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Afrika

Mosambiks Präsident liegt in Führung

Zum vierten Mal seit der Einführung des Mehrparteiensystems im Jahr 1992 haben die Mosambikaner ihren Präsidenten und ihre regionalen und nationalen Parlamente gewählt. Amtsinhaber Guebuza führt nach Teilergebnissen.

Er gab schon früh die Stimme ab: Präsident Armando Guebuza (Foto: AP)

Er gab schon früh die Stimme ab: Präsident Guebuza

Lange Menschenschlangen an den Wahllokalen in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo. Fast zehn Millionen Bürger waren am Mittwoch (28.10.2009) aufgerufen, 250 nationale, und 790 regionale Abgeordnete zu wählen. Vor allem aber stand der mächtige Staatspräsident zur Wahl.

Auch wenn Guebuza in Führung liegt - offizielle Wahlergebnissse liegen noch nicht vor. Ins Rennen gegangen waren mehrere Kandidaten: Amtsinhaber Armando Emílio Guebuza von der mächtigen Regierungspartei FRELIMO, Afonso Dlhakama – der ewige Zweite - von der ehemaligen Rebellenorganisation Renamo, und der 45jährige Bürgermeister von Beira, Daviz Simango, von der erst kürzlich gegründeten MDM-Partei, der Bewegung für ein Demokratisches Mosambik.

Wahlmüde Bürger

Anhänger der regierenden FRELIMO-Partei bei einer Kundgebung im Wahlkampf (Foto: AP)

Anhänger der regierenden FRELIMO-Partei bei einer Kundgebung im Wahlkampf

Viele Mosambikaner trieb diese Auswahl diesmal zu den Wahlurnen, nachdem in der Vergangenheit die Wahlbeteiligung immer mehr abgenommen hatte. Bei den letzten Wahlen hatten nur noch etwas mehr als ein Drittel der Bürger abgestimmt. "Es ist ein Festtag für uns Mosambikaner, ein Tag, an dem wir unser Verantwortungsbewusstsein als Bürger unter Beweis stellen können", sagte ein Wähler.

Eine weibliche Wählerin erklärte: "Es ist wahr: Vor allem die jungen Leute hier sind frustriert. Aber ich glaube, sie sind bereit die Zügel in die Hand zu nehmen und das Land zu ändern. Denn sie wissen: Falls sie es nicht tun, wird sich nichts ändern."

Ein anderer Wähler klagte über das Problem der Arbeitslosigkeit: "Mir ist egal, ob Guebuza gewinnt oder ob Simango gewinnt: Hauptsache ich bekomme bald eine Arbeit."

In Mafalala, dem größten Armenviertel Maputos, herrscht Frust, vor allem bei der Jugend, weil ihre Chancen auf einen Job immer geringer werden. Dies – so heißt es hier – gelte vor allem, wenn man keinen mächtigen Fürsprecher in der allgegenwärtigen FRELIMO-Partei hat.

Viele Wahlbeobachter unterwegs

Dass diese Wahlen nicht manipuliert werden, dafür sollten fast 2000 Wahlbeobachter und 874 Journalisten aus dem In- und Ausland sorgen. Im Auftrag der Europäischen Union waren am Wahltag 131 Inspektoren unterwegs in Mosambik - einem riesigen Flächenstaat mit fast 700, teilweise weit abgelegenen, Wahllokalen.

Fiona Hall, britische liberale Eu-Parlamentsabgeordnete und Chefin der EU-Wahlbeobachtermission hat ihren endgültigen Bericht noch nicht vorgelegt. Ihr erster Eindruck ist aber positiv: "Die Informationen, die mir von unseren 131 Inspektoren aus dem ganzen Land geschickt wurden, lassen mich sehr zufrieden sein: 98 Prozent der Wahllokale haben pünktlich eröffnet." Praktisch überall habe eine ruhige, friedliche und geordnete Atmosphäre geherrscht.

Zweifel an der Fairness

Präsident Guebuza begrüßt einen traditionellen Tänzer bei einer Kundgebung in der Provinz (Foto: AP) Nampula (Foto: AP)

Präsident Guebuza begrüßt einen traditionellen Tänzer bei einer Kundgebung in der Provinz Nampula

Faire und freie Wahlen – viele Mosambikaner zweifeln daran: In den vergangenen Jahren haben Präsident Guebuza und seine FRELIMO immer mehr Macht an sich gerissen. Die FRELIMO war früher marxistisch orientiert, verfolgt aber inzwischen einen wirtschafts-liberalen Kurs. Sie regiert das Land seit der Unabhängigkeit im Jahr 1975. Zu ungleich waren im Wahlkampf die Mittel zwischen Regierung und der Opposition verteilt. Immer wieder wurden die Oppositionsparteien und ihre Anhänger unter Druck gesetzt.

Präsidentschaftskandidat Daviz Simango, von der Bewegung für ein Demokratisches Mosambik MDM, zeigte sich dennoch optimistisch: "Denken wir an die biblische Geschichte von David gegen Goliath. Die FRELIMO ist nicht unbezwingbar! Im Gegenteil: Die FRELIMO ist ein Riese der Schwäche zeigt." Aus Angst habe sie dafür gesorgt, dass die MDM in den meisten Wahldistrikten von den Parlamentswahlen ausgeschlossen worden sei. "So etwas nennt man Wahlbetrug", klagte Simango. Mit dem offiziellen Endergebnis der Wahlen in Mosambik wird in knapp zwei Wochen gerechnet.

Autor: António Cascais

Redaktion: Reinhard Kleber/Hajo Felten

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