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Kultur

Morgenmuffel oder Frühaufsteher?

Münchner Wissenschaftler hat Deutschlands erste Professur für Chronobiologie inne. Till Roenneberg versucht dem Geheimnis der inneren Uhr auf die Spur zu kommen.

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Langschläfer oder mit den Hühnern auf den Beinen? Für den Münchner Chronobiologen Till Roenneberg und seine Kollegen ist das keine Frage der Gewohnheit - eher der Gene. "Unser Zeittyp ist durch die Gene exakt definiert", sagt Roenneberg. Die einen, so genannte Lerchen, seien schon früh energiegeladen, spät abends aber zu nichts mehr zu gebrauchen. Und wer sich morgens nur schwer aus dem Bett quält, zähle eher zu den Eulen. "Das Spannende ist, dass sich dieses System der inneren Uhr quer durch die ganze Biologie zieht - es betrifft alle Lebewesen, von den Bakterien bis zum Menschen", sagt der 48-jährige Roenneberg, der sich in den 80er Jahren seine wissenschaftlichen Sporen an der Harvard University verdiente. Für ihn ist die Chronobiologie – die Biologie der inneren Zeitmessung der Zellen – vor allem ein interdisziplinäres Fachgebiet: "Nur hier treffen so unterschiedliche Fachbereiche wie Psychologie und Zoologie wirklich aufeinander."

Ein noch junges Forschungsgebiet

Deshalb, so Roennebergs Vermutung, habe es auch so lange gedauert bis zur ersten Professur für Chronobiologie, die er seit Ende Oktober an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität inne hat. Seine Position ist "bundesweit einzigartig" und auch in Europa gebe es kaum etwas Vergleichbares, schwärmt der Wissenschaftler. In den kommenden Semestern an der Universität München steht vor allem die Grundlagenforschung auf seinem Arbeitsplan. Damit ist die die Frage, was in den Molekülen und Genen von "Eulen" und "Lerchen" überhaupt vorgeht gemeint. Als erstes möchten der Forscher und seine Mitarbeiter herausfinden wie viele "Lerchen" und wie viele "Eulen" es in Deutschland überhaupt gibt. Dazu wollen sie eine groß angelegte Fragebogenaktion starten.

Wie tickt die eigene innere Uhr?

Was auf den ersten Blick nach Spaß aussieht, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Morgenmuffel oder Frühaufsteher wählen sich ihre Lebensgewohnheiten selten selbst, sie haben ihren Bio-Rhythmus in den Genen - und damit oft große Probleme. Gegen die jeweilige Vorbestimmung jedes einzelnen sei kein Kraut gewachsen, sagt Roenneberg. Deshalb dürfe man eine "genetische Disposition" nicht als Fehler ansehen. Vielmehr seien die Probleme ernst zu nehmen, die entstehen, wenn Menschen in ihrer Arbeit gegen ihre innere Uhr eingesetzt werden. Allein die daraus resultierenden gesundheitlichen Schäden seien enorm, daher brauche "das Feld eine anerkannte Plattform", erklärt der studierte Biologe. Schon als 17-jähriger Schüler hatte Till Roenneberg sein Interesse an der Chronobiologie entdeckt. Seit 1988 leitete er die Arbeitsgruppe Chronobiologie an der Medizinischen Fakultät in München.

Heute hat der Professor schon wieder neue Pläne. Ihm schwebt zum Beispiel vor, ein europäisches Zentrum für Chronobiologie zu gründen, in dem er die besten Köpfe dieses Fachgebiets aus ganz Europa versammeln kann.

Wie aber erkennt man nun seinen speziellen "Chronotypen"? "Ganz einfach. Wenn man nach mehreren freien Tagen ein paar Stunden später ins Bett geht und dafür auch später aufsteht, tendiert man eher zum Eulen-Dasein. Das Einschlafen ist bei uns nur von einem inneren Mechanismus bestimmt - für das Aufwachen aber brauchen wir meistens einen Wecker." Roenneberg selbst übrigens hält sich für eine "moderate Eule". Am liebsten würde er seine Schlafzeit auf die Stunden zwischen 02.00 Uhr und 10.00 Uhr morgens verlegen.

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