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Fokus Osteuropa

"Moskau muss Inguschetien mehr Aufmerksamkeit schenken"

Vor dem Hintergrund der instabilen Lage in Inguschetien hat Russland einen neuen Präsidenten in der Kaukasus-Republik eingesetzt. Sergej Markedonow vom Moskauer Institut für Politik- und Militäranalyse bewertet die Lage.

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Anschläge erschüttern Inguschetien

DW-Russisch: Moskau hat den bisherigen Präsidenten Inguschetiens, Murat Sjasikow, abberufen. Nachfolger ist der Politiker und bekannte Fallschirmjäger Junus-Bek Jewkurow. Kam dieser Wechsel überraschend?

Sergej Markedonow: Die Entlassung würde ich nicht als überraschend bezeichnen. Die Lage in Inguschetien ist seit langem instabil und könnte kollabieren. Dafür tragen die bisherige Führung Inguschetiens und Sjasikow selbst die Verantwortung. In Inguschetien, aber auch in Moskau, hatten viele Gegner Sjasikows auf die Notwendigkeit eines Machtwechsels hingewiesen.

Sjasikow hat die Republik sechs Jahre lang als Präsident geführt. Glauben Sie, dass ein rascher Neuanfang möglich ist?

Klar ist, dass diese Entlassung erst einmal nichts ändern wird. Ich glaube nicht, dass ein neuer Republikchef Inguschetien schon morgen Frieden schenken wird. Veränderungen kann es nur geben, wenn auch Moskau der Republik wirklich mehr Aufmerksamkeit schenkt. Wir haben zum Beispiel Grosny, in das viel Geld für den Wiederaufbau fließt. Und wir haben Zchinwali und jetzt auch noch Suchumi, wo Geld investiert wird. Solche symbolischen Schritte Moskaus haben für den Kaukasus große Bedeutung.

Man sollte keine zu großen Erwartungen haben. Man sollte vielmehr nüchtern analysieren. Die Versuchung ist jetzt groß, alles auf Sjasikow abzuwälzen. Aber er ist nicht an allem schuld.

Was bedeutet das für die russische Kaukasus-Politik?

Wir hatten das System "Putin", und möglicherweise haben wir es jetzt mit einem neuen System "Medwedjew" zu tun. Mit der Anerkennung Abchasiens und Südossetiens haben wir die Messlatte für Anforderungen in der Innen- und Außenpolitik hochgesetzt. Früher war der Erhalt des Status quo das Ziel der Strategie. Nun wurden neue Grenzen und neue Realitäten geschaffen. Der Kreml muss umdenken. Auch die Finanzkrise macht uns Beine. Jetzt kann man nicht mehr faulenzen. Die wirtschaftlichen Umstände einerseits und die Anerkennung zweier kaukasischer Republiken andererseits fordern eine neue strategische Politik.

Das Gespräch führte Wladimir Sergejew

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