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Europa

Mordversuch an Mohammed-Karikaturisten

Ein mit Messer und Axt bewaffneter Mann hat nach Polizeiangaben einen Mordversuch auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten Westergaard verübt. Der Angreifer soll Verbindungen zu islamistischen Terroristen gehabt haben.

Kurt Westergaard im Jahr 2005 (Foto: dpa)

Ein Leben unter Polizeischutz: Kurt Westergaard (Archivfoto)

Der mutmaßliche Islamist aus Somalia sei mit einer Axt und einem Messer bewaffnet in das Haus von Kurt Westergaard im westdänischen Aarhus eingedrungen, berichtete ein Sprecher der Polizei am frühen Samstagmorgen (02.01.2010). Der wegen seiner Karikaturen des Propheten Mohammed bekannte dänische Zeichner habe sich in ein sicheres Zimmer - ein als "Panikraum" umgebautes Bad - flüchten können und von dort die Polizei verständigt.

Eindringling von Polizei angeschossen

Polizisten am Haus Westergaards im westdänischen Aarhus (Foto: dpa)

Polizisten riegelten das Haus Westergaards nach dem Angriff ab

Die herbeigerufenen Polizisten konnten den 28-jährigen Angreifer mit Schüssen in Bein und Arm stoppen. Zuvor hatte der Mann den Angaben zufolge seine Axt nach einem Polizisten geworfen. Die Wunden des Somaliers seien nicht lebensbedrohlich, hieß es.

Nach dem Vorfall vom späten Freitagabend sagte der unverletzt gebliebene 74-jährige Westergaard der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau, der Angreifer habe versucht, die Tür zu dem Sicherheitsraum einzuschlagen. Dabei habe er in gebrochenem Dänisch unter anderem "Rache" und "Blut" geschrien. Zum Zeitpunkt des Angriffs habe sich auch seine fünfjährige Enkelin in dem Haus befunden, sagte Westergaard. Der Karikaturist wurde noch in der Nacht an einen sicheren Ort gebracht.

Geheimdienst: Enge Verbindung zu El Kaida

Der von der Polizei überwältigte Eindringling sei zunächst ins Krankenhaus gebracht worden, teilten die Behörden mit. Gegen ihn werde wegen versuchten Mordes ermittelt. Laut dänischem Geheimdienst PET soll der Somalier enge Kontakte zu führenden Mitgliedern des Terrornetzwerks El Kaida in Ostafrika haben. Geheimdienstchef Jakob Scharf stufte den Vorfall als "sehr schwer" ein.

Der Somalier, der eine legale Aufenthaltserlaubnis für Dänemark habe, sei als Teil eines Netzwerks mit terroristischem Hintergrund bereits seit längerem im Zusammenhang mit Drohungen gegen Westergaard beobachtet worden, hieß es in einer Erklärung des PET. Es war zunächst unklar, ob der Mann bei seinem Angriff alleine handelte.

Mordrohungen und Boykottaufrufe

Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte im September 2005 Karrikaturen des Propheten Mohammed gedruckt, die weltweit wütende Proteste von Muslimen auslösten. Bei den Ausschreitungen starben damals mindestens 150 Menschen. In zahlreichen islamisch geprägten Ländern gab es Boykottaufrufe gegen Dänemark.

Der Zeichner Westergaard erhielt Morddrohungen und steht seitdem unter Polizeischutz. Anfang 2008 nahm die dänische Polizei zwei muslimische Männer fest, die einen Anschlag auf Westergaard geplant haben sollen. Im Oktober 2009 wurden in den USA zwei weitere Männer festgenommen, die ebenfalls verdächtigt wurden, Anschläge auf den Zeichner geplant zu haben.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, rtr, afp)
Redaktion: Siegfried Scheithauer

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