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Aktuell Afrika

Mord an Belaid vor Aufklärung

Drei Wochen nach dem tödlichen Attentat auf den tunesischen Oppositionellen hat die Polizei - nach eigenen Angaben - den mutmaßlichen Täter und einen Komplizen festgenommen. Die Regierung hüllt sich noch in Schweigen.

Die beiden Mitglieder der islamistischen Salafisten-Bewegung seien am Montag in Gewahrsam genommen worden, teilten Vertreter der tunesischen Polizei mit. Vom Innenministerium in Tunis war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Der mutmaßliche Mörder, ein 31 Jahre alter Handwerker, soll die Tat bereits gestanden haben, wie der Sender Radio Mosaique berichtete. Dabei soll er sich auf eine Fatwa, ein islamisches Urteil, gegen Chokri Belaid berufen haben. Dieser hatte sich für eine Trennung von Staat und Religion eingesetzt. Der Täter sei im Vorort Karthago im Norden von Tunis festgenommen worden, hieß es weiter.

Der Chef der Ennahda-Partei, Ghannouchi (Foto: Reuters)

Der Vorsitzende der Ennahda-Partei, Ghannouchi

Die Witwe des Ermordeten hat Klarheit über den möglichen Auftraggeber gefordert. "Es ist gut zu wissen, wer (die Tat) ausgeführt hat, für mich ist es aber sehr wichtig zu wissen, wer den Auftrag gegeben hat», sagte Basma Belaid dem französischen Sender Europe 1 in Paris. Ihr Mann sei einem Auftragsmord zum Opfer gefallen. Sie fordere einen Prozess, in dem alle Hintergründe aufgedeckt würden.

Heftigster Protest seit Revolutionsbeginn

Belaid war am Morgen des 6. Februar vor seinem Wohnhaus in der Hauptstadt erschossen worden. Die Ermordung des 48-Jährigen stürzte das nordafrikanische Land in eine tiefe Krise. Der Jurist galt als einer der schärfsten Kritiker der regierenden Islamisten. Seine Beisetzung wurde zu einer der größten Protestaktionen seit Beginn der tunesischen Revolution vor gut zwei Jahren. Auch danach gingen immer wieder zahlreiche Menschen auf die Straße, um an das Schicksal Belaids zu erinnern und zugleich gegen die regierende islamistische Ennahda-Partei und ihren Vorsitzenden Rached Ghannouchi zu protestieren (Artikelbild). Sie wurden für das Attentat verantwortlich gemacht, doch Ghannouchi wies jede Verantwortung zurück.

Als Ausweg aus der Krise wollte der bisherige Ministerpräsident Hamadi Jebali eine Expertenregierung bilden, er scheiterte aber am Widerstand seiner Ennahda-Partei und trat daraufhin zurück. Die Ennahda benannte inzwischen Innenminister Ali Larayedh als ihren neuen Kandidaten für das Amt. Er wurde am Freitag mit der Regierungsbildung beauftragt.

sti/se (afp dpa)

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