zahn der Zeit an dem Gebäude, und das mit nur drei Sternen ausgezeichnete Hotel hatte außer seinem Sowjetcharmeden Gästen nicht mehr viel zu bieten.

Epoche Luschkow

Der Bau- und Bürgermeister Luschkow setzte sich daher gegen alle kulturellen Bedenkenträger durch und beschloss, das Baudenkmal abreißen zu lassen, um für schlappe 350 Millionen Dollar an gleicher Stelle ein Fünf-Sterne-Luxushotel zu errichten. Inzwischen wurde bereits mit den Abrissarbeiten begonnen. Schon 2006 soll das neue First-Class-Hotel seine Türen eröffnen - und zwar in seiner alten sowjetischen Hülle. Die Außenansicht soll beibehalten werden.

Die Denkmalschützer sind über den Abriss empört, doch das kümmert Luschkow wenig. Der lässt das "Moskwa" einfach als Kopie wieder auferstehen. Aus dem Baudenkmal der Stalin-Epoche wird dann ein Architekturdenkmal einer neuen Epoche: der des Bürgermeisters Luschkow.