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Global Ideas

Moore, die unterschätzten Klimaretter

Moore gehören zu den mächtigsten Klimaschützern der Welt. Die Forderung des Kyoto-Protokolls, die jährliche CO2-Emission um 100 Millionen Tonnen zu verringern, könnte allein durch das Wachstum der Moore erreicht werden.

das Tanner Moor – Österreich (Foto: CC/Dein Freund der Baum)

Heile Welt: Moore sind nicht nur wahre Klimaschützer, sie bieten auch vielen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum

Natürlicher Klimaschützer

„Leider fehlt den Menschen häufig noch immer das Bewusstsein für die Bedeutung der Moore für das Klima“, bedauert John Couwenberg, der an der Universität Greifswald forscht. Zwar machen Moorflächen weltweit nur knapp drei Prozent der Landfläche der Erde aus. Dafür erfüllen sie aber eine wichtige Funktion im Temperaturhaushalt der Erde, denn sie binden mehr Kohlenstoff als alle Wälder der Welt zusammen.

Moorflächen sind vor allem im kaltgemäßigten Klima der borealen Zone, also zwischen dem 50. und 70. Breitengrad, auf der Nordhalbkugel, zu finden. Allein Russland verfügt über ein Fünftel der weltweiten Moorvorkommen. Weitere große Moorgebiete gibt es in Kanada und Skandinavien, aber auch im Amazonasbecken oder in Südostasien. Selbst in Afrika werden, laut Couwenberg, beträchtliche Moorvorkommen vermutet, beispielsweise im Kongo-Becken oder im Niger-Delta.

Torfwald in Indonesien (Foto: WWF)

Brandrodungen von Torfwäldern in Indonesien setzten enorme Mengen CO2 frei.

Moore entstehen, wenn der Boden dauerhaft unter Wasser steht, also beispielsweise in Ufernähe oder nach der Schneeschmelze. Wegen des Sauerstoffmangels unter Wasser werden abgestorbene Pflanzen langsamer abgebaut, als neue über dem Wasser nachwachsen. Dadurch entsteht Torf. Dieser nimmt den Kohlenstoff auf, der vorher in den Pflanzen gespeichert war. Die Torfschicht in den Mooren der Welt wächst um durchschnittlich einen Millimeter im Jahr und hält so 150 - 250 Millionen Tonnen CO2 im Boden fest. 

Natürlicher Klimakiller

Torf als Brennstoff (Foto: DW)

Torf wird vor allem als Brennstoff oder Gartenerde genutzt. Der Abbau zerstört die Moore.

Der Mensch entwässert Moore schon seit Jahrhunderten, um Ackerland oder Bau- und Brennmaterial zu gewinnen. Durch diese Trockenlegung beginnt sich der Torf zu zersetzen, das gespeicherte Kohlendioxid wird freigesetzt. Aus dem ursprünglichen Kohlenstoff-Speicher wird eine regelrechte CO2-Schleuder.

„Weltweit sind etwa zehn Prozent aller Moore durch Entwässerung degradiert“, erklärt Couwenberg. Das führt zu einem CO2-Ausstoss von zwei Milliarden Tonnen pro Jahr, weil der Torf durch Mikroorganismen abgebaut wird. Anders als bei der Rodung eines Waldes fallen die Emissionen aus einem entwässerten Moor jedoch nicht nur einmal an, sondern solange der Torf zersetzt wird. Je nach Torfdicke kann das mehrere Jahrhunderte dauern.

In den letzten 20 Jahren ist die Co2-Emission aus trockengelegten Mooren um 20 Prozent gestiegen, daran haben auch Entwicklungsländer einen erheblichen Anteil. Besonders extensiv ist die Moordegradierung in Indonesien. Hier werden ganze Torfwälder für den Anbau von Ölpalmen, Reis oder Aloe Vera entwässert. Neben der so begünstigten Torfzersetzung machen gewaltige Moorbrände, die regelmäßig auf dem trockenen Torf ausbrechen, Indonesien zum weltweit größten CO2-Verursacher durch Moordegradierung.

Wiederentdeckung des Potenzials

Damm zum Wassereinstau als Renaturierungsmaßnahme auf teilabgetorften Flächen im Hahnenknooper Moor. (Foto: CC / Helmut Schwarting)

Die Renaturierung entwässerter Moore ist nicht schwer. Im Hahnenknooper Moor in Niedersachsen staut ein neu gebauter Damm das Wasser an.

Mittlerweile haben viele Länder die Bedeutung der Moore für das Weltklima erkannt und mit der Renaturierung von Moorflächen begonnen. Projekte gibt es beispielsweise in Weißrussland, in den USA, Kanada und Deutschland. Allein in Russland steht inzwischen eine Moorfläche von der doppelten Größe des Saarlands unter Schutz.

Um Moor zu renaturieren reicht es oft schon, Entwässerungsgräben zuzuschütten, erklärt Prof. Dr. Vera Luthardt von der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde e. V. „ Erste Moorpflanzen wie Schilf, Moos und Seggen wachsen meist schon nach zwei bis drei Jahren.“ Bis auch der Torf wieder wächst, dauere es aber bis zu 15 Jahre.

Um die klimaschützende Wirkung der Moore auch in Zukunft zu erhalten, kommt es vor allem auf eine alternative Nutzung der Flächen an, so Luthardt. Denn Moorschutz schließt eine wirtschaftliche Nutzung nicht aus. Beispielsweise könne das im Moor wachsende Schilf als Biomasse Energie liefern. Selbst eine Gründlandnutzung mit einem höheren Wasserstand ist heute möglich. „Ansätze zum Schutz der Moore gibt es genug und auch die Technik hierzu ist vorhanden. Allerdings hapert es an der Umsetzung und an den politischen Rahmenbedingungen“, sagt Luthardt. Diese sollten besser schnell geschaffen werden, denn aus dem entwässerten Moor entweichen jährlich mehr CO2-Emissionen, als durch den gesamten Verkehr weltweit verursacht werden.

Autorin: Janine Rabe
Redaktion: Klaus Esterluß

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