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Afrika

Mosambiks Präsident auf Werbetour in Berlin

In Mosambik wächst die Angst vor einem neuen Bürgerkrieg. Korruptions- und Finanzskandale erschüttern die Glaubwürdigkeit des ostafrikanischen Landes. Bei seinem Besuch in Berlin demonstriert Präsident Nyusi Optimismus.

Es ist der erste Termin auf seiner Europa-Tour: In Berlin will Mosambiks Präsident Filipe Nyusi vor allem die Ängste vor einem neuen Bürgerkrieg in seinem Land zerstreuen - nicht nur in der deutschen Politik, sondern auch bei den Unternehmen. Denn die sollen künftig mehr investieren in dem ostafrikanischen Küstenstaat. Kräftig rührt Nyusi deshalb die Werbetrommel. "In Mosambik gibt es fast alles: Fruchtbares Land für die Produktion von Lebensmitteln, viele Bodenschätze und ein großes Potenzial für den Ausbau der Tourismusindustrie", sagt er im Exklusivinterview mit der DW. Deutschland habe die notwendige Technologie, das Knowhow und das Kapital, um auf dem mosambikanischen Markt erfolgreich zu sein. Das, so Nyusi, habe er auch im Gespräch mit Kanzlerin Merkel betont.

Deren Worte klingen weitaus weniger euphorisch. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz erinnert Merkel daran, dass es in Mosambik "schwierige Entwicklungen" gebe. Konkret spricht die Kanzlerin die schlechte Wirtschaftslage an und die Dürre, die in Teilen des Landes herrscht. 1,5 Millionen Menschen müssten hungern oder seien vom Hunger bedroht, so Merkel. Deshalb habe Deutschland die humanitäre Hilfe bereits ausgebaut. Es gebe deutsche Projekte in den Bereichen Energieversorgung, im Klima- und Hochwasserschutz.

Mosambik Präsident Afilipe Nyusi im DW-Interview (Foto: DW)

Will mehr Investitionen aus Deutschland: Filipe Nyusi im DW-Interview

Angst vor neuer Gewalt

Die größten Sorgen macht der deutschen Regierung allerdings die politische Lage in dem 26-Millionen-Einwohner-Land. Der Konflikt zwischen der Regierung und der größten Oppositionspartei des Landes, der RENAMO, war im vergangenen Jahr wieder aufgeflammt. Politische Morde, Plünderungen und willkürliche Landnahme gehören fast schon zum Alltag in Mosambik. Etwa 12.000 Menschen sind bereits ins Nachbarland Malawi geflohen. Die Regierungspartei FRELIMO und Aufständische der RENAMO geben sich gegenseitig die Schuld.

"Der Präsident hat eine Vielzahl von Versöhnungsbemühungen unternommen", sagt die Kanzlerin. "Wir haben darüber gesprochen. Sie sind alle gescheitert und es gibt jetzt bewaffnete Auseinandersetzungen. Es muss alles getan werden, damit wir wieder zu einer friedlichen Entwicklung kommen". Diplomatische Worte, aber doch eine deutliche Botschaft: Löst den Konflikt, sorgt für Sicherheit.

Im Gespräch mit der DW gibt Nyusi zwar zu, dass es in seinem Land derzeit nicht überall friedlich zugehe: Im Zentrum gebe es immer wieder bewaffnete Angriffe auf Zivilisten. Straßen und Brücken würden zerstört. Und ja: das sei nicht gut für die Stabilität Mosambiks. Die ausländischen Investoren bräuchten Frieden und Sicherheit. Die Verantwortung aber weist Nyusi auch in Berlin weit von sich. Die Opposition habe das Ergebnis der Wahlen im Oktober 2014 nicht anerkannt, so der Staatschef. Sie versuche jetzt mit Waffengewalt an die Macht zu kommen.

Mosambik Beira Sicherheitskräfte verhaften Renamo Anhänger (Foto: epa)

Neue Konflikte, neue Gewalt: Polizisten verhaften RENAMO-Anhänger in der Stadt Beira

Das Ende des Wirtschaftsbooms

Mosambik war in den vergangenen Jahren eines der Länder Afrikas, die wirtschaftlich am stärksten gewachsen sind. Das lag vor allem am Kohle-Boom und an den riesigen Gasvorkommen im Norden. Investitionen in Milliardenhöhe sind ins Land geflossen. Auch die deutsche Wirtschaft hat sich Hoffnungen gemacht und sich am Boom beteiligt: Der Siemens-Konzern etwa baut eine Eisenbahnlinie von Tete im Nordwesten, wo die größten Kohlevorkommen liegen, bis an den Hafen von Nacala im Osten.

Doch der Boom ist vorbei: Das Land steckt in einer Währungskrise, wirtschaftlich drohen schwere Zeiten. Das liegt zum einen am bewaffneten Konflikt, vor allem aber an den gesunkenen Rohstoffpreisen, die den Abbau der Kohle in Tete teilweise unrentabel machen. Große internationale Unternehmen wie Rio Tinto haben sich bereits zurückgezogen und damit mehrere Milliarden an Investitionen.

Korruption: Die verschwundenen Millionen

Traditionell hängt Mosambik von Zuwendungen aus dem Ausland ab. Zu den wichtigsten Gebern gehören die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, Japan und die USA. Dazu kommen die Programme des Internationalen Währungsfonds. Lange galt Mosambik als Musterland in der Entwicklungszusammenarbeit. Doch dieses Image hat in den vergangenen Monaten sehr gelitten. Die Staatsfinanzen sind notorisch im Ungleichgewicht. Vor allem der sogenannte "Thunfisch-Skandal" hat die Beziehungen zwischen der Regierung und den internationalen Gebern schwer belastet.

Afrika Mosambik Hafen Beira (Foto: Johannes Beck/DW)

Skandal und fehlende Einnahmen: Mosambiks Fischerei steckt in der Krise

Erst in dieser Woche sagte der IWF eine geplante Sitzung in Maputo ab. Der mosambikanische Regierungschef, Carlos Agostinho do Rosário, reiste daraufhin eilig nach Washington, um in der IWF-Zentrale für Schadensbegrenzung zu sorgen.

Was war passiert? Nicht weniger als 850 Millionen Dollar sind in ein Projekt des staatlichen Fischerei-Unternehmens Empresa Moçambicana de Atum (EMATUM) geflossen. Die Gelder stammten aus Krediten, die die Schweizer Credit Suisse und die russische VTB-Bank 2014 für den Ankauf einer Flotte von Fischerbooten gewährt hatten. Mosambik gab als Versicherung eine Staatsgarantie ab.

Die Projektbetreiber setzten die Kreditgelder allerdings nicht nur für den Aufbau einer Thunfisch-Flotte ein, sondern finanzierten von Beginn an auch Schiffe, die für militärische Zwecke genutzt werden. Letztlich wurden für 635 Millionen Euro lediglich 18 Fischerboote angeschafft. Die restlichen 215 Millionen Dollar sind verschwunden - versickert, so die Vorwürfe der Opposition, in den Taschen von hohen Politikern, Geschäftsleuten und Geheimdienstlern.

Leere Staatskasse, schwache Währung

Auch deshalb hat die Fischerei ihre geplanten Einnahmen nicht erzielt. Ursprünglich war pro Jahr mit einem Ertrag von 200.000 Tonnen Thunfisch gerechnet worden. Gefangen wurden jedoch gerade einmal 6000 Tonnen. Die Firma EMATUM machte allein 2014 rund 25 Millionen Dollar Verlust - obwohl sie bis 2020 260 Millionen Dollar an Krediten zurückzahlen muss. Die Opposition verlangte kürzlich die Festnahme von Armando Guebuza. Der Ex-Präsident und politische Ziehvater von Amtsinhaber Nyusi hatte den EMATUM-Deal unterzeichnet.

"Für die Fantasien der damals Verantwortlichen müssen am Ende die Mosambikaner aufkommen", sagt der Wirtschaftswissenschafter Ragendra de Sousa. Die Auswirkungen würden die Bürger jetzt schon spüren. "Unsere Währung, der Metical, verliert zusehends an Wert. Die Preise der notwendigsten Konsumgüter steigen. Einige Betriebe mussten bereits schließen, weil dringend notwendige Rohstoffe nicht angeschafft werden können. Unter diesen Umständen ziehen sich mögliche Investoren aus Mosambik zurück."

Mit über 40 Wirtschaftsvertretern war Nyusi nach Berlin gereist. Ob er allerdings Zusagen mit nach Hause nehmen kann, wurde nicht bekannt. Seine nächste Station heißt jetzt Brüssel. Dort will sich Nyusi unter anderem mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk treffen.

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