Moskau nimmt Abschied von Nemzow | Aktuell Europa | DW | 01.03.2015
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Aktuell Europa

Moskau nimmt Abschied von Nemzow

In Russland gedenken die Menschen des ermordeten Kreml-Kritikers Boris Nemzow. Tausende versammelten sich im Moskauer Zentrum zu einem Trauermarsch.

Die Initiative zu dem Trauermarsch ging nach Angaben der Behörden von Oppositionsführer und Ex-Regierungschef Michail Kasjanow aus. Auf einen ursprünglich für diesen Sonntag geplanten Marsch gegen die Politik des russischen Staatschefs Wladimir Putin verzichtete die Opposition.

Nemzow war am späten Freitagabend - nur wenige Meter vom Kreml entfernt - hinterrücks erschossen worden. Vom Täter fehlt jede Spur. Sowohl die Polizei als auch der Kreml gehen von einem Auftragsmord aus. Die Opposition wertete die Tat als Racheakt für Nemzows jahrelangen Kampf gegen die russische Regierung.

Überwachungsvideo veröffentlicht

Der Fernsehsender TWZ veröffentlichte ein Überwachungsvideo vom Ort und von der Zeit der Tat. In der Aufnahme ist nach Darstellung des Senders zu sehen, wie sich Nemzow mit seiner Begleiterin am Freitag gegen 23.30 Uhr Ortszeit (21.30 Uhr MEZ) auf der Großen Moskwa-Brücke bewegt und von einem Mann verfolgt wird. Eine Kehrmaschine verdeckt dann die Sicht auf das Paar und den Mann. Wenig später ist zu sehen, wie der mutmaßliche Täter auf die Straße läuft und in ein Auto einsteigt und flüchtet. Etwa zehn Minuten danach trifft die Polizei ein.

Laut Medienberichten fanden die Ermittler möglicherweise das Fluchtauto. Der Sender "Rossija 24" zeigte in diesem Zusammenhang ein weißes Fahrzeug mit einem Nummernschild der Teilrepublik Inguschetien, die im islamisch geprägten Konfliktgebiet Nordkaukasus liegt.

Boris Nemzow und Wladimir Putin (Foto: AFP/Getty Images)

Treffen im Jahr 2000: Boris Nemzow und Wladimir Putin

Politische "Provokation"?

Die Tat löste weltweit Bestürzung aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte Putin auf, "zu gewährleisten, dass der Mord aufgeklärt und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden". Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Tat auf das Schärfste und forderte eine rasche Aufklärung. Er drückte "Herrn Nemzows Familie, Freunden und Unterstützern" sein tiefstes Beileid aus. Bans Erklärung war in weiten Teilen Standard, wie stets nach politischen Morden. Die Erwähnung der "Unterstützer" des Putin-Kritikers gilt jedoch als ungewöhnlich. Putin selbst nannte den Mord eine politische "Provokation".

Nur wenige Stunden vor seiner Ermordung hatte Nemzow seine scharfe Kritik an Putin bekräftigt. "Der gewichtigste Grund der (Ukraine-)Krise ist, dass Putin eine sinnlos aggressive, für unser Land und für viele Bürger tödliche Politik des Krieges gegen die Ukraine begonnen hat", sagte der 55-Jährige dem regierungskritischen Radiosender Echo Moskwy in seinem wohl letzten Interview. Die Anwesenheit russischer Truppen im Donbass nannte er "bewiesen". Der Kreml bestreitet dies.

wa/sti (dpa, rtr, afp)

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