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Aktuell Nahost

Mord an palästinensischem Teenager: zwei Israelis verurteilt

Wegen des Mordes an einem jungen Palästinenser sind zwei jüdische Jugendliche verurteilt worden. Die Verbrennung des Opfers bei lebendigem Leib hatte zu massiven Protesten und zur Eskalation des Gaza-Konflikts geführt.

Israel Prozess Yosef Haim Ben-David - Mord an Mohammed Abu Khdeir (Foto: Reuters)

Kurzfristiger Aufschub: Die Verurteilung des mutmaßlichen Anführers der jüdischen Extremisten steht noch aus

Mohammed Abu Chedair war 16 Jahre alt, als er am 2. Juli 2014 von drei jüdischen Extremisten in Ostjerusalem entführt wurde. Zwei von ihnen waren zum Tatzeitpunkt noch minderjährig. Chedairs Leiche wurde am Folgetag in einem Waldstück bei Jerusalem gefunden. Die Obduktion ergab, dass er bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Fast eineinhalb Jahre später hat nun das Bezirksgreicht Jerusalem zwei der drei Angeklagten verurteilt. Die Identität der beiden jungen Israelis ist unbekannt, das Strafmaß soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden.

Hauptangeklagter noch nicht verurteilt

Das Urteil gegen den 30-jährigen Hauptangeklagten wurde Medienberichten zufolge wegen eines psychiatrischen Gutachtens aufgeschoben. Das Dokument sei erst wenige Tage vor der Urteilsverkündung eingereicht worden und besage, dass der Einwohner einer israelischen Siedlung zur Zeit des Mordes nicht zurechnungsfähig gewesen sei.

Arabische Abgeordnete im israelischen Parlament kritisierten den Aufschub am Montag scharf. "Wenn es um jüdischen Terror geht, zeigt der Staat Vergebung und Verständnis", sagte Aiman Auda, dessen arabisch-israelisches Parteienbündnis in diesem Jahr drittstärkste Kraft in der Knesset wurde, nach Angaben der "Jerusalem Post". Der Vater des Mordopfers, Hussein Abu Chedair, sagte der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan: «Ich werde es nicht akzeptieren, wenn sie weniger als lebenslänglich bekommen und fordere, dass ihre Häuser zerstört werden.» Im Falle eines milden Urteils wolle er sich dafür einsetzen, dass die Täter vor dem
Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag belangt werden.

Israel - Ausschreitungen nach der Trauerfeier um Mohammed Abu Chedair (Foto: Getty Images)

Zündstoff für den Gaza-Krieg: Der Mord an Mohammed Abu Chedair im Juli 2014 hatte gewaltsame Proteste zur Folge

Mord an Mohammed Abu Chedair war Racheakt

Nach Angaben des Gerichts töteten die drei jüdischen Israelis Mohammed Abu Chedair aus Rache. Wenige Wochen zurvor waren dreiTalmudschüler im Süden des Westjordanlands gekidnappt und getötet worden. Israel startete daraufhin eine großangelegte Militäraktion, um die Jugendlichen zu finden und ihre Entführer aufzuspüren. Dabei wurden mehr als 400 Palästinenser festgenommen.

Die Entführten wurden schließlich am 30. Juni, zwei Tage vor Mohammeds Ermordung, erschossen in einem unwegsamen Gelände nördlich von Hebron aufgefunden. Die Morde an den Israelis und an dem palästinensischen Jugendlichen führten zu gewaltsamen Protesten und zu neuer Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern, die letztlich im Gazakrieg im Juli und August 2014 mündete. Der Staat Israel hat Mohammed Abu Chedair offiziell als Terroropfer anerkannt.

hk/as (dpa, afp)