Mordwelle im brasilianischen Vitoria | Aktuell Amerika | DW | 07.02.2017
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Brasilien

Mordwelle im brasilianischen Vitoria

Seit vier Tagen gibt es in der brasilianischen Stadt Vitoria keine Polizeipatrouillen mehr. Die Beamten streiken. Die Folgen sind verheerend: Geplünderte Geschäfte, geschlossene Schulen und mindestens 70 Mordopfer.

Eigentlich ist es der brasilianischen Polizei untersagt, zu streiken. Die Beamten in der Hauptstadt des südbrasilianischen Bundesstaates Esprito Santo griffen deshalb zu einem Trick: Nicht sie selbst, sondern ihre Frauen und andere Familienmitglieder gingen in Vitoria auf die Straße. Seit vier Tagen blockieren sie die Ausfahrten der Reviere. So melden sich die Polizisten zwar zum Dienst, gaben aber an, aufgrund der Blockade die Reviere nicht verlassen zu können.

Geisterhafte Atmosphäre

Der Streik führte zum Zusammenbruch fast des gesamten öffentlichen Lebens. Seit Beginn der Blockade seien mindestens 70 Menschen Opfer von Gewaltverbrechen geworden, teilten die brasilianischen Behörden mit. Autobusse wurden angezündet und Passanten auf offener Straße überfallen. Inzwischen gleicht Vitoria Medienberichten zufolge einer Geisterstadt. Die brasilianische Tageszeitung "O Globo" veröffentlichte Bilder, die leere Straßen zeigen. Viele Banken, Schulen und Geschäfte wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen, nachdem Kriminelle zahlreiche Läden überfallen hatten.

Brasilien | 75 Morde in 4 Tagen - in Vitoria greift nun das Militär ein (picture-alliance/Estadao Conteudo/W. Junior)

In Vitorias Straßen haben Soldaten die Kontrolle übernommen

Auch im Gesundheitswesen sind die Folgen zu spüren. Während Brasilien sich aktuell dem schlimmsten Ausbruch einer Gelbfieber-Epidemie seit dem Jahr 2000 gegenübersieht, ist es für viele Einwohner Espirito Santos demnach nicht möglich, sich impfen zu lassen.

Militär statt Polizei

Der Grund für den Protest: Die Polizisten fordern Gehaltserhöhungen sowie die Auszahlung ihnen zustehender Sonderzahlungen. Die Beamten in Espirito Santo gelten als die landesweit schlechtbezahltesten. Seit sieben Jahren habe es keine Lohnanpassungen gegeben, sagten Vertreter der Presse.

Um das Chaos in dem Nachbarstaat von Rio de Janeiro zu bewältigen, entsandte die Zentralregierung 1200 Soldaten. Die Truppen sollten vor Ort bleiben, bis sich die Situation normalisiert habe, teilte Verteidigungsminister Raul Jungmann mit. "Wir sind verpflichtet, Normalität, Ordnung, Frieden und Ruhe in Vitoria herzustellen und dort, wo es sonst nötig ist", erklärte der Politiker. Die Spezialeinheit hatte in den vergangenen Tagen erst in dem nordbrasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Norte für Ordnung gesorgt. Dort hatten Drogenbanden aus den Gefängnissen heraus Angriffe auf öffentliche Gebäude angeordnet.

nin/fab (dpa, ape, kna)