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Nach dem Verbot des Moscheevereins Fussilet 33

"Moscheen sind nicht dafür da, Gewalt zu predigen"

Imame und führende Vertreter des Islam in Deutschland begrüßen das Vorgehen der deutschen Behörden gegen radikale Moscheevereine. Allerdings gibt es auch die Sorge, Muslime könnten unter Generalverdacht geraten.

Für Taha Sabri, den Imam der Berliner Dar al-Salam-Moschee, ist die Sache klar: Wenn eine Moschee nachweislich radikales Gedankengut verbreite oder sie Gewalt fördere, müsse sie geschlossen werden. Das sei "selbstverständlich", erklärt er. Darum sei auch das Vorgehen der Behörden gegen den Berliner Moscheeverein Fussilet 33 absolut angemessen und nachvollziehbar: "Jeder, der eine solche Ideologie verbreitet, oder der Gewalt fördert, kann in Deutschland nicht willkommen sein, gleichgültig, ob es sich um inländische Extremisten handelt oder um eine Institution, die Spionage für ausländische Dienste betreibt. Kein Staat kann so etwas zulassen." Dieser Ansicht seien auch die allermeisten Muslime. Angst, dass sich radikalislamistisches Gedankengut in Deutschland durchsetzen könne, habe er darum nicht, versichert Sabri der DW.

Wie Sabri haben auch sehr viele andere Muslime die Razzia gegen den Moscheeverein Fussilet 33 und 24 weitere mit ihr in Verbindung stehende Objekte positiv aufgenommen. Es handele sich um einen Akt des Rechtsstaats, sagt Taha Sabri: "Und dieser Rechtsstaat steht für Meinungsfreiheit und fördert weltanschauliche Vielfalt. Hier kann jeder glauben, was er will, solange er die deutschen Gesetze respektiert."

Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland äußerte sich positiv: "Wer für den IS rekrutiert oder Extremismus Vorschub leistet, kann sich weder auf die Religionsfreiheit noch auf den Islam berufen", erklärte der Vorsitzende des Zentralrats, Aiman Mazyek, gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er begrüße daher die Aktion.  

Deutschland - Aiman Mazyek, Vorsitzender Zentralrat Muslime (picture-alliance/NurPhoto/E. Contini)

Begrüßt das Verbot des radikalen Berliner Moscheevereins Fussilet 33: Der Vorsitzende der Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek

Orte des Gebets - und nichts sonst

Den Schritt der Behörden gegen Fussilet 33 begrüßt auch Mubarak Kutna, Imam in Frankfurt. "Moscheen sind Orte des Gebets", so Kutna im Gespräch mit der DW. Sollten einige Gotteshäuser darum Verbindungen zu terroristischen Gruppen haben, müssen sie geschlossen werden. "Das ist vollkommen logisch. Moscheen sind dazu da, den Menschen eine Gelegenheit zur Andacht zu geben, nicht aber, um Gewalt zu predigen oder ausländische Dienste zu unterstützen." Er fürchte allerdings, die Schließung der Moschee könne zu einem Generalverdacht gegen Muslime in Deutschland führen, sagt Kutna. 

Eine Moschee nur darum zu schließen, weil Terroristen sie betreten könnten, hält der Frankfurter Imam allerdings nicht für angemessen. Denn das könnte darauf hinauslaufen, vorbeugend viele Moscheen und religiöse Einrichtungen zu schließen. "Es ist für die Moscheemitglieder selbst nicht einfach, nachzuvollziehen, wer ihr Haus aus welchen Gründen betritt. Das gilt insbesondere für jene Moscheen, die von vielen Menschen aufgesucht werden." 

Schwierigkeiten umfassender Überwachung

Es sei zu erwarten, "dass sich betreffende Mitglieder ins Private zurückziehen oder in eine andere Moschee gehen", sagt die Leiterin der Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, Susanne Schröter, im DW-Interview. "Es ist immer eine Art Katz-und-Maus-Spiel, das kann man nicht verhindern". Das sei aber nicht zwingend ein Argument gegen das Vorgehen der Sicherheitsorgane. 

Allerdings sei es schwierig, sämtliche Moscheevereine zu überwachen, sagt der Islamwissenschaftler Ralf Ghadban. Es gebe in Deutschland über 3.000 Moscheen. Die könne der Staat unmöglich alle beobachten. Darum konzentriere er sich auf die, von denen er wisse, dass sie mit extremistischen Organisationen oder ausländischen Diensten zusammenarbeiteten.

Ein überwiegend traditioneller Islam

Ghadban glaubt, dass solche Schritte zu einem Generalverdacht gegenüber allen Muslimen führten. In Berlin hätte ein Drittel aller Moscheen eine salafistische Ausrichtung, zitiert er eine vor zwei Jahren erschienene Studie. Ein bedeutender Anteil habe sich dem politischen Islam verschrieben. Das heiße aber nicht, dass diese Moscheen auf Gewalt setzten.

Die übrigen Moscheen pflegten hingegen einen traditionellen Islam, in dem sich die Gläubigen nur zum Gebet treffen. Die geschlossenen Moscheen machten darum nur einen sehr kleinen Teil der religiösen Einrichtungen in Deutschland aus.

Deutschland Razzia bei Moschee-Verein Fussilet 33 in Berlin (Reuters/F. Bensch)

Der Attentäter von Berlin, Anis Amri, soll regelmäßig in der Fussilet-Moschee verkehrt haben

Eben darum ist Ghadban auch hinsichtlich der Zusammenarbeit deutscher Behörden und der Moscheevereine im Kampf gegen den radikalen Islam skeptisch. Darüber werde seit Jahren diskutiert, auch sei das Thema Gegenstand der Islamkonferenz gewesen. Das Problem sei aber, dass viele Moscheen gar keine Beziehung zu den auf der Islamkonferenz vertretenen Verbänden hätten - insbesondere solche Gotteshäuser nicht, die aus dem Ausland finanziert würden. 

Kooperation gegen Extremismus ausbaufähig

Viele Moscheen seien durchaus bereit, mit den deutschen Behörden zusammenzuarbeiten, sagt Taha Sabri. Allerdings verfügten sie kaum über entsprechende Möglichkeiten. Es gebe zudem ein weiteres Problem: "Der Islam ist in Deutschland keine gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaft. Darum behandelt man uns als religiöse Gruppe - und nicht als religiöse Institution." Eine rechtliche Anerkennung des Islam würde auch zu mehr Unterstützung seitens der Moscheen führen, meint Sabri. "Dann würde es mehr Initiativen geben, die den Extremismus bekämpfen und mit den deutschen Behörden zusammenarbeiten könnten."

Dies könnte jedoch dauern. Denn bisher gibt es, anders als bei den christlichen Kirchen, keine Institution, die glaubhaft beanspruchen könnte, für die Gesamtheit oder zumindest eine deutliche Mehrheit der Muslime in Deutschland zu sprechen. Unter anderem an dieser Frage scheitert bisher auch die rechtliche Anerkennung.