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Kultur

Mordsmäßiges Vergnügen

Krimis haben Hochkonjunktur: Es gab noch nie so viele und vor allem so viele gute Krimis wie derzeit. Beim internationalen Krimifestival "Mord am Hellweg" in Westfalen kommen nicht nur Fans auf ihre Kosten.

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Die Lust an den dunklen Seiten des Lebens

Zwischen Hagen, Dortmund, Hamm und Lippstadt geht es aufwärts mit Mord und Totschlag: Seit 2002 das literarisch-organisierte Verbrechen in die beschauliche Gegend kam, macht die Region "am Hellweg" ihrem Namen wieder alle Ehre: Als "Hellweg“ bezeichnete man im Mittelalter eine große Landstraße, die von einer Lichtung gesäumt war, die die Kaufleute vor unliebsamen Überraschungen bewahrte. Besser gesagt: bewahren sollte. Denn Gauner und Ganoven trieben am Hellweg schon immer ihr Unwesen. In Grimms Wörterbuch steht, der Hellweg sei ursprünglich der Weg gewesen, auf dem die Leichen gefahren wurden.

Tatort Westfalen

Der bekannteste Hellweg in Nordrhein-Westfalen ist die bereits aus vorrömisch-germanischer Zeit stammende Verbindung vom Rhein bei Ruhrort über Essen, Dortmund, Unna, Soest bis Paderborn, die auf der Wasserscheide von Ruhr und Lippe nördlich des Ardeys und des Haarstranges verläuft. Ungefähr in dieser Gegend hat sich das Krimifestival "Mord am Hellweg" angesiedelt. Die Region ist reich an kulturellen Traditionen und teilweise arg gebeutelt vom Strukturwandel der vergangenen Jahrzehnte.

Gelesen wird deshalb auch gnadenlos zwischen Idylle und Industrie, in Alt und Neu: in Fröndenberg im Golfclub ebenso wie in der Stiftskirche, in Unna im Gourmetrestaurant Landhaus Ententeich und im Zentrum für Internationale Lichtkunst, in Werl im Franziskanerkloster und in Bönen im "Ostpol", dem stillgelegten Förderturm der ehemaligen Zeche Königsborn. Hochkarätige Einzellesungen, Veranstaltungen in Kloster, Schloss und Kerker, mörderische Schifffahrten, Mordsmenüs oder "Gentlemen's Crime Nights" versprechen gruselige Stunden.

Mordsmäßig gut

Autoren aus 15 Ländern und vier Kontinenten, dazu die Creme de la Creme deutscher Krimi-Autoren geben sich vom 25. September bis 13. November 2004 bei mehr als 60 Veranstaltungen ein Stelldichein. "Ich hoffe, dass wir Serientäter werden. Wir haben im Hinterkopf, aus 'Mord am Hellweg' eine Biennale zu machen", erklärt Festivalleiter Herbert Knorr, wo es literarisch hingehen soll.

Große Namen geben sich am Hellweg die Ehre: Faye Kellermann, Val McDermid, Liza Marklund, Thea Dorn, Fred Vargas (erstmals und exklusiv in Deutschland!), Polina Daschkowa und viele mehr sind angereist, um dem literarisch kriminell interessierten Publikum "ihre" Morde und Verbrechen vorzustellen. So unterschiedlich wie die Schauplätze sind auch die Krimis.

Krimis allerorten

Der Russe Andrej Kurkow liest zum Beispiel am Pinguin-Gehege im Dortmunder Zoo – weil "Pinguine Kollektivtiere (sind), genau wie die Sowjetbürger." Und weil Pinguin Mischa eine der wichtigsten Gestalten seiner Bücher ist. Gefüttert wird nebenbei. Der exklusive Sexclub "Mirabelle" in Unna ist Bühne für TV-Erotikberaterin und Sex&Crime-Autorin Nina George: Table-Dancing, Strip und SM-Show inklusive. Bereits im Vorfeld des Festivals war sie als Peitsche schwingende Domina unterwegs ("Man darf hinterher nicht erwarten, dass er auch noch kuschelt.").

Bei Lippstadt steht einsam das barocke Schloss Eringerfeld. Bei flackerndem Kaminfeuer genießen die Gäste bei einem Drink den Abend - da sackt auf einer Bank im Flur eine junge Frau tot zusammen. Ein Mord ist geschehen. 25 Hobby-Kriminalisten und Freizeitschnüffler sind ab jetzt in ihrem Element. Sie werden die "Ermittlungen" in diesem von Schauspielern inszenierten "Fall" aufnehmen. Ein Wochenende mit Überraschungen ist eingeleitet: In dem alten Gemäuer, in entlegenen Treppenhäusern und beim Candle-Light-Dinner ereignen sich weitere mysteriöse Dinge. Ziel ist es, von Freitag bis Sonntag unter Anleitung die Hintergründe und Täter des Mordfalls aufzuspüren. Viel Spaß! (nak/arn)

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