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Kultur

Morde in Virginia kaltblütig geplant

Die Bluttat des Südkoreaners war keine Kurzschlusshandlung. Nach den ersten zwei Morden schickte Cho Seung-Hui vom Postamt der Universität Virginia Tech einen Brief und ein Video an den Fernsehsender NBC.

Massenmörder Cho Seung-Hui, 18. April 2007, AP

Videobotschaft des Massenmörders auf NBC

29 Fotos, mehrere Videos von sich selbst sowie ein Text mit 1800 Worten. Das ist der Inhalt des Briefes, den Cho gegen neun Uhr morgens am Montag (16.4.) an den Fernsehsender NBC abschickte. Zwei der Fotos zeigen ihn als freundlichen Jungen – die anderen mit zwei Handfeuerwaffen – vermutlich die, mit denen er kurz danach das Blutbad anrichtete. Auf dem Kopf hat er eine schwarze Baseballmütze verkehrt herum aufgesetzt, bekleidet ist er mit einer beigefarbenen Weste, er schaut grimmig in die Kamera oder zielt mit einer Waffe ins Objektiv.

Die Videos zeigen ihn in einem Auto oder vor einer Wand. Einige Passagen seines Briefes liest er vor: "Als die Zeit kam, habe ich es getan – ich musste es tun." An anderer Stelle macht er offenbar die Gesellschaft für sein Handeln verantwortlich: "Es hätte eine Million Möglichkeiten gegeben, das zu verhindern, aber ihr habt entschieden, mein Blut zu vergießen. Ihr habt mich in die Ecke gedrängt und mir nur eine Möglichkeit gelassen. Es war eure Entscheidung. Nun habt ihr Blut an den Händen, das nie wieder abgehen wird."

Auffälligkeiten waren bekannt

Passfoto von Cho Seung-Hui, AP

Cho Seung-Hui war ein Einzelgänger


Einen Sinn ergeben all diese Dokumente bis jetzt nicht. Es scheint sich auch kein konkreter Hinweis zu finden, warum Cho das Blutbad angerichtet hat. Fest steht allerdings, dass er schon vorher auffällig war. Im November und Dezember 2005 beschwerten sich zwei Studentinnen bei der Polizei, Cho würde sie belästigen. Die Polizei sprach mit ihm und überredete ihn, mit einem Psychologen zu sprechen, nachdem ein Bekannter gemeldet hatte, dass Cho selbstmordgefährdet sei. Nach dem Treffen mit dem Psychologen wurde der Südkoreaner in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Der Nachrichtensender CNN meldet, ein Richter habe ihn für psychisch krank und als eine Gefahr für sich selbst erklärt. Auch seine Englischlehrerin hatte sich besorgt über seine Texte gezeigt, sie gab ihm schließlich Einzelunterrichtet. Andere Studenten beschreiben ihn als Einzelgänger, der nie geredet und jeden Augenkontakt vermieden habe.

Zwischen den Morden zur Post

Dadurch, dass der 23-Jährige offenbar zwischen der ersten und der zweiten Bluttat noch Zeit hatte, den Brief bei der Post aufzugeben, erhalten die Vorwürfe gegen die Polizei und die Universitätsleitung neue Nahrung. Die Polizei hatte offenbar nach den ersten beiden Morden den falschen Mann im Verdacht und es zwei Stunden nicht für nötig gehalten, den Campus zu räumen oder die Studenten zu informieren.

Eine unabhängige Untersuchungskommission soll den Vorwürfen nachgehen. Der Fernsehsender jedenfalls hätte die Studenten nicht warnen können. Der Brief und das Video erreichten NBC zu spät - am Montagmittag. Der Fernsehsender hat den Inhalt an das FBI weitergeleitet, wo es zurzeit untersucht wird.

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