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Afrika

Mosambik nach den Hungerrevolten

Brennende Autos, fliegende Steine, geplünderte Läden: Die Bilder der Proteste in Mosambik in den ersten Septembertagen sind um die Welt gegangen. Die Polizei griff hart durch. 13 Menschen starben. Und heute?

Unruhen in Maputo (Bild: AP)

Die Bilder der Unruhen bleiben im Gedächtnis

Im Mercado Municipal, der alten Markthalle im Herzen Maputos, ist wieder der Alltag eingekehrt. Auf den Ständen stapeln sich Obst und Gemüse, frischer Fisch, allerlei Haushaltswaren. Frauen feilschen mit den Händlern um die Preise, nutzen den täglichen Einkauf für ein kurzes Gespräch. Noch immer beschäftigt die Menschen, was erst vor wenigen Wochen geschah. Der Grund für die gewalttätigen Proteste: Die Preise waren erhöht worden, vor allem für Brot. Auch der Markt war für kurze Zeit geschlossen worden, aus Angst vor Plünderungen.

"Es ist schwer zu sagen, ob die Proteste noch einmal aufflammen werden", sagt Gemüsehändler Domingos Eduardo Watte. "Wenn die Menschen Hunger haben, dann sind sie zu allem fähig und kaum noch berechenbar." Der 56-Jährige stützt sich auf seinem Stand ab, auf dem in Plastiktüten sauber abgepackt Bohnen, Tomaten, Knoblauch und andere Lebensmittel liegen. Die meisten Produkte kommen aus Südafrika. Dadurch seien sie teurer, erklärt Watte. Man sollte mehr in Mosambik anbauen, statt aus Südafrika Lebensmittel zu importieren, fordert er. "Unsere Böden sind fruchtbar. Eigentlich sollten wir doch genug Mais, Kartoffeln und Reis selbst anbauen können. Aber momentan bleibt uns nichts anderes übrig, als alles einzuführen."

Schlechte Infrastruktur

Mais (Bild: Leonie March)

Importgut: Mais

Die Abhängigkeit von Importen ist ein Problem, das auch die mosambikanische Regierung umtreibt. Nach den Protesten rief sie die heimischen Landwirte dazu auf, mehr anzubauen. Doch ein Appell allein reicht nicht, kritisiert Eduardo Costa, Programmdirektor der internationalen Nichtregierungsorganisation "Action Aid" in Mosambik, die für die Armutsbekämpfung eintritt. "Es ist eine Schande, dass ich als Mosambikaner auf dem Markt südafrikanische Lebensmittel kaufen muss, während meine Mutter auf dem Land zwar genug anbaut, aber Probleme hat, ihre Ernte zu verkaufen", sagt er. Costa macht die schlechte Infrastruktur für die aktuelle Situation verantwortlich. "Der Aufruf zu einer Steigerung der Produktion bringt gar nichts, wenn die Farmer ihr Obst und Gemüse nirgendwo lagern oder verkaufen können", sagt Costa.

Bauer in Mosambik. (Bild: Leonie March)

Vergebliche Ernte? Bauer in Mosambik.

Zahlen der Vereinten Nationen belegen: Mehr als 30 Prozent der im Land produzierten Lebensmittel kommen nicht bei den Verbrauchern an. Lagerung und Transport seien die größten Herausforderungen in dem noch von Kriegsfolgen gezeichneten Land, sagt Lola Castro, Direktorin des Welternährungsprogramms in Mosambik. Doch der Staat habe das Problem erkannt. Mittlerweile gebe es vielversprechende Initiativen der Regierung, sagt sie.

Wachstum und Entwicklung

Eduardo Costa, Programmdirektor von "Action Aid“, ist weniger zuversichtlich. Gut die Hälfte aller Mosambikaner lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die meisten erwirtschaften auf ihren Feldern gerade mal genug, um sich und ihre Familien durchzubringen, bearbeiten das Land noch mühsam per Hand. Für grundlegende Veränderungen sei ein politischer Kurswechsel nötig, betont Eduardo Costa, der jedoch sei nicht in Sicht. "In den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass die Regierung nur am Wirtschaftswachstum interessiert ist. Koste es, was es wolle", sagt er. Für die Regierung sei das gleichbedeutend mit Entwicklung. Natürlich stehe sie auch unter enormem Druck - unter anderem von der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds, gibt Costa zu. "Aber in Mosambik zeigt sich, dass die Rechnung nicht aufgeht: Wir gelten zwar als Musterstaat unter den Entwicklungsländern, unsere Wirtschaft wächst jedes Jahr, aber das Problem der Armut ist dadurch nicht gelöst worden." Im Gegenteil: Die Zahl der armen Menschen nehme zu und die Unterschiede zwischen Arm und Reich würden immer größer werden. "Einseitig auf Wachstum zu setzen, ist nicht der beste Weg, um unser Land zu entwickeln."

Autorin: Leonie March

Redaktion: Christine Harjes

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