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Kultur

Moore gewinnt "Goldene Palme"

Der Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11" von Bush-Kritiker Moore hat beim Filmfestival in Cannes die Goldene Palme gewonnen. Der deutsche Beitrag im Hauptwettbewerb, "Die fetten Jahre sind vorbei", ging leer aus.

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Strahlender Sieger: Michael Moore

"Die rechtsgerichteten Medien in den USA werden sagen, dies ist ein französischer Preis", meinte Moore unter Anspielung auf die strikte Pariser Haltung gegen den US-geführten Krieg gegen Bagdad. In der neunköpfigen Jury von Cannes saßen allerdings vier Amerikaner.

Die Jury um US-Regisseur Quentin Tarantino ("Kill Bill") hat am Samstag (22.5.) mit der Goldenen Palme für Moore ein Zeichen im US-Wahlkampfjahr gesetzt. Der Film, der in den USA noch keinen Vertrieb gefunden hat, war schon während des Festivals mit Ovationen bedacht worden. Tarantino habe ihm aber gesagt, er habe die Goldene Palme nicht aus politischen Gründen erhalten, sondern weil es "ein großer Film" sei, erläuterte Moore.

Moore widmet Film den "Kindern der Welt"

Moore widmete seinen Film "den Kindern Amerikas und des Iraks und all jenen in der Welt", die unter Bushs Politik litten. Er äußerte die Hoffnung, dass auch "das amerikanische Volk" den preisgekrönten Film nun bald sehen dürfe, damit "die Wahrheit ans Licht" komme.

Der Oscar-Preisträger ("Bowling for Columbine") zeigt in seiner Dokumentation auch Aufnahmen aus dem Irak-Krieg, darunter Bilder von irakischen Verwundeten sowie von Gefangenen, die von US-Soldaten misshandelt wurden. Moore gilt seit Jahren in den USA als einer der schärfsten Kritiker Bushs und hat die Abwahl des Präsidenten bei der Wahl im November 2004 immer wieder öffentlich als eines seiner größten Ziele bezeichnet. "Ich habe die große Hoffnung, dass sich die Dinge ändern werden", sagte Moore nach der Auszeichnung in Cannes.

Kritiker warfen Moore Polemik vor

Kritiker werfen Moore vor, weniger Aufklärung als reine Polemik zu betreiben und betrachten "Fahrenheit 9/11" als gegen Bush gerichteten Propagandafilm, der die Präsidentenwahl beeinflussen solle. Bereits vor den Filmfestspielen in Cannes hatte der Film für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Das Mutterunternehmen der Produktionsfirma Miramax, Walt Disney, hatte angekündigt, den Film in einem Wahljahr nicht vertreiben zu wollen.

Weingartner ging leer aus

Der deutsch-österreichische Beitrag "Die fetten Jahre sind vorbei" von Hans Weingartner ging leer aus. Insgesamt standen 19 Filme im 57. Wettbewerb an der Côte d'Azur. Ein großes Fest war Cannes für den asiatischen Film, der sechs von 19 Beiträgen im Wettbewerb hatte. Der Große Jury-Preis ging an das Rachedrama "Old boy" des Südkoreaners Park Chan-wook. Als beste Darsteller wurden der junge Japaner Yuuya Yagira aus "Nobody knows" von Hirokazu Kore-eda und die Chinesin Maggie Cheung aus dem Drogenfilm "Clean" von Olivier Assayas geehrt.

Nach der Preisvergabe hatte als Gala-Vorstellung Irwin Winklers "De-lovely" zum Leben des amerikanischen Songschreibers Cole Porter Weltpremiere. Kevin Kline spielt den Komponisten von "Night and Day" und "In the Still of the Night", wobei auch Rock- und Pop-Größen wie Alanis Morissette, Robbie Williams und Sheryl Crow darin auftreten. (ali)

Die Liste der Gewinner:

Goldene Palme: "Fahrenheit 9/11" von Michael Moore (USA)

Großer Preis der Jury: "Old boy" von Park Chan Wook (Südkorea)

Beste Schauspielerin: Maggie Cheung (China/Hongkong) für ihre Rolle in "Clean" von Olivier Assayas (Frankreich)

Bester Schauspieler: Yagira Yuuya für seine Rolle in "Nobody knows" von Kore-Eda Hirokazu (Japan)

Beste Regie: Tony Gatlif für "Exils" (Frankreich)

Bestes Drehbuch: Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri für "Comme une

Image" (Frankreich)

Preis der Jury: Irma P. Hall für ihre Rolle in "Ladykillers" von Joel und Ethan Coen (USA) sowie der Film "Tropical malady" von Apichatpong Weerasethakul (Thailand)

Goldene Palme für den besten Kurzfilm: "Trafic" von Catalin Mitulescu (Rumänien)

Preis der Kurzfilm-Jury: "Flatlife" von Jonas Geirnhart (Belgien)

Goldene Kamera für das beste Erstlingswerk: "Mon trésor/Or" von Keren Yedaya (Israel)

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