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Aktuell Europa

Mordanklage im Fall Jo Cox

Der Mann, der die britische Labour-Abgeordnete Jo Cox angegriffen und tödlich verletzt hat, ist wegen Mordes angeklagt worden. US-Präsident Obama wandte sich mit einfühlsamen Worten an die Hinterbliebenen.

Der mutmaßliche Mörder der britischen Abgeordneten Jo Cox ist einem Gericht in London vorgeführt worden. Auf die Frage nach seinem Namen sagte der 52-jährige Thomas Mair: "Mein Name ist Tod für Verräter, Freiheit für Großbritannien." Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn des Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und des unerlaubten Waffenbesitzes. Ermittler hatten zuvor sein Haus nach Hinweisen durchsucht. (Artikelbild). Mair war unmittelbar nach der Tat im nordenglischen Birstall festgenommen worden. Er hatte auf die 41-jährige Labour-Abgeordnete Jo Cox geschossen und mit einem Messer auf sie eingestochen.

Rechtsextreme Verbindungen

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hat Mair als Einzeltäter gehandelt. Gleichwohl habe er aber sehr gezielt Jo Cox ins Visier genommen. Man überprüfe zurzeit mögliche Verbindungen des Täters zu Rechtsextremisten und seine geistige Gesundheit. Konkrete Hinweise auf ein Motiv für die Bluttat gebe es allerdings noch nicht, so die Ermittler.

Der britische Sender BBC meldete, in der Wohnung des Tatverdächtigen seien Nazi-Insignien gefunden worden. Zuvor hatten Medien berichtet, dass er Verbindungen zu US-Neonazis und südafrikanischen Rassisten gehabt haben soll. Lange Zeit soll der zurückgezogen lebende Gärtner auch Unterstützer der US-Gruppe "Nationale Allianz" gewesen sein, wie die "Washington Post" schreibt.

Barack Obama an Bord von Air Force One

US-Präsident an Bord der "Air Force One"

Anruf von Obama

Wie das Weiße Haus in Washington mitteilte, hat US-Präsident Barack Obama den Witwer der ermordeten Abgeordneten, Brendan Cox, während eines Fluges in der Präsidentenmaschine "Air Force One" angerufen, um ihm und den beiden drei und fünf Jahre alten Kindern sein Mitgefühl auszudrücken. "Der Präsident sagte, die Welt sei wegen des selbstlosen Einsatzes von Jo Cox ein besserer Ort geworden und dass es keinerlei Rechtfertigung für dieses verabscheuungswürdige Verbrechen geben könne, das einer Familie die Frau und Mutter und der Gemeinschaft eine engagierte Politikerin geraubt habe", heißt es in einer Mitteilung.

Der britische Premierminister David Cameron reihte sich in Birstall in die Menge der Trauernden ein, die am Tatort Blumen und handgeschriebene Kondolenzkarten niederlegten, um der ermordeten Jo Cox die Ehre zu erweisen. Viele zeigten sich zutiefst erschüttert, besonders angesichts der Tatsache, dass der Täter aus ihrer Stadt stammt.

Brexit-Wahlkampf überschattet

Die getötete Abgeordnete Jo Cox hatte sich in der sogenannten Brexit-Debatte für einen Verbleib Großbritanniens in der EU eingesetzt. Es ist noch nicht erwiesen, dass diese Einstellung den Täter zu seinem Angriff motiviert hat. Doch es gibt Augenzeugen, die ihn "Britain first" haben rufen hören, den Namen einer noch jungen rechtsextremen und EU-feindlichen Partei.

Nach dem Mord an Jo Cox hatten sowohl die EU-Befürworter als auch die EU-Gegner sich auf einen Tag des Innehaltens verständigt. Ob und in welcher Intensität sie am Samstag ihren Wahlkampf pro und contra EU wieder aufnehmen, ist noch nicht absehbar. Die Abstimmung über Großbritanniens Verbleib in der EU oder den Austritt wird aber voraussichtlich wie geplant am kommenden Donnerstag (23.06.2016) stattfinden.

mak/ml (dpa, ap, rtr)