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Wissen & Umwelt

Moser: "Labor ist unser drittes Kind"

Edvard Moser, der dieses Jahr mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurde, erzählt im DW-Gespräch über chaotische Tage, die enge Zusammenarbeit mit Ehefrau May-Britt und ihr "drittes Kind" - das Labor.

Edvard Moser wurde zusammen mit seiner Frau May-Britt Moser und John O'Keefe mit dem Nobelpreis für Medizin 2014 ausgezeichnet. Die Mosers arbeiten gemeinsam am Kavli Institute for System Neuroscience und am Centre for Neural Computation in Trondheim, Norwegen. Als der Nobelpreis verkündet wurde, saß Edvard Moser ahnungslos im Flugzeug nach München, um drei Wochen am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried zu forschen.

Deutsche Welle: Herr Moser, herzlichen Glückwunsch zum Nobelpreis für Medizin. Wie waren die ersten Tage als Nobelpreisträger?

Edvard Moser: Ziemlich chaotisch. Ich habe es, glaube ich, immer noch nicht richtig realisiert. Bis jetzt gab es nicht eine Minute, in der ich kurz in mich kehren konnte, um ein bisschen nachzudenken.

Was dachten Sie zuerst, nachdem Sie die großartige Nachricht erhalten hatten?

Es dauerte eine Weile, bis ich es mitbekam. Als ich aus dem Flugzeug in München ausstieg, empfing mich ein Vertreter des Flughafens mit Blumen. Ich hatte keine Ahnung, was passiert war. Der Mann sagte mir, ich hätte den Preis gewonnen. Ich fragte nur: "Welchen Preis?" Erst nachdem ich hunderte Anrufe, Nachrichten und E-Mails auf meinem Handy sah, verstand ich es.

Natürlich dachte ich, es könnte eines Tages dazu kommen - vielleicht wenn ich 70 oder 80 Jahre alt bin. Denn in der Hirnforschung dauert es eine Zeit, um herauszufinden, ob eine Entdeckung bedeutend ist oder nicht. Das Nobelpreis-Komitee war da oft sehr konservativ. In diesem Fall bin ich umso glücklicher, dass es sich so schnell entschieden hat.

Bereuen Sie es nicht ein bisschen, ausgerechnet jetzt in Deutschland zu sein und ohne ihre Frau - die ja gemeinsam mit Ihnen den Nobelpreis erhält - zu feiern?

Ich wäre gerne in Trondheim, aber hier ist es auch toll. Die Menschen am Max-Planck-Institut haben mich fantastisch aufgenommen. Sie holten mich am Flughafen ab und legten den ganzen Tag alles beiseite, nur um mit mir zu feiern. Die Menschen hier sind großartig und sehr gute Wissenschaftler noch dazu. Ich bin zwar nicht zu Hause, aber das hier ist die beste Alternative, die ich mir vorstellen kann.

Wie ist es, so eng mit seiner Frau zusammenzuarbeiten? Hören sie jemals auf über Ihre gemeinsame Forschung zu diskutieren?

Nein, wir diskutieren nicht rund um die Uhr über unsere Forschung. Aber wir gehen eben keiner Tätigkeit nach, die von 8 Uhr bis 16 Uhr dauert. Wir reden dann über die Dinge, wenn es sich gerade anbietet. Das kann jederzeit sein. Aber es gibt selbstverständlich Zeiten, da reden wir nicht über Wissenschaft. Wir haben unseren ganz eigenen Rhythmus entwickelt.

Aber es stimmt, dass eine ihrer Töchter erzählt hat, dass Sie ihr Labor als ihr drittes Kind bezeichnen?

In gewisser Weise stimmt das. Wir haben das Labor mit eigenen Händen aufgebaut. Als wir 1996 unsere Stellen in Trondheim bekamen, war alles, was wir hatten, ein leerer Raum im Keller. Es gab nichts. Die Neurowissenschaften waren damals an unserem Institut nicht einmal vertreten. Aber mit der Zeit wurde das Labor größer und größer. Heute ist es ein großes Institut mit vielen Arbeitsgruppen. Wir hängen wirklich daran. In diesem Sinne kann man das Labor wohl als unser drittes Kind bezeichnen.

Wie kann Ihre Forschung in der modernen Medizin Anwendung finden?

Was wir machen, ist Grundlagenforschung. Deswegen wissen wir nicht zwangsläufig, wie potenzielle Anwendungen aussehen werden. Aber es gibt natürlich naheliegende Anwendungsgebiete: Ein Beispiel ist Alzheimer. Die Krankheit beginnt in derselben Hirnregion, in der auch die Zellen auftreten, die wir entdeckt haben und die so wichtig für die Orientierung sind. Deswegen verirren sich im Frühstadium von Alzheimer Patienten wahrscheinlich so häufig.

Es ist wichtig zu verstehen, wie die Zellen in diesem Hirnareal funktionieren, um Alzheimer früh diagnostizieren zu können. Wir müssen begreifen, was schief läuft, damit wir die Krankheit am Ende behandeln können.

Wir müssen verstehen, wie das Gehirn im Allgemeinen funktioniert. Dann können wir - auf lange Sicht - Prinzipien entdecken, die für bestimmte Hirnerkrankungen ausschlaggebend sind.

Wissen Sie schon, wie Sie das Geld für den Nobelpreis investieren?

Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung. Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich weiß nicht einmal, wie viel es ist.

Das Gespräch führte Valentin Betz

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