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Kultur

Moschee auf Rädern

Viele Deutsche verbinden mit dem Islam Terror, Fanatismus und Frauenunterdrückung. Um dieses Bild zu korrigieren, zieht eine Gruppe von Muslimen mit ihrem "Islamobil" durch Deutschland.

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In Deutschland herrscht im Allgemeinen ein negatives Bild vom Islam

Der Marktplatz in Hanau, eine kleinen Stadt in der Nähe von Frankfurt am Main. Es ist ein sonniger Freitagmittag und eine friedliche Atmosphäre liegt über dem Platz. Schräg gegenüber dem Historischen Rathaus steht ein Lastwagen mit einem Sattelschlepper. An der Seite des vierzehn Meter langen und zwei Meter breiten Gefährts ist eine Bühne ausgeklappt. Aus den aufgestellten Boxen erklingt orientalische Musik. Auf dem Dach des Sattelschleppers sind eine Kuppel und zwei Minarette angebracht. Die Seiten sind mit Säulen und Bögen bemalt. Daneben der Schriftzug "Islamobil".

Das Islamobil ist eine Art fahrende Moschee, die den Bürgern Informationen über den Islam vermitteln möchte. Die Idee dazu hatte eine Gruppe von Muslimen bereits vor mehreren Jahren in der Kleinstadt Brühl bei Köln. Zu ihnen gehört auch Gülüzar Keskin: "Anfang 2001 sind uns die konkreten Ideen dazu gekommen. Und ein paar junge Männer und Frauen haben sich dann zusammengesetzt und haben sich entschlossen, diese Idee auch zu konkretisieren und einen Verein zu gründen, der in erster Linie das Ziel und den Zweck hat, über den Islam zu informieren und den Islam darzustellen", erklärt Keskin. Man habe sich überlegt, eine mobile Moschee zu entwerfen und damit in ganz Deutschland herumzureisen - und je nach Bedarf an Ort und Stelle über den Islam aufzuklären und zu informieren.

Grundprinzipien für die Muslime

Muslime in Deutschland p178

Vor dem Betreten der Moschee muss man sich die Schuhe ausziehen

Im Inneren des Islamobils herrscht eine kühle, angenehme Atmosphäre. An der Decke angebrachte Fluter spenden Licht. Einige Besucher verharren lesend vor den an den Wänden angebrachten Info-Tafeln, die über die Geschichte und die Grundlagen des Islam Auskunft geben. Andere beschäftigen sich mit den seitlich montierten kleinen Bildschirmen. Hier lassen sich per Fingerberührung Informationen über den Islam und auch der Gebetsruf abrufen, wie Tayyib Shamsuddin vom "Muslimischen Arbeitskreis Hanau" erläutert: "Das fängt damit an vorzustellen, was der Islam ist, was Islam heißt, was eigentlich die Grundprinzipien für die Muslime sind, bestehend aus Fasten, Beten und diesem und jenem."

An der hinteren Front des Raumes ist ein großer Flachbildschirm angebracht, der einen kurzen Film über die Bauarten und die Bedeutung von Moscheen für Muslime zeigt. Vor dem Bildschirm sind Stuhlreihen aufgebaut. Soeben hat sich eine Hanauer Schulklasse dort niedergelassen und schaut gespannt auf den Bildschirm. Die deutschen Schüler erfahren durch den Film zum Beispiel, wie oft Muslime am Tag beten, wie eine klassische Moschee gebaut ist, und dass man sich vor dem Betreten - anders als in Kirchen - die Schuhe ausziehen muss. Die Schüler sind von dem Islamobil sehr angetan: "Ich finde das sehr gut. Denn die gehen damit in die Öffentlichkeit und auf die Leute zu. In der Schule reden wir auch darüber, wir haben ja einen hohen Ausländeranteil, besonders Türken." Und auch erwachsene Besucher sind beeindruckt. Eine schon etwas ältere deutsche Dame äußert sich: "Ich finde das schon sehr gut, auch die Fragen über die sozialen Bereiche, wie Familie und Frauen und so. Da sind schon einige Informationen drin, die ich in dieser Form noch nicht hatte, und das finde ich interessant."

Der Weg zu den Gotteshäusern

Unterricht türkische Schülerinnen mit Kopftuch im Schulzentrum in Bremen

In vielen deutschen Schulen ist der Anteil der türkischen Schüler sehr groß

Ziel der Initiatoren ist es, so Gülüzar Keskin vom Islamobil-Verein, nicht darauf zu warten, dass Nicht-Muslime den oft nicht als ganz einfach empfundenen Weg zu den Muslimen und ihren Gotteshäusern finden. Stattdessen machen sich die Muslime in Deutschland mit dem Islamobil selbst auf den Weg, wollen die Menschen in ihren Wohnvierteln über den Islam informieren. Daher die Idee, mit einer Art "rollenden Moschee" durch die Städte zu touren.

Schätzungsweise 250.000 Euro hat das Islamobil gekostet. Hinzu kommen monatliche Wartungskosten. Doch für Gülüzar Keskin zeigt das positive Feedback der Besucher, dass sich die Investition gelohnt hat. "Viele Besucher haben uns auch schon gefragt, ob wir Adressen von Moscheen haben, die bei ihnen in der Nähe sind, und die wollen dann auch noch mehr Informationen über den Islam haben", freut sich Keskin.

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