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Europa

Morddrohung gegen Belgiens Justizministerin

Belgiens Justizministerin muss um ihr Leben fürchten, sie erhielt von Unbekannten einen Brief mit einer Morddrohung. Diese wird nach der Ermordung des niederländischen Regisseurs Theo van Gogh sehr ernst genommen.

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Unter erhöhtem Polizeischutz: Laurette Onkelinx

Die belgische Justizministerin Laurette Onkelinx hat nach eigenen Angaben zusammen mit anderen Politikern Todesdrohungen erhalten. Wie die Ministerin am Donnerstagabend (18.11.2004) mitteilte, wird ihr Name in einem Drohbrief aufgeführt. Laut Medienberichten stehen in dem Brief auch die Namen zweier weiterer Politiker, darunter der frühere Justizminister Philippe Moureaux.

Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass die marokkanischstämmige Abgeordnete Mimount Bousakla unter Polizeischutz gestellt wurde und sich an einem geheimen Ort versteckt hält, weil ihr Anrufer mit einer "rituellen" Tötung gedroht hatten. Auch Frau Onkelinx ist nun nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter verstärkten Polizeischutz gestellt worden.

Im Versteck

Laut Frau Onkelinx besteht ein Zusammenhang mit den Todesdrohungen gegen die Abgeordnete Bousakla, die wiederholt die moslemische Gemeinschaft in Belgien für ihre Rückständigkeit kritisiert hatte. Bousakla hatte unter anderem die Muslimische Exekutive, die Dachorganisation der Muslime in Belgien, kritisiert, weil sie den Mord an van Gogh nicht verurteilte. Vor zwei Jahren schrieb Bousakla ein Buch, in dem sie sich unter anderem kritisch mit der Stellung der Frau im Islam auseinander setzte. Außerdem bezog die sozialistische Politikerin offen Stellung gegen fundamentalistische Einflüsse in belgischen Moscheen.

Filmregisseur Theo van Gogh erschossen

Theo van Gogh (Archiv)

Das Augenmerk der belgischen Behörden richtet sich auf einen möglichen Zusammenhang mit der Ermordung des islamkritischen Filmemachers Theo van Gogh in den Niederlanden. Er war Anfang November in Amsterdam im Namen einer islamistischen Gruppe getötet worden. Danach kam es in den Niederlanden zu Brandanschlägen auf mehrere Moscheen. Besonders im flämischsprachigen Norden Belgiens herrscht seitdem Sorge, dass der Konflikt auf das Land übergreifen könnte.

Jude stirbt an Schussverletzungen

Ein orthodoxer Jude erlag unterdessen seinen schweren Schussverletzungen, die er in der Nacht zum Donnerstag bei einem Anschlag im nordbelgischen Antwerpen erlitten hatte. Der 24-Jährige aus Großbritannien war in der Nacht beim Verlassen einer Synagoge mit einem Kopfschuss niedergestreckt worden. Nach Angaben der Ermittler gab es zunächst keine Hinweise auf einen antisemitischen Anschlag. Allerdings gehe die Polizei "allen Spuren" nach.

Antwerpen hat eine der größten jüdischen Gemeinden Belgiens und ist Sitz der traditionell jüdisch geprägten Diamantenindustrie. Dort gibt es bereits seit längerem Konflikte mit moslemischen Einwanderern aus dem Maghreb, zu dem nordafrikanische Länder wie Tunesien und Marokko gehören. Im Juli wurde ein 16-jähriger Jude beim Verlassen einer Talmud-Schule von jungen Männern aus dem Maghreb niedergestochen. (mas)

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