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Deutschland

Moonwalk mit Peer Steinbrück

Das böse M-Wort macht die Runde. Mehrwertsteuererhöhung, das haben wir zuletzt gehört, nachdem die Bundesregierung frisch im Amt war. Jetzt wird wieder darüber spekuliert. Was Michael Jackson damit zu tun hat? Einiges.

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Eigentlich sollte es in diesem fern.schreiber ausschließlich um Zahlenspiele gehen. Der Bundesfinanzminister hat in dieser Woche sein Haushaltsbuch geöffnet und gezeigt, wie er sich das mit den Einnahmen und den Ausgaben im kommenden Jahr so vorstellt. Ganz unverbindlich. Denn noch kann Peer Steinbrück ja nicht wissen, ob er nach der Bundestagswahl im September wieder Bundesfinanzminister werden und weiterhin für den Haushalt zuständig sein wird. Das Zahlenwerk für 2010 hat nämlich die zukünftige Bundesregierung zu verantworten. Interessant ist der (vorgezogene) Blick in das Haushaltsbuch trotzdem. Jetzt haben wir Bürger es nämlich schwarz auf weiß, dass der Staat im kommenden Jahr rund 90 Milliarden Euro weniger einnehmen wird, als er ausgeben will. Und damit wissen wir jetzt schon, was wir nach der Bundestagswahl zu erwarten haben.

Vorgezogene Bescherung

Das ist so, als wenn man an Weihnachten schon vor der Bescherung einen heimlichen Blick unter den Tannenbaum wirft - und dann liegen da keine Geschenke, sondern nur vertrocknete Tannennadeln. Wenn also im Wahlkampf Politiker von Steuersenkungen sprechen, dann wissen wir jetzt, dass sie sich nur beim Wahlvolk beliebt machen wollen, obwohl sie wissen, dass es ein solches Wahlgeschenk de facto nie geben wird. Jedenfalls nicht im Herbst 2009 und auch nicht 2010 oder 2011. Im Gegenteil. Wir werden mehr Steuern zahlen müssen. Das kann sich jeder mit Hilfe seiner zehn Finger ausrechnen. Es sei denn, es geschieht ein Wunder und der Bundesfinanzminister stößt doch noch auf jetzt nicht absehbare Einnahmequellen. Aber wo sollten die versteckt sein? In der Schweiz, in Luxemburg oder Liechtenstein? Ein Schelm, wer jetzt denkt, dass ein deutscher Finanzminister - und sei er auch so entschlossen wie Peer Steinbrück - es schaffen könnte, die Steueroasen anzuzapfen. Der Mann kann einem fast leid tun. Er war so nah dran. Er wäre als der Bundesfinanzminister in die Geschichte eingegangen, der es geschafft hat, keine neuen Schulden zu machen. Aber so ist das Leben.

Moonwalk im Kindergarten

Womit ich wieder am Anfang bin. Eigentlich sollte es in diesem fern.schreiber nur um Zahlenspiele gehen, um Steinbrück und seinen Kampf gegen einen unvorstellbar hohen Schuldenberg. Aber dann starb Michael Jackson. Der King of Pop. Meine Familie saß beim Frühstück, als es in den Radio-Nachrichten gemeldet wurde. Fassungslos rutschte mein fünfjähriger Sohn vom Stuhl und stellte sich vor das Radio. Er ist ein großer Fan von Michael Jackson, dessen Musik sie im Kindergarten immer hören. Irgendwelche Eltern haben zuhause ihre CD-Sammlung aussortiert und dem Kindergarten ein paar Scheiben geschenkt. Jetzt üben und tanzen die Kinder regelmäßig den "Moonwalk" und finden den offensichtlich zeitlosen Pop ganz klasse. Ob jetzt nie wieder die Musik von Michael Jackson aus dem Radio kommen würde, fragte mein Sohn bestürzt. Wir konnten ihn beruhigen, indem wir ihm erklärten, dass es Dinge gibt, die den Menschen überleben, die sein Vermächtnis sind, die bleiben und an ihn erinnern. Womit ich wieder bei Peer Steinbrück bin. Es wäre dem Mann wirklich zu gönnen, auch nach der Bundestagswahl wieder Finanzminister zu werden. Dann hätte er zumindest eine Chance, sein Vermächtnis noch ein wenig zu beeinflussen. Dann würde er vielleicht nicht als ungekrönter Schuldenkönig in Erinnerung bleiben, der er seit diesem Jahr ist. Das hat er eigentlich nicht verdient.

Autor: Sabine Kinkartz

Redakteurin: Pia Ann Gram