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Afrika

Mosambik: Tausende fliehen vor Willkür und Gewalt

11.500 Mosambikaner sind seit Dezember nach Malawi geflohen. In Mosambik machen sich die FRELIMO-Regierung und die RENAMO-Opposition gegenseitig für die Gewalt im Zentrum des Landes verantwortlich.

Sie halten es in Heimat nicht mehr aus: Jeden Tag suchen rund 250 Menschen aus der mosambikanischen Provinz Tete Zuflucht im malawischen Ort Kapise, so das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder.

"Die Menschen fliehen vor den mosambikanischen Regierungstruppen", sagt Afonso Dhlakama im Exklusivinterview mit der DW. Der ehemalige Rebellenführer und Präsident der größten Oppositionspartei RENAMO hat sich zurzeit "aus Sicherheitsgründen" wieder einmal in den Untergrund zurückgezogen, irgendwo in die Gegend von Gorongosa, in der mittelmosambikanischen Provinz Sofala, eine der RENAMO-Hochburgen.

RENAMO-Führer Afonso Dhlakama (Foto: António Cascais)

RENAMO-Führer Afonso Dhlakama

In einem seiner seltenen Telefoninterviews sagt Dhlakama immer wieder, dass allein die Regierung für das Flüchtlingsdrama verantwortlich sei: Die FRELIMO-Regierung verübe Grausamkeiten in den Gebieten, in denen seine RENAMO-Partei bei den letzten Wahlen die meisten Stimmen erhielten: "Die Regierungstruppen rächen sich an der Zivilbevölkerung, weil sie uns unterstützt."

Ein alter Konflikt eskaliert erneut

Die RENAMO und die regierende FRELIMO waren die Hauptkriegsparteien in dem von 1975 bis 1992 andauernden mosambikanischen Bürgerkrieg mit zehntausenden Toten. Nach Abschluss des Friedensvertrags von Rom galt Mosambik zwei Jahrzehnte lang als Musterland für die Überwindung bewaffneter Konflikte. 2013 brach die Gewalt zwischen beiden Parteien erneut aus. Nach einem erneuten Friedensabkommen und einer relativ friedlichen Phase rund um die Wahlen 2014 verschärfte sich der Konflikt im vergangenen Jahr wieder.

Nun droht die Situation zu eskalieren: Die FRELIMO habe Anfang des Jahres Militärausbilder aus Nordkorea angeheuert, behauptet Dhlakama. "Sie haben in der Hauptstadt Maputo eine Todesschwadron aufgestellt, die die politischen Gegner im Zentrum und Norden des Landes verfolgen und verschwinden lassen soll. Sie wollen mit aller Macht verhindern, dass die RENAMO die Macht übernimmt."

Karte Mosambik Malawi

Vor allem aus der mosambikanischen Provinz Tete fliehen die Menschen nach Malawi

Im Interview mit der DW bekräftigt der RENAMO-Führer seine kurzfristigen Ziele: Er wolle noch im Laufe des Monats März "nach und nach, Verwaltungseinheit für Verwaltungseinheit, die politische Macht übernehmen" - und zwar in allen sechs Provinzen, in denen seine Partei bei den Wahlen im Oktober 2014 die Stimmenmehrheit errungen hat: in Manica, Sofala, Tete, Zambezia, Nampula und Niassa. Laut Verfassung werden die Provinzgouverneure nicht gewählt, sondern vom mosambikanischen Präsidenten bestimmt - und der ist Dhlakamas größter Widersacher.

FRELIMO: Opposition ist für Gewalt verantwortlich

Die FRELIMO-Regierung von Präsident Filipe Nyusi macht im Gegenzug die Opposition für die Gewalt im Lande verantwortlich. "Die Unruhen gehen von den bewaffneten Männern der RENAMO aus", sagt Sérgio Pantie, Vize-Chef der FRELIMO-Fraktion, in einer Fragestunde des mosambikanischen Parlaments. "Die RENAMO-Banditen begehen Morde, sie zünden Fahrzeuge an, sie plündern. Unsere Justiz muss mit aller Härte des Gesetzes gegen diese Kriminellen vorgehen."

Mosambiks Präsident Filipe Nyusi (Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Mosambiks Präsident Filipe Nyusi

Über Monate hinweg wurde in der Hauptstadt das Flüchtlingsproblem verdrängt. Zu Beginn der Krise, im Dezember 2015, behauptete die mosambikanische Regierung zunächst, die Flüchtlinge seien "keine echten Mosambikaner", sondern verkappte Malawier. Außerdem würden sie gar nicht verfolgt. Erst kürzlich ruderte die Regierung etwas zurück.

In der mosambikanischen Provinz Tete herrsche Ruhe, behauptet auch Joaquim Veríssimo im DW-Gespräch. Der Vize-Justizminister ist gleichzeitig Chef einer Untersuchungskommission der Regierung, die in der vergangenen Woche die Provinz Tete besuchte. "In den betroffenen Gebieten herrscht Recht und Ordnung, dank der Arbeit unserer Sicherheitskräfte. Wenn es Angst gibt, dann vor den bewaffneten Männern der RENAMO."

Katastrophale Bedingungen in malawischen Flüchtlingslagern

Derweil ist das improvisierte Flüchtlingslager in dem malawischen Ort Kapise, nur fünf Kilometer von der mosambikanischen Grenze entfernt, nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen komplett überfüllt. Die Menschen lebten dort "unter völlig ungenügenden Bedingungen, die die humanitären Mindeststandards bei weitem verfehlen", so die Hilfsorganisation. Normalerweise lebten in Kapise rund 150 Familien, inzwischen seien mehr als 2000 Familien aus Mosambik dazugekommen.

Nun haben sich die Behörden in Malawi damit einverstanden erklärt, das vor fast zehn Jahren geschlossene Flüchtlingslager in Luwani, etwa 65 Kilometer von der Grenze zu Mosambik entfernt, wieder zu öffnen. Dort könne man den mosambikanischen Flüchtlingen eine bessere Betreuung bieten. Schon während des mosambikanischen Bürgerkriegs hatten Tausende Zuflucht im Luwani-Camp gefunden.

Flüchtlingslager in Kapise, Malawi (Foto: HRW)

Der kleine Ort Kapise ist mit den vielen Flüchtlingen völlig überfordert

Wer trägt die Schuld daran, dass heute wieder Mosambikaner in das Nachbarland Malawi fliehen müssen? Im Interview mit der DW kann Kelvin Shimoh, Mitarbeiter des UNHCR in Malawi, nur wiedergeben, was er tagtäglich von den ankommenden Flüchtlingen zu hören bekommt: "Sie erzählen uns, dass sie vor den Regierungstruppen fliehen, die sie misshandelten. Sie sagen, die Soldaten kämen in ihre Dörfer und fragten nach bewaffneten Anhängern der RENAMO. Und wenn sie keine Informationen weitergeben, würden sie geschlagen."

Mitarbeit: Nádia Issufo, Leonel Matias, Amós Zacarias, Cristina Krippahl

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